Frontal 21 (ZDF) v. 18.09.2012: Dreiste Selbstbedienung? – Kommunale Manager sahnen ab

Dreiste Selbstbedienung? – Kommunale Manager sahnen ab

Immer mehr Städte und Gemeinden in Deutschland gliedern im Zuge der „Verwaltungsreform“ Aufgaben der kommunalen Daseinsvorsorge in privatrechtliche Gesellschaften aus. Deren Geschäftsführerposten werden häufig mit altgedienten Volksvertretern besetzt, deren Gehälter dann ein Vielfaches der hauptverantwortlichen Oberbürgermeister ausmachen können. Insbesondere die Geschäftsführer von Stadtwerken oder städtischen Verkehrsbetrieben kassieren mehrere Hunderttausend Euro im Jahr. Neben den hohen Festvergütungen erhalten die kommunalen Manager häufig auch noch erfolgsabhängige Boni. Dabei sind die meisten gemeindlichen Unternehmen in der Regel gar nicht dem freien Wettbewerb ausgesetzt.
Frontal21 berichtet über Parteienkungelei und die Selbstbedienungsmentalität bei Politikern auf Kosten des Steuerzahlers.

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11.9.2012, 22.25 Uhr, 3Sat: WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen

Dieser Dienstag (11.9.) hat es in sich: Zuerst wird auf arte ein Film über die Wasser-Geschäfte des Nestle-Konzerns ausgestrahlt und wenig später legt 3Sat nach mit einer Dokumentation über WikiLeaks und wie einem seiner Väter, Julian Assange, im übertragenen Sinne der Prozeß gemacht wird. Wenn es um Transparenz und Informationsfreiheit als den wichtigsten Grundvoraussetzungen für das Funktionieren demokratischer Gesellschaften geht, scheint den Herrschenden jedes Mittel recht, um die Vorreiter dieser Bewegung mundtot zu machen. Zu diesen Mittel gehört natürlich auch die Einschleusung von „Mitarbeitern“, deren Aufgabe darin besteht, wenig schmackhaftes aus der Gerüchteküche zu produzieren. Klingt doch irgendwie bekannt, oder?

WikiLeaks – Geheimnisse und Lügen
(Australien, Deutschland, 2012, 83mn)
Regie: Patrick Forbes

Bekannt wurden Julian Assange und seine Enthüllungsplattform WikiLeaks schlagartig, als sie brisante Akten aus dem Irak-Krieg, geheime Dokumente über den internationalen Militäreinsatz in Afghanistan und vertrauliche Informationen von US-Diplomaten über ausländische Politiker publik machten und damit Skandale auslösten. Assange galt fortan als Held der Pressefreiheit. Doch seit in Schweden, aufgrund der Anschuldigung zweier sexueller Vergehen, gegen ihn ermittelt wird, ist ein Schatten auf den strahlenden Helden gefallen. Der Dokumentarfilm zeigt unter anderem das erste Interview mit Julian Assange, seit er mit elektronischer Fußfessel unter Hausarrest steht.

Als Assange seine Whistleblower-Webseite startete, wurde er als Held gefeiert, der mutig geheimes Material veröffentlichte, um Machenschaften von Organisationen, Banken und sogar Regierungen aufzudecken. Er wurde weltweit geehrt für diese neuartige Form des digitalen transparenten Journalismus. Doch die Geschichte nahm eine plötzliche Kehrtwende, als Assange beschuldigt wurde, in Schweden mit zwei Frauen angeblich gegen deren Willen Sex ohne Kondom gehabt zu haben, was in Schweden juristisch mit dem Straftatbestand der Vergewaltigung gleichgesetzt wird.

Filmemacher Patrick Forbes präsentiert die Geschichte von WikiLeaks, indem er die Aussagen der unmittelbar beteiligten Akteure auf beiden Seiten der spektakulären Enthüllungen, Befürworter und Beschuldigte, ineinander verwebt. Dabei geht es um Möglichkeiten und Grenzen der digitalen Technologie und des Journalismus. Erzählt wird aber auch die Geschichte menschlicher Gefühle, die mit der Eigendynamik des Internets kollidieren.

Der Dokumentarfilm von Patrick Forbes enthält das erste ausführliche Interview des WikiLeaks-Gründers Julian Assange, seit er mit elektronischer Fußfessel unter Hausarrest steht. Patrick Forbes führt erstmalig alle Hauptprotagonisten zusammen, sowohl Assanges früheren Partner Daniel Domscheit-Berg, als auch die redaktionell Verantwortlichen des „Guardian“, des „Spiegels“ und der „New York Times“, die mit Assange als Verwalter brisanter, unzensierter Enthüllungen kooperierten“
(Filmbesprechung auf arte).

5.9.2012, 17:05 Uhr, dlf: Meuterei in der IHK Berlin

Erinnern Sie sich: Kaum hatten wir den Volksentscheid gewonnen, da präsentiert die Berliner IHK den Berlinern ein Gefälligkeitsgutachten von Professor Schwalbach, den wenige Monate später die taz als Atomlobbyisten enttarnte. In dem Gutachten wird berechnet, dass sich eine Rekommunalisierung für die Berliner angeblich nicht rechnet. Nur was Prof. Schwalbach bei seinem Gutachten völlig außer acht lässt, ist die gerichtliche Anfechtung der Verträge. Die Folgen des Volksentscheids, die Prüfung und Anfechtung der Teilprivatisierungsverträge,  lässt dieser Gutachter der besonderen Art schlicht und ergreifend unter den Tisch fallen. Es ist schon bezeichnend, dass die Spitze der IHK in Berlin nicht die Interessen ihrer Mitglieder vertritt und sich nicht für eine kostengünstige Rekommunalisierung einsetzt. Statt sich für dieses Ziel einzusetzen, unternimmt die IHK keine Anstrengungen, um die Verträge zu prüfen. Umso erfreulicher, dass sich Gewerbetreibende und Unternehmen zusammen geschlossen haben, um die IHK in Berlin zu demokratisieren.

