29.12.2013, 18.30 Uhr, 3sat (nano): Gift (PFT) strömt zum Rhein

Gift strömt zum Rhein
Durch Löscharbeiten gelangte PFT ins Grundwasser

Die Sanierung verseuchter Gewässer und Böden im Bereich des Flughafens Düsseldorf wird voraussichtlich bis 2027 dauern und hohe zweistellige Millionensummen kosten.

Das veröffentlichte ein Bericht des nordrhein-westfälischen Umweltministers Johannes Remmel (Grüne) im November 2013. Eine Gefahr für das Trinkwasser sei derzeit dennoch nicht zu befürchten. Die Grundwasserbelastung des Düsseldorfer Nordens mit der krebsverdächtigen Industriechemikalie perfluorierte Tenside (PFT) ist der bundesweit größte bekannte Fall. Das Thema stand Anfang November 2013 auf der Tagesordnung des Umweltausschusses im Landtag.

zur Sendung

28.11.2013, 10.10 Uhr, dlf: Kollege Whistleblower – Wie viel Verschwiegenheit im Job sein muss

Kommentar Wasserbürger: Erinnern Sie sich an jenen Fall, als vor 12 Jahren ein Mitarbeiter der EU-Kommission Mißbrauchsfälle innerhab seiner Behörde ans Tageslicht bringen wollte? Guido Strack informierte Olaf, die europäische Behörde für Betrugsbekämpfung, über Missstände in seiner Dienststelle, nachdem wenige Wochen zuvor die EU-Kommission ihre Beamten zur Meldung von finanziellen Unregelmäßigkeiten verpflichtet und ihnen Schutz vor Repressalien zugesichert hatte! Doch die Antikorruptionsstelle Olaf zeigte nur geringes Interesse und stellte den Fall ein. Für Guido Strack begann ein Spießroutenlauf, angefangen vom Ende seiner beruflichen Laufbahn bis hin zu dauerhaftem Mobbing. Die mangelhafte Praxis des Whistleblowings in EU-Behörden bestätigt auch ein Gutachten der Unternehmensberatung PricewaterhouseCoopers (PwC). Das traurige Ergebnis: Wer auf Missstände hinweist, riskiert Job und Gesundheit und endet als Frühpensionär. Landet ein Fall vor Gericht, dann beschäftigen sich die Richter fast ausschließlich mit Verfahrensfragen. Die Aufklärungsquote ist gering. Gerade vor diesem Hintergrund sind die „zurückhaltenden“ Positionierung von Valerie Holsboer, Christoph Kleinmann und leider auch von Andreas Splanemann (ver.di) im Marktplatz-Gespräch des dlf über Whistleblower weder nachvollziehbar, noch akzeptabel, noch hinnehmbar. Wo betrieblich unhaltbare Misstände auftreten, sind diese schonungslos zu veröffentlichen und die Hinweisgeber sind zu belohnen und zu befördern, denn wir brauchen keine Duckmäuser und Angsthasen, sondern Arbeitnehmer mit aufrechtem Gang. Ob die Große Koalition endlich ein Whistleblower-Schutzgesetz auf den Weg bringen wird, das diesen Namen auch verdient? Es ist wohl eher mit dem Gegenteil zu rechnen. Dass es auch anders geht, beweist jeden Tag die freigestellte Jobcenter-Mitarbeiterin Inge Hanemann mit ihrer Transparenzoffensive „http://altonabloggt.wordpress.com/„. Und ob es Zufall ist, dass gerade heute, am 1. Dezember, der dlf an Dietrich Bonhoeffer und die Schule der Empörung erinnert? Einige mögen einwenden, dass doch zu unterscheiden ist, zwischen dem Widerstand im Nationalsozialismus und der heutigen Zeit. Dem ist entgegen zu halten, dass Freiheit ein absolutes Gut ist – und wenn der Betriebsfrieden nur gewahrt werden kann, wenn unhaltbare Misstände zu Lasten und zum Schaden Dritter unter den Teppich gekehrt werden, und Hinweisgeber gemobbt und gebrochen werden, dann sollten diese Bedenkenträger ihre „Abwägungsvorbehalte“ nicht länger am eigenen Nutzen ausrichten. Und seien wir ehrlich: Ob es das Arbeitsleben oder das viel gerühmte ehrenamtliche Engagement betrifft: Hinweisgeber und Regeln zu einer umfassenden Transparenz sind sowohl im Arbeitsleben wie im Bereich des außerparlamentarischen Protests unumgänglich. Das beweist der erste und bisher einzige, erfolgreiche Volksentscheid in Berlin. Oder finden Sie es nicht auch sehr merkwürdig, dass nach der Offenlegung der geheimen Wasserprivatisierungsverträge weder der eine noch der andere Wassertisch die Klageschrift gegen diese Verträge veröffentlicht??? Und dass sich diese Geheimniskrämer ausgerechnet jetzt zu Wort melden, um die Wasserbetriebe zu demokratisieren, erscheint als schlechter Witz. Statt SIe zu bevormunden und Ihnen Informationen vorzuenthalten, haben die Wasserbürger umgehend auf die Organklage hingewiesen (LINK).

