dlr, 22.11., 13.05: Rückkauf des Tafelsilbers v. Claudia Altmann

Rückkauf des Tafelsilbers

Viele Kommunen bedauern Privatisierungen

Von Claudia Altmann u.a.

Verpaßt? Kein Problem. Der Radiobeitrag mit seinen Ausführungen zu den Themen
– Schuldenfrei! Dresden und der Verkauf öffentlicher Wohnungen.
– Verspekuliert – Finanzinvestoren auf dem Dortmunder Wohnungsmarkt
– Teures Hin und Her – Der Fall EnBW
– Hamburg – Rekommunalisierungswünsche in Sachen Stromnetz
kann hier nachgehört werden.

Aus aktuellem Anlass sei vor allem auf die Reportage zum Hamburger Volksbegehren verwiesen. Auch hier geht es zum einen um Informationen im Bereich der Daseinsvorsorge, zum anderen um die Streitfrage, wer über das wie der Rekommunalisierung entscheidet: „Das Ziel ist ein 100prozentiger Rückkauf der Energienetze, deren Konzessionsverträge Ende 2014 auslaufen. Manfred Braasch ist Geschäftsführer des Umweltverbandes BUND in Hamburg und einer der Initiatoren von „Unser Hamburg – unser Netz“…Ein Kompromiss, den Olaf Scholz und sein SPD-Senat mit der desolaten Haushaltslage rechtfertigen: Ein vollständiger Rückkauf würde mindestens zwei Milliarden Euro kosten. Doch das ist nur ein geschätzter Wert. Der Politik liegen bisher kaum verlässliche Informationen über die Kosten des Kaufs, den Zustand der Netze und die Höhe der mit ihnen zu erzielenden Einnahmen vor.Vattenfall weigert sich, entsprechende Informationen vorzulegen. Die Stadt hat nun juristische Schritte gegen den Energiekonzern eingeleitet, um Angaben zu erhalten. Die Volksinitiative hat vorsorglich schon einmal ein Gutachten zur Finanzierbarkeit eines Rückkaufs erstellen lassen – auch wenn der Ausgangspreis noch gar nicht feststeht.“

 

Brief an Maybrit Illner: „Die oder wir? Der brutale Kampf um Rohstoffe“

Sehr geehrte Frau Illner,

zunächst möchte ich Ihnen herzlich zur 500. Sendung gratulieren und Ihnen wie der Programmredaktion des ZDF danken, dass die Privatisierung des Wassers in den Mittelpunkt Ihrer Sendung bzw. der 46. Kalenderwoche gestellt worden ist. Auch der ökologische 2-Teiler „Verschollen am Kap“ hebt sich wohltuend von vielen anderen Unterhaltungssendungen ab. Hoffentlich ermuntern die Einschaltquoten Ihre Kollegen in der Programmredaktion diesen hohen Anspruch von Unterhaltung und informativer Aufklärung fortzusetzen.

Freilich ist es sehr schwierig, innerhalb einer Stunde alle Aspekte der Wasserprivatisierung anschaulich zu vermitteln. Umso überraschter war ich, dass Sie sogar die Bedeutung von Positionslimits und deren „Reaktivierung“ im Zusammenhang mit dem Spekulationsgut Nahrungsmitteln zur Sprache bringen konnten.

Etwas mehr „Contra“ hätte ich mir auf die Ausführungen von  Entwicklungsminister Dirk Niebel gewünscht: Wenn sich Minister Niebel als Verfechter für Transparenz im globalen Wassergeschäft in Szene setzt und in gleichem Atemzug die Bedeutung der Privatwirtschaft bei der Lösung der globalen Wasserkrise herausstellt, dann lässt Herr Niebel leider unter den Tisch fallen, unter welchen intransparenten Rahmenbedingungen diese Investments abgeschlossen werden. Damit die privaten Investoren ihren lukrativen Schnitt machen, wird in der Regel das Investment durch PPP-Verträge (Public-Private-Partnership) abgesichert. Kernbestandteil solcher Verträge sind Gewinnausfallgarantien, die – wie sollte es anders sein – von den Steuerzahlern aufgebracht werden. Im Klartext: Ein Großteil der Entwicklungshilfe kommt nicht den Menschen in der 2/3 Welt zu gute, sondern landet in den Taschen der privaten Investoren.

