20.5.2014, 18 bis 22 Uhr: TTIP – Ausverkauf öffentlicher Dienstleistungen?

20.5.2014, 18.00 bis 22.00 Uhr: TTIP – Ausverkauf öffentlicher Dienstleistungen? 3.Zivilgesellschaftliches Außenwirtschaftsforum am 20.05.2014 im Langenbeck-Virchow-Haus in der Luisenstr. 58/59, Berlin-Mitte

Das EU-USA Freihandels- und Investitionsabkommen (TTIP) bedroht essentielle Dienstleistungen der Daseinsvorsorge – z.B. in den Bereichen Bildung, Gesundheit, Wasser, Energie oder Verkehr. Diese müssen für alle Bürgerinnen und Bürger zugänglich sein und hohen qualitativen, sozialen und umweltpolitischen Standards genügen. Diese Dienstleistungen sind am Gemeinwohl orientiert und sollen nicht der Gewinnmaximierung privater Interessen dienen. Den dazu nötigen Gestaltungsspielraum auf nationaler und kommunaler Ebene drohen die TTIP Verhandlungen weiter zu beschneiden – mehr Druck in Richtung Privatisierung ist zu erwarten. Mehr zur Veranstaltung finden Interessierte hier.

11.2.2014, 22.00 Uhr, arte: Der geplünderte Staat

Dokumentation von Stefan Aust und Thomas Ammann: Dienstag, 11. Februar um 22.00 Uhr (75 Min.)

Um öffentliche Bauvorhaben und Dienstleistungen während der Eurokrise weiter finanzieren zu können, hat die Politik ein fragwürdiges Finanzierungsmodell erfunden – Öffentliche private Partnerschaften, kurz ÖPP genannt. Dabei investieren private Unternehmen in ganz Europa in die öffentliche Infrastruktur, um sie anschließend zu betreiben. Es handelt sich um ein Finanzierungskonzept, das vollkommen intransparent ist. Angeblich sollen Bund und Länder dadurch entlastet werden, doch es zeigt sich, dass private Unternehmen hier wohl eher Profit auf Kosten des Staates machen.

Die Dokumentation berichtet anhand der wichtigsten Beispiele – darunter die Hamburger Elbphilharmonie, das umstrittene Milliardenprojekt des Pariser Justizpalastes, der Ausbau der Autobahn A7 in Norddeutschland oder der Neubau der TGV-Strecke zwischen Tours und Bordeaux – über die Erfahrungen mit ÖPP in Deutschland und Frankreich. Zu Wort kommen Befürworter und Gegner aus Politik, Wirtschaft und Wissenschaft sowie staatliche Finanzkontrolleure wie der Präsident des Bundesrechnungshofs, Dieter Engels.

Für die großen Investmentbanken und Baukonzerne ist ÖPP ein wichtiges Instrument, um den klammen Staaten trotz Schuldenbremse Aufträge zu entlocken und Milliarden zu leihen. Im Gegenzug erhalten sie dafür zum Teil zweistellige Renditegarantien, und das über Laufzeiten von bis zu 30 Jahren. In der Regel sind die Absprachen zwischen Staat und Konzernen geheim. So geheim, dass selbst die zuständigen Abgeordneten in den Parlamenten nicht informiert sind. „Die parlamentarische Kontrolle wird ausgebremst“, beklagt sich Anton Hofreiter, Vorsitzender der Bundestagsfraktion der Grünen.

ÖPP sei ein Modell, von dem alle profitieren, sagen Befürworter wie der ehemalige Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer. Aber je mehr ÖPP-Projekte es europaweit gibt und je länger sie laufen, desto deutlicher zeichnet sich ab: ÖPP werden in Wirklichkeit oft schöngerechnet.

Den Autoren gelingt es, ein Stück Geheimpolitik auszuleuchten. Berichtet wird, wie die Idee für ÖPP entstand, warum die Finanzierung zum Staatsgeheimnis erklärt wird, wer verdient – und wer am Ende bezahlt. Es geht um den staatlichen Ausverkauf, um folgenreiche Milliardengeschäfte, , und darum, wie Politiker aus guten und manchmal schlechten Gründen mit ÖPP die Zukunftsfähigkeit Europas verspielen.