Kollege Whistleblower

Wie viel Verschwiegenheit im Job sein muss

Am Mikrofon: Birgid Becker

Ob Gammelfleisch in der Supermarkt-Theke, versteckte Kameras in der Umkleidekabine oder Unmenschlichkeit im Pflegeheim – viele Skandale wären nicht bekannt geworden, hätten nicht Mitarbeiter die Missstände öffentlich gemacht oder sogar ihren Arbeitgeber angezeigt.

Meist müssen sie das mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes bezahlen.

Die Öffentlichkeit wiederum ist sich uneins darüber, ob die Whistleblower – eingedeutscht Hinweisgeber – Helden oder Verräter sind. Auch die Politik betrachtet den Hinweisgeber mit unterschiedlichen Augen: Einen arbeitsrechtlichen Schutz für Hinweisgeber, den SPD und Grüne schon einmal gesetzlich eingerichtet sehen wollten, lehnten Christ- und Freidemokraten ab.

Was sagt das Arbeitsrecht zum Whistleblower? Wie viel Loyalität darf der Arbeitgeber verlangen? Was tun bei Missständen im Unternehmen, auf die Vorgesetzte nicht reagieren wollen? Wann ist die Anzeige eines Missstandes vielleicht sogar Pflicht?

Studiogäste

Valerie Holsboer, Bundesverband der Systemgastronomie, www.bundesverband-systemgastronomie.de
Christof Kleinmann, Friedrich Graf von Westphalen & Partner, www.gvw.com
Andreas Splanemann, Verdi Berlin-Brandenburg, www.verdi.de
Guido Strack, Whistleblower-Netzwerk, www.whistleblower-net.de


Mehr bei deutschlandradio.de

Links bei dradio.de:

Auszeichnung für einen Mutigen
Kampf um Rehabilitation
„Wir müssen den Whistleblower-Schutz verstärken“
„Dann wird halt gar nichts mehr veröffentlicht“
„Wir werden alle miteinander unter Generalverdacht gestellt“
„Wer sicher sein will, der muss schweigen“

5.11.2013, dlf: Die Stadt als Stoffwechselkreislauf – Interview mit Michael Prytula vom Deutschen Institut für Urbanistik über (Ab-)Wassersysteme früher und heute

Die Stadt als Stoffwechselkreislauf

Michael Prytula vom Deutschen Institut für Urbanistik über (Ab-)Wassersysteme früher und heute

Moderation Britta Bürger

Auf der International Water Week in Amsterdam werden in dieser Woche technische Innovationen rund um die Wasserver- und die Abwasserentsorgung vorgestellt. Architekt Michael Prytula erklärt, warum der sparsame Umgang mit Wasser städtische Abwassersysteme blockieren kann oder wie Mikroben Wasser wieder aufbereiten.

Britta Bürger: In Amsterdam, der wasserreichsten Stadt Europas, findet in dieser Woche, umgeben von Grachten und Kanälen, die International Water Week statt, eine Messe, auf der technische Innovationen rund um die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung unserer Städte vorgestellt werden. Dabei geht es um mehr als ausgeklügelte Kanalisationen, im Untergrund der Städte bestimmen nämlich hoch komplexe unsichtbare Systeme unser Leben. Ein Thema, mit dem sich auch der Berliner Architekt Michael Prytula am Deutschen Institut für Urbanistik befasst. Heute ist er unser Gast, Herr Prytula, schönen guten Tag!

