Sonderausschuss zur Prüfung der Verträge konstituiert sich am 6. Januar, 12 Uhr, im Berliner Abgeordnetenhaus

Sie erinnern sich? Im Gesetzestextes des ersten gewonnenen Volksentscheids in Berlin wird im § 3 gefordert:

„Bestehende Verträge, Beschlüsse und Nebenabreden bedürfen einer eingehenden, öffentlichen Prüfung und öffentlichen Aussprache durch das Abgeordnetenhaus unter Hinzuziehung von unabhängigen Sachverständigen. Für die Prüfung der Verträge ist dem Abgeordnetenhaus eine Frist von mindestens sechs Monaten einzuräumen.“

Eilig hatten es die Abgeordneten mit der Umsetzung des Volksentscheids nicht. Fast ein Jahr hat es gedauert. Jetzt ist es endlich soweit. Am Freitag, dem 6.1., gründet sich der Sonderausschuss um 12 Uhr im Raum 311. Die Sitzung ist öffentlich.

Immerhin hat das lange Warten auch einen Vorteil, denn der Arbeitskreis unabhängiger Juristen hat bereits nach einer eingehenden Prüfung aufgezeigt, wie das Abgeordnetenhaus die Verträge juristisch zu Fall bringen könnte. Es bleibt allerdings abzuwarten, ob „unsere“ Abgeordneten bereit sind, diesen Weg zu gehen.

18.12., dlr, 11.05 Uhr: Wassermangel in Bolivien

Wassermangel in Bolivien – Umweltreportage von Katharina Nickoleit

Eine hörenswerte Reportage wie sich der Klima“wandel“ auf die Wasserversorgung der Bevölkerung im ärmsten Land Südamerikas auswirkt – u.a. mit Informationen aus Cochabamba:

„Wassermangel ist inzwischen in Bolivien ein sehr ernstes Problem, das weitere Probleme nach sich zieht. Weil sie von der Landwirtschaft nicht mehr leben können, ziehen viele Menschen in die Städte.  Doch das Problem des Wassermangels wird hier nicht kleiner. Im Gegenteil.

„Viele der Brunnen trocknen aus. Unsere hat kaum noch Wasser. Es reicht nicht mehr für alle. Wir bekommen jetzt noch zwei Mal am Tag eine oder auch nur eine halb Stunde lang Wasser.“

beschreibt Freddy Villagoméz Guzman die Situation in seinem Viertel der Zona Sur von Cochabamba, dem ständig wachsenden Elendsviertel der drittgrößten Stadt Boliviens. Mühsam zusammen gezimmerte Häuschen ziehen sich dicht an dicht den steinigen Hügel hinauf. Bäume oder sonstiges Grün sucht man hier vergeblich. Täglich kommt ein Wasserwagen, von dem die Anwohner für teures Geld Trinkwasser in Kanister abfüllen. Denn das wenige verfügbare Wasser ist nicht zum Verzehr geeignet.

„Das Schlimmste ist, dass das Wasser verschmutzt ist. Weiter oben gibt es eine Müllkippe. Der Regen sickert durch den Müll ins Grundwasser, und dadurch sind inzwischen mehrere Brunnen verschmutzt.“ „

TV: 30. Nov.: Wasserpreise im Visier / Kanalhaie wittern ein großes Geschäft

Am Mittwoch, d. 30. Nov., geht es im Ersten und im ZDF um unser Wasser.

Abwasserleitungen – nicht ganz dicht

„Kanalhaie“ wittern ein dickes Geschäft
Nur noch vier Jahre haben Hausbesitzer in Deutschland Zeit, überprüfen zu lassen, ob ihre Abwasserrohre dicht sind, oder ob da was ins Grundwasser sickert. Sanierungskosten von mehr als 30 Milliarden Euro werden veranschlagt – und der Protest gegen das Wasserhaushaltsgesetz nimmt zu.
Reportage auf PlusMinus (ARD), 21.45 Uhr

Teure Tropfen

Das Geschäft mit unserem Wasser

Deutschland ist ein Wasserparadies – sollte man meinen. Es gibt keine Wüsten und keine periodenlang anhaltende Trockenheit. Eigentlich gibt es Wasser im Überfluss. Gemessen daran ist unsere Wasserversorgung teuer. In Sachsen kostet Wasser rund achtmal mehr als in bestimmten Regionen Bayerns. Selbst innerhalb eines Bundeslandes variieren die Kosten um mehrere hundert Prozent. Warum eigentlich?
ZDF Zoom, 23.00 Uhr

Mo, 28.11., 19.30 Uhr in der Urania (Berlin): Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter

Urania-Reihe; Wege in eine ökologische und gerechte Gesellschaft I Vortrag mit Diskussion
  • Silke Helfrich, Bildungsreferentin und Publizistin, Mit-Herausgeberin des gleichnamigen Buches, Berlin

Wem gehört die Welt? Zur Wiederentdeckung der Gemeingüter

In Zusammenarbeit mit der Friedrich-Ebert-Stiftung
Wälder werden gerodet, Meere leer gefischt, die Atmosphäre belastet – Güter und Ressourcen, die frei zugänglich sind, werden übernutzt oder zerstört und gehen der Gesellschaft damit für immer verloren. Mit Appellen an die Moral oder dem Ruf nach einem ordnenden Staat lässt sich dieses Problem genauso wenig lösen wie durch das vermeintliche Allheilmittel Privatisierung. Diskutieren Sie mit Silke Helfrich, wie die „Wiederentdeckung der Gemeingüter“, für die die US-Ökonomin Elinor Ostrom den Wirtschaftsnobelpreis erhielt, dabei helfen kann, mit gemeinsam genutzten Ressourcen so umzugehen, dass alle Menschen ihre Bedürfnisse langfristig befriedigen können.
Eintritt