Weitere Infos unter http://www.arte.tv/guide/de/049258-000/der-gepluenderte-staat

Wiederholung: Fr, 21.02. um 9:00 Uhr

7.2.2014, 20.15 Uhr, 3Sat: „Staatsgeheimnis LKW-Maut“ und im Anschluss (21 Uhr) das TV-Magazin „makro“ mit dem Thema „Deutschland zerbröselt“

Staatsgeheimnis LKW-Maut

Wie Politik und Großkonzerne kungeln

Film von Gudrun Thoma und Sebastian Schütz

Ein Segen für die klamme Staatskasse und ein Hightech-Aushängeschild für die deutsche Industrie, das sollte das Lkw-Mautsystem „Toll-Collect“ einmal werden – jetzt wird die Bundesregierung von der Vergangenheit eingeholt. Tatsächlich wurde die Maut zum Paradebeispiel für eine verkorkste Zusammenarbeit von öffentlicher Hand und Privatwirtschaft, die viele Verlierer hinterlässt – vor allem die Steuerzahler. Sie hätten allein für die verpatzte Einführung der Lkw-Maut ein Anrecht auf sieben Milliarden Euro Schadenersatz. Warum tun die Parteien kaum etwas, um jetzt, zum Auslaufen des Vertrags, einen sinnvollen Neubeginn zu ermöglichen?
Die Dokumentation „Staatsgeheimnis LKW-Maut“ verfolgt, wie sich Toll-Collect entwickelt hat: angefangen beim Ideengeber Peer Steinbrück über alle Regierungen von rot-grün bis schwarz-gelb, sekundiert von immer der gleichen Wirtschaftkanzlei. Die schuf ein Mammut-Vertragswerk, zu dem die Abgeordneten immer noch nicht vollen Zugang haben, obwohl sie über eine Vertragsverlängerung entscheiden sollen – oder eine Auflösung. Wahrscheinlich ist, dass das Pleite-Konsortium aus Daimler-Benz, Telekom und Cofiroute weitermachen wird wie bisher. Aus dem Schadenersatz wird dann wohl auch nichts.
(ARD/WDR)

13.1.2014, 18.30 Uhr, nano (3Sat): Whistleblower in der Forschung

Whistleblower in der Forschung unbeliebt
Nicht jeder will von gefälschten Daten wissen

Wer Betrug in der Forschung seiner Kollegen aufdeckt, hat es nicht leicht, musste der Prof. Eberhard Hildt am eigenen Leib erfahren.
Er war maßgeblich daran beteiligt, einen Ulmer Krebsforscher der Forschungsfälschung zu überführen. Der Wissenschaftler hat zusammen mit seiner Lebensgefährtin und Mitarbeiterin Daten frei erfunden. Eine gemeinsame Kommission der Universitäten Lübeck, Ulm und Berlin, wo beide gewirkt hatten, zählte 35 Fälschungen. Die Gruppe stieß unter anderem auf Beiträge, die in Literaturlisten aufgeführt, aber offenbar nie geschrieben worden waren. Außerdem sollen die Wissenschaftler die Arbeiten anderer Forscher als eigene Arbeit ausgegeben oder frei erfunden haben.
Das Betrugsverfahren gegen den Mediziner und seine Kollegin wurde jedoch eingestellt. Den beiden Professoren seien mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft Geldbußen auferlegt worden. Über die Höhe machte das Gericht keine Angaben. Die Staatsanwaltschaft hatte die beiden Wissenschaftler wegen Betruges angeklagt. Das Verfahren sei unter anderem eingestellt worden, da die Beteiligten inzwischen aus dem Beamtenverhältnis entlassen wurden. Außerdem sei dem Land kein finanziell messbarer Schaden entstanden.

13.1.2013, 11.35 Uhr, dlf: Fracking – Großbritannien setzt auf Schiefergas. Von Jochen Spengler

Spielfilm „Promised Land“ wird von Realität eingeholt

Fracking Großbritannien setzt auf Schiefergas

Von Jochen Spengler

Eine Frackinganlage in den USA

In den USA wird Schiefergas längst im großen Rahmen gefördert, Großbritannien will nun nachziehen. (picture-alliance | AP Photo)

Fracking ist umstritten, vor allem Umweltschützer kämpfen gegen das Förderverfahren für Erdgas. In Großbritannien ohne Erfolg: Die Regierung kündigt nun neue Anreize für zögerliche Gemeinden an.