In Berlin ist 1999 die größte Teilprivatisierung abgeschlossen und mit einem geheimen PPP-Vertrag unter Dach und Fach gebracht worden. Die Berliner Wasserbetriebe sind zu 49,9 Prozent an die Konzerne RWE und Veolia verhökert worden. Seit dem sind die Wasserpreise um 35 % gestiegen und weit über einer Milliarde Euro sind aus den Taschen der Berliner herausgepumpt worden. Während in Bolivien mit Waffengewalt um das wichtigste Nahrungsmittel gekämpft werden muss, haben wir in Berlin mit einem von über 660.000 Berlinern unterstützten Volksentscheid dafür sorgen müssen, dass diese Verträge gesetzlich offen gelegt worden sind. Auch ist es unterdessen gelungen, dass eine Arbeitsgruppe unabhängiger Juristen (aus verschiedenen Rechtsgebieten intradisziplinär zusammengesetzt, die meisten promoviert) diese Verträge nicht nur analysiert hat, sondern auch Wege aufgezeigt hat, wie diese Verträge durch unsere Feierabendparlamentarier angefochten werden könnten (den Leitfaden finden Sie und andere Interessierte auf der Homepage www.wasserbuerger.de).  Es wäre wirklich wünschenswert, wenn es uns gelänge, solche vertraglichen Vereinbarung im Rahmen Öffentlich-Privater-„Partnerschaften“ (der Begriff mafiöser „Patenschaften“ erscheint mir angemessener) zu Fall zu bringen, denn schließlich dienen solche Vereinbarungen als juristische Blaupause, die auch für das internationale Wassergeschäft „exportiert“ werden.

Für die internationale Versorgungskrise wäre es gewiss wünschenswert, dass photothermisch betriebene Meerwasserentsalzungsanlagen stärker in den Fokus der öffentlichen Wahrnehmung gelangen. Ich bin überzeugt, wenn mehr öffentliche Forschungsmittel für diese Form der Trinkwassergewinnung bereit gestellt worden wären und die Erkenntnisse nicht der privatrechtlich-kommerziellen Patentverwertung überlassen bleiben, dass wir dann schon wesentlich weiter sein könnten (s. hierzu das Zukunftsszenario in „Wem gehört das Wasser?“ auf dem oben genannten Internet-Portal). Vieles ließe sich noch ergänzend anmerken, angefangen vom angeblichen Know-How privater Konzerne und deren Kalkulationsgrundlagen wie deren Exporte alt ausgedienter Aufbereitungstechnologien bis hin zu deren Versagen bei der Wasserversorgung in Deutschland (die Schlagzeilen und die Wasserversorgungsprobleme in Spandau über mehrere Tage werden Sie gewiss auch verfolgt haben). Doch ich belasse es vorerst bei diesem Kurzkommentar und verbleibe

mit freundlichen Grüßen

Thomas Rudek
Verfasser des Berliner Volksgesetzes zur Offenlegung der geheimen Wasserverträge
Tel.: 030 / 261 33 89 (AB)
www.wasserbuerger.de

ZDF mobilisiert gegen Wasser-Privatisierung: Verschollen am Kap – spannender Öko-Thriller am 14. und 17. November, jeweils 20 Uhr 15

Bereits im James Bond Film „Ein Quantum Trost“ nahm sich Hollywood kritisch der Privatisierung des Wassers an und zurückblickend können in Polanskis legendärem und mit Jack Nicholoson brillant besetztem „Chinatown“ privatisierungskritische Ansätze erkannt werden.
Am Montag und Donnerstag legt nun zur besten Sendezeit das ZWEITE mit einem 2-teiligen Öko-Thriller nach. In „Verschollen am Kap“ wird Unterhaltsames mit politischem Anspruch präsentiert. Der Konflikt um die Privatisierung von Wasserdienstleistungen wird in dem Film in die Familie des Managers eines weltweit operierenden Wassermultis verlegt. Die „idealistische Tochter“ des Managers engagiert sich gegen die Pläne des Konzerns ihres Vaters und bandelt im südlichen Afrika mit einem Aktivisten an, der gegen die dort beabsichtigte „Wasserprivatisierung“ agitiert. Prompt wird die Tochter entführt.