Michael Prytula: Ja, guten Morgen!

Bürger: Es ist ja noch gar nicht so lange her, dass Wörter wie Gosse und Rinnstein noch ganz real zum Alltag gehört haben. Bis wann lief das Abwasser – nehmen wir ruhig das Beispiel Berlin – noch direkt am Straßenrand entlang?

Prytula: Man muss sich vorstellen, dass Berlin eigentlich vor 150 Jahren, also bis Mitte des 19. Jahrhunderts, noch über keine Kanalisation verfügte, wie wir sie heute kennen. Es gab noch kein Abwassersystem in der Form, wie wir es heute kennen.

Bürger: Das heißt, das Abwasser lief ungefiltert in die Spree und den Landwehrkanal?

Prytula: Ja, es gab verschiedene Systeme, es wurde unter Umständen auch dezentral gesammelt und auf die Felder zurückgebracht. Etwas, was man heute auch durchaus wieder unter dem Systembegriff Nährstoffmanagement versucht nachzuvollziehen und wiederzubeleben. Aber es gibt Berichte von Besuchern der Stadt, die Berlin als eine sehr stinkende Stadt empfunden haben.

Bürger: Sehr stinkend, und im Winter wahrscheinlich wahnsinnig vereist?

Prytula: Vereist, ja, und sicherlich nicht sehr hygienisch.

Bürger: Berlin hat dann Ende des 19. Jahrhunderts Standards gesetzt. Interessant, dass man sich wohl zuerst tatsächlich nicht um die Versorgung mit frischem Trinkwasser gekümmert hat!

Prytula: Nein, es war eigentlich so, dass es frühzeitig, auch ausgehend von England, in London, also als Industrienation, die federführend war, diese Systeme schon entwickelt hatte, dass dann die Berlin Water Companies Berlin erst mal mit Trinkwasser versorgt haben und dann plötzlich die Kommune in Zugzwang war, was machen wir mit dem aufkommenden Abwasser eigentlich. Bis dahin hatte man quasi ein System entwickelt, auch privatwirtschaftlich entwickelt, was Berliner Bezirke mit Trinkwasser dann versorgt hat, aber das Abwasser war nicht geklärt.

Bürger: Crelle und Hobrecht, Wiebe und Virchow, das sind alles Namen, die einem im heutigen Berlin auf Schritt und Tritt begegnen. Sie alle hatten Ideen zur Lösung der Abwasserprobleme der Stadt. Was war davon jetzt wirklich bahnbrechend und ist auch heute noch Teil unseres jetzigen Untergrunds?

Rieselfelder als Innovation

Prytula: Zum einen wurde diskutiert, ob man ein zentrales Abwassersystem einführt. Das hat dann Hobrecht als Planung auch umgesetzt. Und was da innovativ war, war vor allem, dass er als Vermessungsingenieur sehr gut die Topografie der Landschaft kannte. Der Hobrecht-Plan ist ja auch ein Stadterweiterungsplan von Berlin, für eine Stadt von vier Millionen Einwohnern, damals schon, Mitte des 20. Jahrhunderts entwickelt. Und er hat Berlin dann in verschiedene Entwässerungsbezirke eingeteilt, die dann durch die natürliche Schwerkraft zu einem tiefsten Punkt jeweils regional das Wasser gesammelt haben und dann über ein Pumpwerk vor die Tore der Stadt auf Rieselfelder gebracht haben. Die Rieselfelder waren auch eine Innovation, da hat er viel experimentiert, welche Pflanzen, wie das funktionieren kann, dass dann die Abwässer dort wieder gereinigt werden.

Bürger: Im 20. Jahrhundert kam dann dieses Konzept der Stadt als Stoffwechselkreislauf auf, das ist ja schon so was, was Sie gerade beschrieben haben. Man sprach vom urbanen Metabolismus. Haben die Ingenieure und Architekten des 19. Jahrhunderts dafür tatsächlich die Grundlagen geliefert, haben sie die Stadt im Grunde schon damals als Stoffwechselsystem verstanden?