Meuterei in der IHK Berlin

Jungunternehmer fordern Ende der Zwangsmitgliedschaft

Von Claudia van Laak

Zu viel Bürokratie, zu wenig Transparenz – viele kleine und mittelständische Unternehmen in Berlin sind mit der Arbeit der örtlichen Industrie- und Handelskammer nicht zufrieden. Bei der Wahl eines neuen IHK-Präsidenten gehen sie nun auf die Barrikaden.

Berlins Wirtschaft ist äußerst kleinteilig – einige wenige Großunternehmen, viele viele Firmen mit nur einer Handvoll Angestellten. Das Präsidium der IHK ist allerdings ganz anders besetzt – hier dominieren die Großen – vom Müllentsorger Alba bis zum Pharmaunternehmen Bayer. Die Großunternehmen diktieren die Politik der IHK, wir Kleinen kommen da nicht vor, kritisiert Softwareentwickler Emilio Paolini.

Die Initiative der Berliner Kleinunternehmer will in erster Linie mehr Transparenz und mehr Demokratie. So soll die IHK-Vollversammlung – das Parlament der Berliner Wirtschaft – künftig öffentlich tagen. Die Geschäftsführer sollen ihre Gehälter offenlegen und der – nach Ansicht der Kleinunternehmer – aufgeblähte IHK-Verwaltungsapparat schrumpfen.

Bislang hielt sich das Interesse der 270.000 Berliner IHK-Mitglieder an der Mitwirkung in Grenzen. Die Beteiligung an der Wahl zur Vollversammlung lag bei unter 10 Prozent, kritische Fragen an Geschäftsführung und Präsidium blieben weitgehend aus. Kein Wunder, dass die Kammerspitze aufgeschreckt ist, weil Jungunternehmer wie Carsten Hübner in der Vollversammlung ihre Stimme erheben wollen.

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4.9.2012, Dienstag, 19.15 Uhr, dlf: Jenseits von Markt und Staat. Von Dagmar Scholle

„Sind Allmenden ein Gegenpol zur zunehmenden Privatisierung unserer Welt?“ wird auf der dlf-Homepage zur Sendung gefragt.Doch wie schrieb der Aphoristiker Elazar Benyoetz so treffend: „Es gibt Fragen, die wollen nicht beantwortet, sondern nur durchschaut werden.“

Jenseits von Markt und Staat

Begegnungen in der Allmende

Von Dagmar Scholle

Allmenden sind unwirtschaftlich und überholt, sagen die einen: Das Vieh wird nicht satt, die Bäume nicht groß, die Betreiber nicht reich. Allmenden sind modern, sagen die anderen: Wissen, Autos, Ressourcen – wir können doch Teilhaber sein, statt zu besitzen!

Das Konzept ist alt, sagen nun viele, die Spielarten neu: Wikipedia, Gemeinschaftsgärten oder Carsharing – auch in modernen Formen gemeinschaftlichen Nutzens steckt das mittelalterliche Modell der Allmende.

Die Erschütterungen der Finanzkrise brachten es wieder ins Bewusstsein, ebenso die Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises 2009 an die Gemeingüterforscherin Elinor Ostrom. Sind Allmenden ein Gegenpol zur zunehmenden Privatisierung unserer Welt?

Viele Aspekte der Suche nach einem neuen Umgang mit Ressourcen erspürt, wer traditionelle Weideallmenden besucht – und sie mit der modernen Kulturlandschaft vergleicht.

4.9.2011, Dienstag, 20.15 Uhr, arte: Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt. Von Jérôme Fritel, Marc Roche

Wäre DAS nicht eine Herausforderung: Goldman Sachs zu „zerschlagen“, indem das Geld von allen Spekulationsfonds vergesellschaftet wird und für den Aufbau einer öffentlichen, non-profit ausgerichteten Infrastruktur in den ärmsten Ländern bereitgestellt wird?

Dienstag, 4. September 2012 um 20.15 Uhr

Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt
(Frankreich, 2012, 75mn)
ARTE F
Regie: Jérôme Fritel, Marc Roche
Wiederholungen:
19.09.2012 um 10:25

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein – vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.

Der Dokumentarfilm von Jérôme Fritel und Marc Roche, Wirtschaftsjournalist bei der französischen Tageszeitung „Le Monde“ und Autor des Bestsellers „La Banque“, dringt in die Schaltzentrale des Imperiums vor, das weder Grenzen noch Einschränkungen kennt und die westlichen Demokratien auf gefährliche Art unterwandert. Ehemalige Mitarbeiter von Goldman Sachs, die anonym bleiben wollen, Angestellte konkurrierender Banken, Vertreter der öffentlichen Hand sowie Spitzenpolitiker, Wirtschaftswissenschaftler und Spezialisten geben erstmals Einblick in die Mechanismen der finanziellen und politischen Allmacht dieser Bank.