DAS Sachbuch nicht nur des Jahres 2021! Herausragend, brillant, erschütternd. Update

Nils Melzer Auslieferung Assanges rechtlich gar nicht zulässigDer Fall Julian Assange: Geschichte einer Verfolgung
Der spektakuläre Report des UNO-Sonderberichterstatters für Folter
NILS MELZER

Herausragend die Details und Zusammenhänge
Brillant die juristische Klarheit und Verständlichket
Erschütternd was von Pressefreiheit und Menschenrechten in unseren westlichen Demokratie nach der Buchlektüre übrig bleibt.

Leider kommt mein persönlicher Bestseller auf dem deutschen Verkaufsrang nur auf Platz 15412 (Angaben Piper-Verlag). DAS können SIE ändern. Kaufen Sie dieses Buch nicht nur für sich, sondern auch als Geschenk für Freunde wie für alle, denen Transparenz, Pressefreiheit und Rechtsstaatlichkeit als Grundpfeiler einer demokratischen Gesellschaft noch etwas bedeuten.

Im WDR wird leider erst nach Mitternacht am 27.01. um 00:40 Uhr folgende Sendung ausgestrahlt:

studioM: Julian Assange – Staatsfeind oder Journalist?

Unter anderem mit den Gästen: Nils Melzer (UN-Sonderberichterstatter über Folter), John Kornblum (ehemaliger US-Botschafter in Deutschland), Prof. Herta Däubler-Gmelin (Bundesjustizministerin a.D.) und Constanze Kurz (Sprecherin des Chaos Computer Clubs)

Die Wannseekonferenz – Plädoyer für eine Erinnerungskultur der Zukunft (Update 3)

TV-Remake im ZDF zur Prime-Time:
Die Wannseekonferenz – Die „Endlösung der Judenfrage“

Plädoyer für eine Erinnerungskultur der Zukunft

Änderungen / Einfügen des Updates in Rot

WK Cover alleVor 80 Jahren, am 20. Januar 1942 trafen sich im jetzigen Haus der Wannseekonferenz 15 Vertreter der Ministerialbürokratie und der SS-Einheiten unter der Leitung des SS-Gruppenführers Reinhard Heyrdich, der in dem von Adolf Eichmann (Heydrichs Referent für „Judenangelegenheiten“) geführten Protokoll festhalten ließ, er sei von Göring zum „Beauftragten für die Vorbereitung der Endlösung der europäischen Judenfrage“ ernannt worden und dass die Federführung beim „Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei“ (Himmler) liegen würde. Ziel der Konferenz sei es, die „Endlösung der Judenfrage“ administrativ und organisatorisch zu besprechen, Zuständigkeiten festzulegen und die Opfergruppen (Halbjuden, Vierteljuden, Mischehen, arbeitsfähige Juden etc.) zu definieren, auch um sicherzustellen, dass niemand der industriell geplanten Massentötung entgehen kann.

Das von Heydrich überarbeitete Ergebnisprotokoll wurde als „Geheime Reichssache“ gezeichnet. Von den 30 Kopien ist lediglich das 16. Exemplar des Unterstaatssekretärs im Auswärtigen Amt, Martin Luther, gefunden worden.

Für die Unterhaltungsindustrie und das öffentlich-rechtliche Fernsehen ist dieser Gedenktag ein Anlass, um mit einem Spielfilm-Remake wie einer anschließenden Dokumentation an die Wannseekonferenz zu erinnern. Es ist müßig darüber zu streiten, welche Verfilmung besser gelungen ist: Die Produktion von Heinz Schirk aus dem Jahr 1984 , oder die britische Verfilmung aus dem Jahr 2001 von Frank Pierson oder die aktuelle Verfilmung von Matti Geschonneck 2022. Wichtig erscheint der Hinweis, dass die aktuelle Ausstrahlung von Geschonneck am Montag, dem 24.1.22 um 20.15 Uhr im ZDF nicht nur zur Prime-Time erfolgt, sondern auch in den Medien (TV, Print und Radio) sehr stark beworben wurde, jedoch leider mit keinem Wort auf die anderen Filme hingewiesen worden ist1.