Prytula: Es ist schwer zu sagen. Ich denke, Wissenschaft oder auch Ingenieurskunst ist dann ja auch eine Art von Patchwork, wo viele Generationen arbeiten. Und manche Systeme, die dann als Lösung gelten, werden dann von späteren Generationen als Problem erkannt. Also Stichwort verkehrsgerechte Stadt nach dem Zweiten Weltkrieg, Auto-gerechte Stadt, was man dann ja auch wieder infrage gestellt hat und heute wieder andere Konzepte entwickelt. Insofern, ja, ich glaube, da waren viele Ansätze schon vorhanden und der Stoffwechselansatz ist eigentlich genuin was aus dem 20. Jahrhundert.

Bürger: Von der Gosse zum urbanen Metabolismus, was passiert eigentlich mit unserem Abwasser? Darüber sind wir hier im Deutschlandradio Kultur im Gespräch mit dem Architekten Michael Prytula. Wir leben ja in Zeiten immer knapper werdender Ressourcen, wir kaufen Waschmaschinen, die möglichst wenig Wasser verbrauchen, Duschköpfe, die aus wenig Wasser mehr machen, Toilettenspülung mit Stopptaste, all solche Sachen. Welche Auswirkungen hat das denn auf die Abwassersysteme?

Prytula: Einige Auswirkungen sind die, dass wir teilweise weniger Abwasser produzieren, als den Abwassersystemen lieb ist. Das gerade beschriebene System der Schwerkraft basiert ja letztendlich auf der Schwemmkanalisation. Das heißt, die Stoffe, vor allem die Fäkalstoffe, die das Problem darstellten, auch hygienische Probleme des 19. Jahrhunderts, werden durch Wasser durch die Kanalsysteme mit Schwerkraft transportiert zunächst. Und wenn diese Abwassermengen geringer werden, dann bleiben die Schwemmstoffe halt liegen. Und wir sind heute so dabei, dass die Berliner Wasserbetriebe zum Beispiel im Sommer oder in Urlaubszeiten in bestimmten Bereichen tatsächlich die Kanäle künstlich spülen, damit es dort nicht zu Verunreinigung kommt und es stinkt.

Bürger: Mit frischem Wasser?

Prytula: Mit frischem Wasser, ja.

Bürger: Unsere Städte verändern sich ja immer weiter, in bestimmten Bezirken gibt es eine extreme Verdichtung. Doch diese unterirdische Infrastruktur, die bleibt ja vergleichsweise starr. Macht auch das Probleme, vor welchen Aufgaben stehen heutige Stadtplaner mit Blick auf die Abwasserentsorgung und die Wasserzufuhr?

Prytula: Einerseits, wenn man zurückguckt noch mal in die Geschichte der Nachkriegszeit, so gab es da mit dem Hansaviertel ja den Plan, mit einer komplett neuen Stadtentwicklung …, also die alte Stadt war durch die Bomben weitestgehend zerstört und man wollte jetzt nach der Charta von Athen moderne Stadtplanung machen, hat dann aber festgestellt, dass ja der Untergrund unzerstört war. Quasi 90 Prozent der Infrastrukturen, die ja auch viel Geld kosten, waren erhalten geblieben. Und man hat dann den Wettbewerbsentwurf vom Hansaviertel an das unterirdische Stadtnetz quasi wieder angepasst. Was heute eine große Frage ist, man diskutiert viel über die Energieknappheit, Ölknappheit. Es gibt Wissenschaftler im Wasserbereich, die sagen, bevor uns das Öl ausgeht, gehen uns die Nährstoffe aus.

Tonnenlösung statt Schwemmkanalisation

Die Felder werden ja mit Phosphaten gedüngt, das sind in der Regel Lagerstättenphosphate, die gewonnen werden, die aber durch die Schwemmkanalisation halt letztendlich ins Meer gespült werden, die verloren gehen. Und was damals schon bei der Einführung des zentralen Wassersystems diskutiert worden ist, Liebig, der Agrarwissenschaftler, hatte sich damals starkgemacht für die Heidelberger Tonnenlösung, quasi nicht eine Schwemmkanalisation, sondern eine dezentrale Sammlung von Abwässern, häuslich, die dann wieder auf die Felder gebracht werden können. Das wird heute tatsächlich wieder diskutiert, praktiziert, da gibt es auch technische Lösungen, Lübeck-Flintenbreite, mit Vakuumtoiletten gibt es solche Systeme, die dann tatsächlich die Nährstoffe sammeln und die man dann wieder aufbereitet auf die Felder bringen kann.