We’re going all out for Shale, wir gehen aufs Ganze bei der Schiefergas-Förderung, sagt Premierminister David Cameron. Und als bislang deutlichstes Zeichen dafür will seine Regierung den noch zögerlichen Gemeinden neue Anreize bieten, das umstrittene Fracking auf ihren Gebieten zu erlauben. Energieminister Michael Fallon:

„Was wir heute ankündigen, ist, dass Anwohner davon stärker profitieren werden. Es wird Geld geben für die Anlieger im Fördergebiet. Vor allem aber allem sollen die Gemeinden nicht mehr die Hälfte der Grundstücks-Gewerbesteuer an den Finanzminister abgeben, sondern sie zu 100 Prozent behalten können, um die lokalen Dienste zu verbessern. Das macht bis zu 2 Millionen Euro jährlich pro Fördergebiet für eine Gemeinde aus.“

Die Regierung Cameron rechnet mit einem Schiefergas-Vorkommen von bis zu 40 Billionen Kubikmetern im Boden, womit der Energiebedarf des Landes auf Jahrzehnte gedeckt werden könnte. Investitionen von jährlich 4,5 Milliarden Euro will man anschieben.

Als erster Ölmulti stellte der französische Total-Konzern heute in Aussicht, 15 Millionen investieren zu wollen. Finanzminister George Osborne:

„Wir wollen es absolut klarmachen, dass Großbritannien an der Spitze der Schiefergasrevolution steht. Das ist eine potenzielle gigantische Energiequelle für unser Land. Die wollen wir ausnutzen, damit die Energierechnungen für Familien und Unternehmen sinken, damit wir Arbeitsplätze schaffen und jene Gemeinden profitieren, in denen die Förderung möglich ist.“

74.000 neue Jobs soll der Shalegas-Boom bringen. Doch ob nun in Südengland, in Wales oder in den Midlands – bislang ist der Widerstand der örtlichen Bevölkerung gegen Bohrungen groß. Helen Rimmer von der Umweltorganisation „Friends of the Earth“ erläutert, wieso:

„Wir glauben, dass lokal und global gesehen, Fracking ein zu großes Risiko ist. Lokal wissen wir aus den USA, dass es eine große Gefahr von Luftverschmutzung und Wasserverseuchung gibt, was auch von der EU-Kommission so gesehen wird. Und es natürlich ein weiterer fossiler Brennstoff, den wir nicht nutzen sollten, wenn wir den Klimawandel aufhalten wollen. Wir sollten das Gas im Boden lassen und in die erneuerbaren Energien investieren, die wir hier im Vereinigten Königreich haben.“

Helen Rimmer hofft darauf, dass sich die Kommunen nicht kaufen und blenden ließen von den neuen finanziellen Anreizen, die die Umweltkosten des Frackings nicht aufwögen. Und auch Sir Merrick Cockel, Chef des britischen Gemeindeverbandes, weist darauf hin, dass die Kommunen dem Gewerbesteuer-Versprechen zum Trotz am Ende zu wenig vom Kuchen abbekämen.

„Wenn die Regierung über 60 Prozent der Schiefergas-Einnahmen per Unternehmenssteuer abgreift, dann sollten wir davon einen fairen Anteil bekommen. Bislang erhalten wir nur ein Prozent der Erlöse. Zehn Prozent für die Gemeinden, ob Landbesitzer oder nicht, wäre eine sehr viel gerechtere Größenordnung.“


Weiterführende Information

US-Wirtschaft – Rückkehr an die Weltspitze (Deutschlandfunk, Wirtschaft am Mittag, 07.01.2014)

Gasförderung – Fracking ist nicht gleich Fracking (Deutschlandfunk, Umwelt und Verbraucher, 23.12.2013)

Umwelt – In Fracking-Gebieten wurden hormonähnliche Substanzen im Wasser gefunden. (Deutschlandfunk, Forschung aktuell, 19.12.2013)

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