So wichtig es für die gegenwärtige Erinnerungskultur auch ist, durch Spielfilme dokumentarischen Charakters an die geplante Ermordung von 11 Millionen Juden und andere Ethnien zu erinnern, so stellt sich auch die Frage, wie das Erinnern über erste Betroffenheitsgefühle hinaus nachhaltig und dauerhaft vermittelt werden kann. Was gerade vor dem Hintergrund „rechtspopulistischer“ Strömungen wichtiger erscheint als je zuvor, ist die Bildung einer „aktiven AusrufungszeiichenErinnerungskultur“, einer Erinnerungskultur der Zukunft, oder anders formuliert / gefragt: Wie müssten an historischen Ereignissen angelegte Spielfilme konzipiert sein, um die Zuschauer zu befähigen, aus zurückliegender Geschichte für die Zukunft zu lernen. Im Idealfall wäre das Resultat unserer „Unterhaltungsindustrie“ ein Spielfilm, der als Frühwarnsystem nicht nur alle Alarmglocken auslöst, weil die wachgerufenen Erinnerungen erkennen lassen, dass sich Zurückgeglaubtes zu wiederholen droht. Anlass für fundierte, berechtigte Begründungen gibt es mehr als genug: Eine Studie der Körber-Stiftung unter dem Titel „Demokratie in der Krise“ stellt einen massiven Vertrauensverlust in die etablierte politische Entscheidungsfindung fest:

Nur 50 Prozent der Bundesbürger/-innen haben Vertrauen in die Demokratie, 30 Prozent vertrauen ihr weniger bis gar nicht. Auch für öffentliche Einrichtungen und Institutionen ist das Vertrauen nicht sonderlich stark ausgeprägt: Lediglich 32 Prozent der Befragten haben Vertrauen in Bundestag und Bundesregierung, nur 20 Prozent vertrauen Parteien.“

Ob – wie in der Studie empfohlen – „Bürgerräte“ daran etwas ändern werden, kann und muss bezweifelt werden. Konkreter wird der Jurist Joachim Wagner, der in seinem Buch AfD-Richter, -Staatsanwälte und -Schöffen: eine Gefahr für den Rechtsstaat?“ sehr deutlich veranschaulicht, dass sich der Rechtsextremismus seinen Raum nicht nur in parlamentarischem Debattierclub erobert hat, sondern auch in der Rechtssprechung2.

Zurück zu den Spielfilmadaptionen und der Frage nach ihrem Beitrag für eine zukunftsgerichtete Erinnerungskultur. Die drei genannten Spielfilmadaptionen der Wannseekonferenz vermitteln die Planung des Holocausts als ein zurückliegendes, historisch abgeschlossenes singuläres Ereignis, welches von administrativen Führungskräften mit nüchterner Kalkulation professionell vorbereitet worden ist. Der Abspann über die Verurteilungen und Hinrichtungen bzw. Selbsttötungen unterstreichen dann ein beim Zuschauer entstehendes Gefühl der Genugtuung und damit auch ein falsches Gefühl der Abgeschlossenheit eines Ereignisses, nach dem Motto: Wenigstens sind die Schuldigen einer entsprechenden Bestrafung zugeführt worden. Doch gerade die verkürzte Reduzierung des Blicks auf eine administrative Führungselite greift zu kurz, denn ein Massenmord benötigt nicht nur viele Mittäter und Vollstrecker, sondern auch eine breite Akzeptanz innerhalb der Bevölkerung.

Nur zur Erinnerung: Für die breite Akzeptanzherstellung unter der deutschen Bevölkerung war die unter der Tarnbezeichnung Aktion 3 Anfang November 1941 verkündigte Anordnung des Reichsfinanzministeriums entscheidend, in der festgelegt wurde, wie bei der Deportation der Juden mit deren Vermögen umzugehen sei. Es entstand eine Verwertungsbürokratie, in der alles – von Immobilien über Bekleidungen bis zu alltäglichen Gebrauchsgegenständen – detailliert aufgelistet wurde, um dann die gelisteten Gegenstände „aus nicht-arischem Vermögen“ auf öffentlichen Aktionen feil zu bieten. Die Einnahmen wurden auf 778 Millionen Reichsmark geschätzt. Auf den eigenen Vorteil ausgerichtet interessierte sich niemand für das Schicksal der ursprünglichen jüdischen Besitzer. Im Gegenteil: Die Aktionen befeuerten auch das Denunziantentum. Dem „Finanztod“ der enteigneten Juden folgte dann der physische Tod in den Gaskammern der Konzentrationslager. Immerhin wird im Drehbuch der aktuellen Geschonneck-Verfilmung auch kurz dieser Aspekt erwähnt, während in den begleitenden Dokumentarfilmen zu den Spielfilmadaptionen von 1984 und 2022 dieses Thema unerwähnt bleibt.