Bürger: Heute arbeiten ja nicht mehr wie zu Hobrechts Zeiten nur Ingenieure und Architekten an diesem städtischen Stoffwechselkreislauf. Wie und von wem werden solche Versorgungskonzepte der Städte heute erdacht?

Prytula: Wir arbeiten am Deutschen Institut für Urbanistik, vor allem Kollegen, auch sehr stark im Bereich der Transformation der Wasserinfrastruktur, auch der Energieinfrastruktur. Und das sind in der Regel transdisziplinäre Forschungsprojekte, vom Bundesministerium für Bildung und Forschung gibt es da auch einen extra Forschungsschwerpunkt, sozialökologische Forschung. Das heißt, allein mit Ingenieurskunst oder allein mit sozialwissenschaftlichen Ansätzen kommt man da nicht weiter, sondern tatsächlich die transdisziplinäre Zusammenarbeit ist ein Schlüssel für eine nachhaltige Zukunft.

Bürger: Heute müsste das Ziel sein, alles in diesen Stoffwechselkreislauf zurückzuführen, die Energie umzuwandeln. Gibt es da bereits auch Konzepte für Städte wie Berlin, die in diese Richtung eine wirkliche Revolution einleiten könnten? Denn noch machen wir ja ganz absurde Sachen, spülen zum Beispiel unsere Toiletten mit frischem Trinkwasser.

Prytula: Ja. Es gibt Grauwasserkonzepte, die haben sich auch technologisch mittlerweile ziemlich etabliert.

Bürger: Grauwasser, erklären Sie den Begriff noch?

Prytula: Das heißt, Abwasser, was im Haushalt anfällt aus Handwaschbecken, Dusche, Badewanne, was eben wenig belastet ist, wird in einem in der Regel Haus-eigenen System aufbereitet über Mikroben, die die organischen Bestandteile aus dem Wasser herausknabbern, und dann als aufbereitetes Wasser wird das in die Toilettenspülung eingeführt. Wir haben selber unser Haus so ausgerichtet und können damit im Grunde täglich 700, 800 Liter Wasser sparen.

Bürger: Als Privatperson haben Sie das umgerüstet. Aber könnte so etwas auch zu einem großen Infrastrukturprojekt dieses Jahrhunderts werden für gesamte Städte, also auch für die Kommunen?

Prytula: Ja, ich glaube, man muss das systemisch betrachten. Ich denke, die Ausgangslagen der Regionen und Kommunen ist ja unterschiedlich. Das ist die Frage von Innovationszyklen. Also, wenn man jetzt ein Kanalsystem komplett erneuert, stellt sich schon die Frage, ob man heute nicht auch andere technologische Möglichkeiten hat, also irgendwie eine Trennstoffbehandlung oder eine starke Integration von Grauwasser oder Regenwasser in die Wassersysteme. Aber das muss man, glaube ich, sehr dezidiert von Fall zu Fall betrachten und nicht in den Fehler zurückfallen, der, denke ich, so ein bisschen das Denken des 19. Jahrhunderts auch geprägt hat: technologische, ingenieurstechnologische Lösungen zu finden, die alles erschlagen. Ein Thema der Moderne ist, man hat eine Standardlösung. Und ich glaube, eine nachhaltige Entwicklung in allen Bereichen wird sich durch eine Pluralität von vielen Lösungen auszeichnen.

Bürger: Gerade haben wir in Berlin an den Volksentscheiden zu kommunalen Wasser- und Energieversorgung ja gesehen, wie kontrovers diese Themen debattiert werden. Die Frage also, ob eine Stadt ihre Infrastruktur privatisieren sollte oder nicht. Welchen Weg halten Sie da mit Blick auf die Weiterentwicklung der Wassersysteme für sinnvoll?