Normalpreis: 6,00 €, ermäßigt: 5,00 €, Urania-Mitglieder: 3,50 €

2 auf einen Streich am Freitagabend, d. 25.11.: Pro und Contra Volksentscheide / Vom Niedergang des politischen Journalismus

Kopfhöhrer aufgepasst: Möglicherweise lohnt sich das Ohrenspitzen wieder einmal. Gleich 2 Sendungen laufen parallel im Deutschlandfunk (dlf) und im Deutschlandradio Kultur (drk):

Am 25.11. um 19.07 wird knapp eine Stunde im „Wortwechsel“ die Frage diskutiert,

„Pro und Contra Volksentscheide – brauchen wir mehr direkte Demokratie?“
mit den Experten:
– Michael Efler, Sprecher „Mehr Demokratie e.V.“
– Prof. Dr. Hans J. Lietzmann, Forschungsstelle Bürgerbeteiligung, Institut
der Bergischen Universität Wuppertal
– Markus Reiter, Publizist
– Michael Borchard, Konrad-Adenauer-Stiftung
Moderation: Christian Rabhansl

Gewiss wird auch in dieser Sendung der Wasser-Volksentscheid nicht erwähnt, sondern totgeschwiegen – und das obwohl dieser Volksentscheid mit einem Spenden-Etat von nicht einmal 30.000 € ein gutes Beispiel für andere Freunde der direkten Demokratie sein könnte. Wie so etwas gelingt, wurde in der Pressemappe zum Volksbegehren erläutert!

Und im dlf geht es auch am 25.11. um 19.15 Uhr im „Medienquartett“ um das Thema
„Auf den Hund gekommen – Vom Niedergang des politischen Journalismus“
mit den Experten
– Tissy Bruns, Leitende Redakteurin, Tagesspiegel
– Prof. Monika Grütters, CDU, Vors. des Bundestagsausschusses f. Kultur u. Medien
– Prof. Margreth Lünenborg, Professorin für Journalistik, Freie Universität Berlin
– Dr. Steffen Wenzel, Vorstandvorsitzender politik-digital.de

Für den NIEDERGANG DES POLITISCHEN JOURNALISMUS zeugt auch die jüngste Berichterstattung über das Bundeskartellamt, welches die Berliner Wasserbetriebe „abmahnen“ will. In keinem der Berliner Zeitungen wird auf die Rechtsqualität einer „Abmahnung“ hingewiesen. Auch warum das überfällige Vorgehen des Kartellamts ein „Modellverfahren“ sein soll, erschließt sich der Leserschaft nicht. Doch das Schlimmste ist, dass generell der falsche Eindruck vermittelt wird, dass das Landeskartellamt die Wasserpreise im Visier hat. Das Bundeskartellamt kontrolliert lediglich die Trinkwasserpreise und kann gegebenenfalls eine rechtsverbindliche Preissenkungsverfügung erlassen. Die Abwasserpreise – und die sind in Berlin im bundesweiten Städtevergleich besonders hoch – sind nicht Gegenstand kartellrechtlicher Ermittlungen. Im Klartext: Wenn es dann irgendwann einmal –  nach dem die Berliner Wasserbetriebe mit ihren Rechtsexperten von RWE und Veolia alle Rechtsmittel zum Einsatz gebracht haben – dann doch nach Jahren gerichtlicher Auseinandersetzungen endlich zu der ausstehenden Preissenkungsverfügung kommen sollte, dann bezieht sich diese lediglich auf die Trinkwasserpreise, nicht jedoch auf die hohen Abwasserpreise. Das bedeutet: Es bleibt bei einer symbolischen Preissenkung.

Besonders beschämend für die Qualität des politischen Journalismus ist es, wenn sie zur Hofberichterstattung verkommt. Wenn beispielsweise Sebastian Heiser der taz-Leserschaft nicht nur die Rechtsauffassung von Harald Wolf (Die LINKE, Berlin) vermittelt, sondern er mit der Schlagzeile „Ein letzter Sieg für Harald Wolf“ auch unterdrückt, dass diese Rechtsauffassung höchst umstritten ist, dann scheint hier die Berichterstattung eine bedenkliche politische Schlagseite zu erhalten. Zur Erinnerung: Wolf vertritt die Ansicht, dass das Land Berlin hinsichtlich der Gewinnausfallgarantie aufgrund einer Vertragsklausel in den Fällen nicht haften muss, wenn beispielsweise das Bundeskartellamt interveniert, denn „Kartellrecht ist … Bundesrecht… Und für Nachteile aus der Entscheidung des Bundeskartellamtes muss das Land Berlin nicht haften. Die Gewinngarantie wäre ausgehebelt“. Schön wäre es ja. Doch die Konzerne RWE und Veolia werden diese Vertragsklausel gewiss anders auslegen und solche Auslegungsstreitigkeiten werden nach dem Vertrag von einem geheimen Schiedsgericht geklärt. Und da wären wir erneut bei den offen gelegten Verträgen.

Wenn Harald Wolf wirklich den Kampf gegen die Teilprivatisierung der Wasserbetriebe zu einem siegreichen Ende führen will, dann sollte er sich nicht auf Nebenkriegsschauplätzen in Szene setzen, sondern das Organstreitverfahren mit seiner Fraktion voranbringen. Der Arbeitskreis unabhängiger Juristen hat hierfür nicht nur die erforderlichen Vorarbeiten geleistet, er hat auch kompetente Anwälte gewinnen können, die bereit wären, die Organklage zu erarbeiten.