Cover AKtion 3Dem MDR ist es zu verdanken, dass am 25. Januar um 22.10 Uhr unter dem Titel Die Versteigerer – Profiteure des Holocaust“ dieses Kapitel näher beleuchtet wird3. Auch vom Filmemacher Michael Verhoeven ist 2008 unter dem irreführenden Titel „Menschliches Versagen“ ein längerer Dokumentarfilm veröffentlicht  worden, der offenbart, wie sehr die Oberfinanzdirektionen der BRD versuchten, dem Ausstellungsorganisator Wolfgang Dreßen den Aktenzugang zu den Enteignungsakten zu verweigern – und das 60 Jahre nach dem Ende des zweiten Weltkriegs.4 Nachdem es Dreßen dennoch gelungen war, Material für eine Wanderausstellung zu organisieren, verweigerte ihm der Rektor der Humboldt-Uni in Berlin, diese Ausstellung in der Eingangshalle jungen Studierenden zu präsentieren. Dreßen mußte in das Rathaus von Kreuzberg ausweichen5.

Nun ist das Vermittlungsspektrum von Spielfilmen immer begrenzt, doch umso wichtiger erscheint es, in begleitenden Dokumentarfilmen inhaltlich wenigstens die Saat für eine Erinnerungskultur der Zukunft zu legen6.

Wie erinnern wir uns? Genauer: Wie sollen wir uns erinnern? Diese Frage wird von den Programmmachern der Unterhaltungsindustrie maßgeblich beeinflusst.
Als Ende der 70er Jahre der amerikanische Vierteiler über den Holocaust als Mini-Serie ins Fernsehen kam, gingen dieser Entscheidung harte Auseinandersetzungen voraus, die in dem sehenswerten Film „Wie der Holocaust ins Fernsehen kam“ tiefe Einblicke in die Abgründe der Einstellungshaltungen zahlreicher beteiligter Führungskräfte gewährt – und DAS Ende der 70er Jahre.

Anlässlich des heutigen Datums (24.1.22.) hat auch der Moderator Michael Friedmann den Historiker Norbert Frei zu einem Gespräch über die Bedeutung des Holocaust eingeladen. Auch wenn die Antworten von Norbert Frei wenig überzeugen konnten (beschämende Ausflüchte)7, so war die Ausgangsfragestellung nach der heutigen Anfälligkeit für Menschenverachtung von elementarer Bedeutung. Und auf die Frage, ob sich heute Auschwitz wiederholen könne, da werden hoffentlich nicht wenige an die Flüchtlingslager denken wie die Vertragsverhandlungen beispielsweise mit der Türkei, um die Flüchtlingskontingente für Deutschland zu beschränken.

Über die Einstellungshaltungen hat der österreichische Professor Oliver Rathkolb die Neue Autoritarismus-Forschung ins Leben gerufen. Seine Untersuchungen zu Studierenden wie zu den Haltungen in den Bevölkerungen der osteuropäischen Mitgliedsländer sind alarmierend. Von den Medien sind seine Forschungsergebnisse unberücksichtigt geblieben, offensichtlich weil BLOCKbuster wie „Er ist wieder da“ höhere Einfaltquoten garantieren. Der Ausnahmeschauspieler Lars Eidinger wurde einmal gefragt, ob es für ihn Rollen geben würde, die er nicht annehmen würde. Seine Antwort: Komödien über das Nazi-Regime.