Prytula: Ich denke, die Rekommunalisierung jetzt auch in Berlin, hat ja der Volksentscheid auch ein bisschen gezeigt, ist ein Weg. Ich denke, es gibt andere Ansätze auch mit einer privateren Wasserversorgung, wird auch kontrovers diskutiert, aber die kommunale Fürsorge auch und der Besitz und der Betrieb, die kommunale Fürsorge sozusagen in öffentlicher Hand zu haben, ist, denke ich, was diese Dinge angeht, schon auch eine etablierte und gute Leistung.

Bürger: Die Stadt als Stoffwechselkreislauf, damit beschäftigt sich der Architekt Michael Prytula vom Deutschen Institut für Urbanistik. Ich danke Ihnen für das Gespräch!

Prytula: Vielen Dank!

weitere Links bei dradio.de:

20.11.2013, 17.00 – 21.00 Uhr, Abgeordnetenhaus Berlin: „Wer darf an die Spree?“

Im Rahmen der Veranstaltungsreihe „Wasser bewegt Berlin“ findet am 20.11.2013 die Veranstaltung   „Wer darf auf die Spree?“ im Berliner Abgeordnetenhaus statt.

In diesem Sommer ist mit dem Projekt „Spree City“ an verschiedenen Orten das Gespräch mit den Bürgerinnen und Bürgern Berlins gesucht worden. Viele wollen Berlins Fluss selbst nutzen. Es ist zu diskutieren, ob es Nutzungskonflikte gibt und wie diese ggf. gelöst werden können? Wäre ein Nutzungskonzept für die Spree hilfreich?

TERMIN: 20. November 2013 von 17:00- 21.00 Uhr 

ORT: Abgeordnetenhaus Berlin, Niederkirchnerstraße 5, 10111 Berlin

Informationen zum Programm und den Referenten entnehmen Sie bitte dem Programmflyer, den Sie auf dieser  Homepage beziehen können.

Anmeldung bis spätestens zum 18. November 2013 über wasser@stadtgespraech-berlin.de oder per Fax unter 030-536 53 888.

06.11.2013, 22.45 Uhr, ARD: Energiewende durch Fracking ?

Der Ankündigungstext auf der Homepage des ARD läßt schlimmes befürchten: Dass jetzt die Fracking-Industrie einen Werbefilm im Öffentlich-Rechtlichen ausstrahlt, ist nicht nachvollziehbar. Ob sich die Befürchtungen bewahrheiten? Heute abend wissen wir mehr.

„Bomm oder Blase? Wie das Fracking die Welt verändert
Film von Tina Hassel und Ina Ruck
Dank Fracking vollzieht sich eine Revolution auf dem Weltenergiemarkt. Die USA werden zum größten Ölproduzenten auf dem Globus. Sie werden in knapp 20 Jahren nicht nur zum Selbstversorger und Exporteur von Öl und Gas, sondern auch zum Konkurrenten für den Energieriesen Russland. Schon heute steht fest, dass die neuen Fördertechniken die alte Weltordnung auf den Kopf stellen werden und der neue Ölrausch hat gerade erst begonnen.“

Kritisch haben sich Deutschlamdfunk und Deutschlandradio mit dem Thema „Fracking“ auseinandergesetzt.

Aktuelle Links bei dradio.de:

  • Deutschlandradio Kultur / Weltzeit – 19.09.2013
    Pennsylvanias Fracking-Millionäre
    Reynolds). Pennsylvanias FrackingMillionäre. Die neue Erdgas Fördermethode spaltet die amerikanische Bevölkerung. Von Silke Hasselmann
  • Deutschlandfunk / Umwelt und Verbraucher – 18.09.2013
    Colorado: Fracking-Bohrlöcher überflutet – Tanks mit hochgiftigen Chemikalien beschädigt
    (Ralph Sina)
  • Deutschlandfunk / Umwelt und Verbraucher – 30.08.2013
    Hessens Politik streitet um Fracking-Verbot
    … rüsten sich für bundesweiten Protest gegen umstrittene Gasförderung. … die eigentlich auch kein Fracking in Hessen … Wir haben in Nordhessen den Nationalpark ..
  • Deutschlandradio Kultur / Ortszeit – 19.09.2013
    Protest gegen Fracking in Nordhessen
    … Zantow). Protest gegen Fracking in Nordhessen. Wie ernst ist es den Parteien wirklich mit dem Widerstand der Bürger? Von Andre Zantow. …