Nach dem am Montag der erste Teil des spannenden und sehenswerten Thrillers ausgestrahlt wurde, ist der Kommentar der BADISCHEN ZEITUNG nicht nachvollziehbar, schrieb diese am Samstag in einem Vorbericht, dass der Zweiteiler erst sehr spät, in der letzten halben Stunde seine Stärken zeigen würde: „Auf einmal schimmert durch, wie skrupellos es auf dem internationalen Parkett zugehen kann, wenn angesichts knapper Ressourcen Wirtschaft und Politik miteinander paktieren.“

Das ZDF scheint bereits am Freitag im Rahmen einer Themenwoche den öffentlichen Blick auf die Ressourcenknappheit und die daraus resultierenden Verteilungskonflikte zu lenken: Beispielsweise wird im nachtstudio über „die gestresste Erde“ diskutiert, und unmittelbar im Anschluss an den Öko-Thriller wird die Reihe „Burnout – Der erschöpfte Planet“ mit einer Dokumentation über „Beutezüge im Klimawandel“ fortgesetzt, ein medienpädagogisch sinnvoller Ansatz, um den Zuschauern den Realitätsbezug zum Unterhaltungsfilm vor Augen zu führen. Empfehlenswert in dieser „Burnout“-Reihe ist auch der Film des Schriftstellers Ingo Schulze über die „Rettung aus dem Regenwald? Wiederentdeckung der Terra Preta“.

Auch der Sender „PHOENIX“ widmete die Sendezeit am Sonntagnachmittag ganz der „Ressource Wasser“.

Und vorgemerkt: Am 30.11. geht es um die Wasserpreise in Deutschland! In dem neuen ZDF-Format „ZDF-zoom“ werden unter dem Titel „Teure Tropfen – Das Geschäft mit unserem Wasser“ unsere „Versorger“ kritisch unter die Lupe genommen. Ein Lob an die Programmredaktion des ZDF, an der sich auch die Leitung des rbb-Fernsehens orientieren sollte.

sehenswerte Sendereihe über Abwasser auf arte „Nicht menschliches ist uns fremd. Die wunderbare Welt der Exkremente“ ab dem 31.Okt.2011

Mit Exkrementen beschäftigen sich die Wenigsten und diejenigen, die sich dieses Themas mögllicherweise nicht nur mit Neugierde sondern auch mit Leidenschaft annehmen, werden möglicherweise gleich als nekrophil bezeichnet. Und zugegeben: Was arte seinen Zuschauern zur besten Sendezeit um 18.15 Uhr in Form einer mehrteiligen Sendereihe präsentiert, das kann schon bei so manch zart Beseiteten dazu führen, dass das gerade vertilgte Abendbrot wieder seinen Weg nach oben sucht. Als die 2007 enstandene Dokumentation zum ersten Mal auf 3Sat ausgestrahlt wurde, dürfte sich beispielsweise bei mehreren Zuschauern jene Szene eingeprägt haben, als ein japanischer Wissenschaftler herzhaft in den Kackburger hineinbeißt… Nun denn – mehr soll an dieser Stelle nicht verraten werden. Nur so viel: Dieser 3-Teiler ist wirklich sehenswert!

Weiteres auf der Homepage von arte

Montag, 31. Oktober 2011 um 18.15 Uhr
Die wunderbare Welt der Exkremente – Das große Geschäft (1)
Wiederholungen: 07.11.2011 um 09:15

Dienstag, 1. November 2011 um 18.15 Uhr
Die wunderbare Welt der Exkremente – Das Stille Örtchen (2)

Wiederholungen: 08.11.2011 um 09:15

Mittwoch, 2. November 2011 um 18.15 Uhr
Die wunderbare Welt der Exkremente – Vom Kuhfladen und Elefantendunk (3)
Wiederholungen:
09.11.2011 um 09:15