Um nicht missverstanden zu werden: Auch die neue Verfilmung der Wannseekonferenz ist wie die beiden älteren Verfilmungen schon deshalb äußerst sehenswert, weil sie vergegenwärtigen, mit welchen Managementmethoden die industriell geplante und durchgeführte Massentötung präzise vorbereitet wurde. Die Optimierung jener Kosten-Nutzen-Analysen, die heute genauso zum Rüstzeug der neoliberalen „Reformpolitik“ gehört wie die Ausmachung und Anprangerung neuer Feindbilder („Sozialschmarotzer“, Flüchtlinge etc.), wird nicht hinterfragt. Wie anhand der „Endlösung der Judenfrage“ nachgewiesen wurde, ist der Genozid ein Prozess, der einen langjährigen Vorlauf hat8. Am Anfang steht die Konstruktion eines Feindbildes, ihre umfassende Ausgrenzung und Stigmatisierung, ihre Enteignung und anschließend ihre Deportation und die Ermordung.
Ob sich solche Ereignisse quasi musterhaft auch in der Leistungsgesellschaft marktkonformer Demokratien wiederholen können? Geheimprotokolle gibt es jedenfalls heute mehr als wir erahnen dürfen / sollen, denn die Informationsfreiheit steht zwar auf dem Papier, gilt jedoch für privatrechtliche „Beratungsagenturen“ nicht. Natürlich haben auch die Leistungsträger gelernt: Konzentrationslager werden heute nicht unterhalten. Satt  dessen wird „gentrifiziert“ bzw. die von Armut betroffenen wohin auch immer verdrängt und das immer frühere Ableben wird individualisiert. Massentötungen finden nicht mehr statt, aber die Anzahl „herrenloser Leichen“ hat mit der Einführung von Hartz IV starkt zugenommen. Und was die Menschenverachtung betrifft, da ist es Smiley Wut - Kopieerwähnenswert, dass sich hochgradige asoziale Psychopathen wie Gerhard Schröder, Wolfgang Clement, Thilo Sarrazin und Hubertus Heil wie viele andere Schreibtischtäter damit rühmen, innerhalb Europas den größten Niedriglohnsektor „geschaffen“ zu haben, aber die Frage, wo die von Niedriglohn betroffenen Menschen wohnen sollen, vorsätzlich ausgeklammert wurde. Die Terminologie spricht Bände: Es gebt hier nicht um die Übernahme von Wohn- bzw. Mietkosten, sondern lediglich um angemessene Kosten für die „Unterkunft“. Und diese sind so gering kalkuliert, das jeder 5. Hartz IV Haushalt durchschnittlich 80€ von seinem ohnehin knapp bemessenen Regelsatz abzweigen muss, um seine Mietkosten bezahlen zu können, wie der Regierungsantwort auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag zu entnehmen ist. Wer solche Politik zu verantworten und beratend mitgetragen hat, der muss sich vorhalten lassen, von der gleichen menschenverachtenden Einstellungshaltung befallen zu sein, wie die Teilnehmer der Wannseekonferenz.

Bleibt abschließend die Frage, von wie vielen Menschen dieses Remake wohl gesehen worden ist. Der amerikanische Vier-Teiler Holocaust war 1978 ein regelrechter Straßenfeger. Ob damalige Einschaltquoten jetzt auch erreichbar sind? Vermutlich nicht einmal annähernd, was keineswegs auf die Qualität des Spielfilms zurückzuführen ist. Aber 1978 stand auch der politische Bildungsauftrag im Vordergrund der Programmverantwortlichen. 1984 kam es jedoch zur Einführung des Privatfernsehens und mit dem dualen System wurde die Zentraloffensive auf das bundesrepublikanische Großhirn eingeläutet: Zuerst wird die mediale Wahrnehmung privatisiert, dann der soziale Wohnungsbau, die Infrastruktur, die Bildung und die Gesundheit – nicht zu vergessen der Repräsentationsanspruch der Demokratie. Seitdem ist der politische Bildungsauftrag der Jagd nach Einfaltquoten geopfert worden. Daran mag auch der Hinweis auf die zeitlich limitierte Verfügbarkeit (warum eigentlich?) in den Mediatheken der öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten nichts wesentlich ändern.

Thomas Rudek, Jan. 2022

weitere Filmbesprechungen auf diesem Portal:
Insider (USA 1999) / Night Moves (USA 2013)

1Die Britische Fassung, herausragend mit Kenneth Branagh und Colin Firth besetzt, wurde immerhin auf ARTE zur Prime-Time ausgestrahlt, während der Film aus dem Jahr 1984 anlässlich des 75. Gedenkjahres nur auf Phoenix am 27. Januar 2018 gezeigt wurde. Beide Filme wurden kaum beworben.