  • Deutschlandfunk / Europa heute – 19.08.2013
    „Frack off!“
    … „Frack off!“. In … Protestcamp. „Stoppt den Energie-Krieg“, steht auf ihren Plakaten, „Alle Macht dem Volk“ oder auch „Frack off – haut ab“
  • Deutschlandfunk / Wirtschaft und Gesellschaft – 25.03.2013
    Studie sieht rasches Ende des Fracking-Booms
    Und wenn sie ihn langsam ausquetschen, können sie umso dass durch neue Fördermethoden wie zum Beispiel der einem anderen Schluss: Auch beim Erdgas werde die

  • Deutschlandradio Kultur / Forschung und Gesellschaft – 02.05.2013
    Erdgas zum Ausquetschen
    (Bild: picture alliance / dpa / Jim Lo Scalzo). Erdgas zum Ausquetschen. Der Streit um das Fracking. Von Dirk Asendorpf. Deutschland

    Deutschlandfunk / Länderzeit – 31.07.2013
    Umstrittene Gasförderung
    Martin Schutt). Umstrittene Gasförderung. Der Streit über Chancen und Risiken von Fracking. Moderation: Michael Roehl. Bedeutende

    Deutschlandfunk / Kontrovers – 03.06.2013
    Umstrittene Gasförderung
    Schutt). Umstrittene Gasförderung. Überwiegen Chancen oder Risiken beim Fracking? Redaktion und Moderation: Sandra Schulz. Kilometertief

    Aktuell – 26.02.2013
    Kompromiss zu Fracking in Deutschland
    Peter Altmaier (CDU) haben sich geeinigt: Das umstrittene Fracking soll in den USA (MP3) Ortszeit / Deutschlandradio Kultur Riskante Gasförderung unter Druck

    Deutschlandfunk / Forschung Aktuell – 12.02.2013
    Fracking für die Geothermie
    Fracking ist eine umstrittene Technologie zur chemikalienbasierten Förderung von zum Es aufzubrechen und für die Gasförderung offenzuhalten ist aufwendig

    Deutschlandfunk / Umwelt und Verbraucher – 11.02.2013
    Strenge Regelung für Fracking
    Riskante Gasförderung soll per Gesetz eingeschränkt werden. Von Philip Banse. Der Begriff „Fracking“ steht für eine umstrittene Technologie zur

    Aktuell – 11.02.2013
    Riskante Gasförderung unter Druck
    Riskante Gasförderung unter Druck. Bundesumweltminister Peter Altmaier (CDU) hat Berichte zurückgewiesen, nach denen diese umstrittene Förderung von

    Deutschlandradio Kultur / Interview – 05.02.2013
    Bundesanstalt für Geowissenschaften plädiert für Fracking in Deutschland
    zur unkonventionellen Gasförderung vor (DLF) Expertengremium hält Fracking für riskant, aber kontrollierbar ExxonMobil legt Gutachten über die umstrittene

    Aktuell – 01.02.2013
    Münchner Sicherheitskonferenz: Die weltweiten Krisen im Visier
    am Sonntag, wenn es um das umstrittene Nuklearprogramm Teherans erwartet geopolitische Verschiebungen durch neue Öl- und Gasförderung (Interview) Livestream

    Deutschlandfunk / Andruck – 18.04.2011
    Das Magazin für Politische Literatur – Die schwarze Bedrohung
    aus eigener Überzeugung, sondern weil er hoffte, durch die umstrittene Freigabe die Blick auf die ganz „normalen“ Praktiken der Öl- und Gasförderung im Golf

    Deutschlandfunk / Umwelt und Verbraucher – 25.02.2011
    Niedersachsens Bürger protestieren gegen Gasförderung
    Niedersachsens Bürger protestieren gegen Gasförderung. Konzern ExxonMobil in dem kleinen Ort im niedersächsischen Emsland das umstrittene Fracking-Verfahren

    Deutschlandfunk / Hintergrund – 25.11.2008
    Gasmangel in Russland
    ausgegeben – die wenigsten davon hatten irgendetwas mit der Gasförderung zu tun Kaspische Meer hindurch und das ist noch eine höchst umstrittene Angelegenheit