3Diese Dokumentation wurde bereits 2018 im Ersten gezeigt – allerdings NACH Mitternacht. Auch die Frage nach dem Ausstrahlungstermin bzw. der Sendezeit sagt vieles über die Einstellungshaltung der Führungskräfte bei der ARD aus.

4Leider ist dieser Dokumentarfilm nicht mehr im Handel erhältlich. Interessierte sollten versuchen, den Film über den Bibliotheksverbund auszuleihen.

6Ob das für die aktuelle Spielfilmversion gelungen ist, kann jeder für sich selbst beantworten. Die dokumentarischen Werkstattnotizen zu der Verfilmung aus dem Jahr 1984 sind auch deshalb sehr sehenswert, weil dort der stellvertretende Chefankläger der Nürnberger Prozesse Robert Kempner interviewt wurde.

7So ist es nicht nachzuvollziehen, warum Frei den Vorschlag ablehnt, Schulen zu verpflichten, allen Schülern den Besuch eines Konzentrationslagers bzw. Gedenkstätte zu ermöglichen. Diese Besuche sollten didaktisch vorbereitet wie nachbesprochen werden.

8s.a. „Hitler war kein Betriebsunfall“ von dem Historiker Fritz Fischer („Griff nach der Weltmacht“)

 

Junge Welt: Teurer Gesundheitsschutz – Sozialverbände und Erwerbsloseninitiativen fordern kostenlose FFP2-Masken und mehr Unterstützung für Arme

19.01.2022 / Inland / Seite 5

Teurer Gesundheitsschutz

Sozialverbände und Erwerbsloseninitiativen fordern kostenlose FFP2-Masken und mehr Unterstützung für Arme

Susanne Knütter

Nicht wiederverwendbar: Das bedeutet der Aufdruck NR (non reusable) auf den Mund- und Nasenschutzmasken, die vor Ansteckung schützen sollen und bundesweit Pflicht sind. Sie müssten also oft gewechselt werden. Die Bezahlung dieses Gesundheitsschutzes ist aber weitgehend Privatangelegenheit.

Insbesondere die FFP2-Masken, die zuletzt in mehreren Bundesländern wieder verpflichtend wurden, gehen ins Geld. So dürfen beispielsweise in Berlin, Brandenburg, Hamburg und Bayern im öffentlichen Nahverkehr keine OP-Masken mehr benutzt werden, sondern nur noch die deutlich teureren FFP2-Masken.

Die Präsidentin des Sozialverbands VdK, Verena Bentele, forderte am Dienstag mehr Unterstützung für Pflegebedürftige und Sozialhilfeempfänger. »Selbst beim Discounter haben die Preise für Masken in den letzten Wochen extrem angezogen«, erklärte Bentele. Insbesondere für Menschen mit wenig Geld, wie Pflegebedürftige oder Sozialhilfeempfänger, seien »regelmäßig frische FFP2-Masken zu teuer«. Momentan seien gerade einmal 17 Euro im Monat im Regelsatz für Gesundheitskosten vorgesehen, so Bentele weiter. Künftig sollten deshalb die Kosten für FFP2-Masken für Hartz-IV- und Grundsicherungsempfänger übernommen werden.

Darüber hinaus sollte die Pflegehilfsmittelpauschale für Pflegebedürftige erneut auf 60 Euro angehoben werden. Dass diese Erhöhung zum Jahresende 2021 nicht verlängert worden sei, kritisierte die VdK-Präsidentin als »völlig unverständlich«.

Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales verwies auf jW-Nachfrage auf »verschiedene Hilfen« der Bundesregierung, wie die anrechnungsfreie Einmalzahlung von 150 Euro für Grundsicherungsbeziehende, Aktionen kostenloser Maskenverteilung im Jahr 2021 und aktuelle entsprechende Länderinitiativen, die Masken kostenlos zu verteilen, sowie Bonuszahlungen für Kinder.

Das reicht offenbar aber nicht aus. Weshalb die Koordinierungsstelle gewerkschaftlicher Arbeitslosengruppen gegenüber jW erklärte: Um die »coronabedingten Lasten für Menschen mit wenig Einkommen einschließlich des starken Preisanstiegs bei Strom, Lebensmitteln usw. auszugleichen«, solle der Mehrbedarfszuschlag um 100 Euro angehoben werden. Dieser richtet sich bisher nach der Höhe des Regelbedarfs und wird zum Beispiel Beziehern von Hartz IV und Grundsicherung für die Kosten durch besondere Lebensumstände gewährt.

Die Finanzierung von Coronaschutzmaßnahmen könnte künftig noch mehr zur Privatsache werden, das zeigt sich an der Diskussion um kostenlose PCR-Tests für alle. Um einer Überlastung der Laborkapazitäten entgegenzuwirken, könnten diese Tests bei hohen Infektionszahlen künftig auf »symptomatische Personen und gegebenenfalls vulnerable Gruppen« beschränkt werden. Wie die Berliner Zeitung berichtete, geht das aus einem Beschlussentwurf des Landes Berlin hervor, der den Gesundheitsministern vor einer Videokonferenz am Montag abend vorlag. Bisher sehen die gesetzlichen Regelungen vor, dass der PCR-Test als einziger gültiger Nachweis für eine SARS-CoV-2-Erkrankung gilt und auch nach einem positiven Schnelltest vorgeschrieben ist.

https://www.jungewelt.de/artikel/418824.coronamaßnahmen-teurer-gesundheitsschutz.html

Impfpflicht, Inzidenzen, Extremismus – Markus Lanz: Ungefragtes und unterschwellige Botschaften

Smiley TVAm 19. Januar ging es wieder einmal hoch her bei Markus Lanz im ZDF. Zugeschaltet war der neue Gesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD), die sächsische SPD-Gesundheitsministerin Petra Köppimg, der Extremismus-Forscher Matthias Quent und die Journalistin Franziska Klemenz von der „Sächsische Zeitung“. Zuerst wurde Karl Lauterbach von Markus Lanz in den Schwitzkasten genommen, indem die Zuverlässigkeit der Daten bei den Inzidenzwerten hinterfragt wurde, denn schließlich existiert keine allgemeine Corona-Testpflicht. Immerhin schätzt Lauterbach, dass die Dunkelziffer bei „100“ liegen würde. Unabhängig davon, ob die Aussagekraft der Inzidenzwerte überhaupt belastbar ist, zeigten sich sowohl Lauterbach als Markus Lanz leider nicht auf der Höhe der Zeit. Denn die Messung von Corona-Viren in den Abwässern liefert wesentlich präzisere und vor allem zuverlässigere Werte. Daher ist es schade, dass Lanz seinen Gast nicht gefragt hat, warum die Wasserwerke der Kommunen nicht verpflichtet werden, entsprechende Tests durchzführen und die gemessenen Werte zu melden und zu veröffentlichen.Smiley Frage - Kopie Anschließend ging es dann um das Thema einer gesetzlich verankerten Impfpflicht, genauer warum Lauterbach noch keinen Gesetzesentwurf erarbeitet und eingebracht hat. Karl Lauterbach hofft in diesem Punkt auf eine Gesetzesvorlage aus der Mitte des Bundestages, die er dann auf Herz und Nieren prüfen würde.Dann ließ er erkennen, dass bei einer Gesetzesvorlage, die – wie in der Regel üblich – von der Bundesregierung und ihren Ministerien (Mitzeichnungsverfahren) in den Bundestag eingebracht wird, Probleme mit einem der kleineren Koalitionspartner zu erwarten seien. Im Klartext: Offensichtlich sollte Finanzminister Christian Lindner (FDP) im Rahmen des Mitzeichnungsverfahrens nicht in die peinliche Rolle eines Bremsers gebracht werden. Wenn hingegen ohne Fraktionsdisziplin im Bundestag ein Gesetz zur Einführung einer Impfpflicht verabschiedet werden würde, dann könnten sich auch die Abgeordneten der Opposition daran beteiligen. Da von der AfD-Fraktion aufgrund ihrer ablehnden Haltung gegenüber der Impfpflicht keine Zustimmung zu erwarten ist, richtet der Gesundheitsminister offensichtlich seine Hoffnung auf Stimmen aus der CDU/CSU-Fraktion. Auch hier ist es schade, dass Markus Lanz seine Zuschauer nicht darauf hinweist, dass es mit der Verabschiedung eines Impfpflicht-Gesetzes allein nicht getan ist. Denn es ist zu erwarten, dass die AfD-Fraktion von ihrem Recht einer Organklage gebrauch macht und gegen dieses Gesetz sofort beim Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine Verfassungsklage erheben wird. Und wie die höchste Rechtsprechung urteilt, ist vor dem Hintergrund zahlreicher Fragen rund ums Impfen völlig offen (Eilzulassung, Impfdurchbrüche bei Geimpften, keine Immunisierung bei Geimpften, Entwicklung von Medikamenten etc.)!

Markus Lanz vom 19 Januar 2022

Matthias Quent, Extremismus-Forscher, am 19. Januar bei Lanz „Volksentscheid ins Grundgesetz“ – eine extremistische Forderung?

Ärgerlich waren die unterschwelligen Botschaften über gesellschaftliche Entwicklungen bei den Corona-Protesten, dargestellt am Beispiel gewiss nicht repräsentativer Beispiele aus Sachsen. Nach dem Motto „Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte“ hat die Markus Lanz Redaktion sich im Rahmen der Vorbereitungen zur Sendung sehr bewußt für ein Bild entschieden, um ihre Einstellungshaltung gegenüber der Einführung von bundesweiten Volksbegehren und Volksentscheiden unmissverständlich zum Ausdruck zu bringen. Schade, denn auch bei der direkten Demokratie gibt es vor der Durchführung von Volksgesetzen (Volksentscheiden) in den Bundesländern eine strenge Prüfung durch Smiley Zwinker - Kopiedie Verfassungsgerichte auf die Einhaltung der Grundrechte! Markus Lanz hätte somit weder die Einführung der Todestrafe noch die Absetzung seiner Sendung zu befürchten, sollten bundesweite Volksentscheide endlich zur Partizipationskultur in Deutschland erklärt werden.

 

Literatur als Therapie nicht nur gegen Corona: José Saramago – Von der „Stadt der Blinden“ zur „Stadt der Sehenden“

José Saramago (Literaturnobelpreisträger)
Von der „Stadt der Blinden“ zur „Stadt der Sehenden“
Literatur als Therapie in Zeiten der Pandemie(n) oder: Hilfreiche Literatur- und Medienempfehlungen fürs Homeoffice und Quarantäne-Aufenthalte

Als mir Jahre vor der Corona-Pandemie durch Zufall der Roman „Die Stadt der Blinden“ des portugiesischen Stadt Blinden BuchLiteratur-Nobelpreisträgers José Saramago in die Hände fiel, war ich berührt, zutiefst ergriffen und zugleich hellwach. Wie Saramago es verstanden hat, die negativen wie die positiven Seiten einer existenziellen Krise zu veranschaulichen, steht sinnbildlich als ein alarmierender Weckruf für Alle, nicht nur die Einschränkungen einer Krise zu meistern, sondern sie auch als eine Chance für ein gelebtes Miteinander zu begreifen und zu nutzen. Nahezu alle Menschen einer Stadt werden von einer weißen Blindheit befallen. Wie die Akteure darauf reagieren, beschreibt Saramago oft schonungslos und ganz anders als das Albert Camus mit seinem Roman „Die Pest“ zweifelsohne auch gelungen war. Nicht weniger brillant war dann der Fortsetzungsroman von Saramago „Die Stadt der Sehenden“. Selten haben Romane nicht nur die Augen geöffnet, sondern die Sichtweiten über den eigenen Horizont erweitert und positiv verändert. Gerade vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Pandemie eine empfehlenswerte Lektüre für jedermensch Smiley Ausrufung.

Zur Rezension beider Romane siehe hier.

Stadt Blinden FilmAls ich den Roman las, hätte ich mir nie und nimmer vorstellen können, dass dieser Stoff auch verfilmbar ist. Ich wurde durch den brasilianischen Filmregisseur Fernando Meirelles (City of God / Der ewige Gärtner) eines besseren belehrt.

Tipp: Gebraucht günstig bei Medimops nachschauen (nachhaltiger Konsum)..