Update 2 – 8.4., 6.45 Uhr, 3SAT: Prof. Bosbach – Die instrumentalisierte Zukunftsangst: Gesetzliche oder private Rentenversicherung, wer hat den Nutzen?

SENDUNG VERPASST? Kein Problem: Unten finden Interessierte den Link, unter dem die Sendung herunter geladen werden kann!

Zwei große Privatisierungsoffensiven waren es, die dem neoliberalen Umbau des Gesellschaftssystems den Weg geebnet haben: Mit der Privatisierung des Fernsehens begann 1984 der Zentralangriff auf das Zentralnervensystem der BRD. Auf der Jagd nach Einfaltquoten geriet zwangsläufig der öffentlich-rechtliche Bildungsauftrag ins Visier und so wundert es nicht, dass umweltpolitisch wichtige Filme wie „Unser Planet“ – die teuerste skandinavische Dokumentarfilmproduktion – von den öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten zu nachtschlafener Zeit ausgestrahlt werden. Auch Umwelt-Journalisten vom Format eines Horst Stern finden heutzutage leider in den Redaktionsstuben keine Protegés, denen diese Art des wachrüttelnden, anklagenden Berichtens am Herzen liegt. Stattdessen jagt eine Soap die Andere, die Kochshows kredenzen Schmackhaftes auf der Mattscheibe, während wir uns mit Tiefkühlkost und Dosenfraß begnügen, und die Gerichtsserien sorgen dafür, dass Kriminalität in kleinspurigen Bahnen, eben leicht konsumierbar inszeniert wird und am Ende der Böse das bekommt, was er verdient. Hypnotisch konditioniert schrumpft so unser Großhirn auf die Größe eines Spatzenhirns. Durch diese mediale Parallyse – oder erscheint der Begriff der Gleichschaltung eher angebracht ? – werden günstige Voraussetzungen geschaffen, um auch der zweiten Privatisierungsoffensive gehorsam Folge zu leisten: Der Privatisierung der Altersvorsorge!

Es mag nicht weiter wundern, dass den Kampf um Sendezeiten die Privatisierungsbefürworter eindeutig zu ihren Gunsten entschieden und gewonnen haben. Umso wichtiger erscheint es, auf jene seltenen Sendungen hinzuweisen, in denen jene Wissenschaftler zu Wort kommen, die den Mythos der Privatisierung entzaubern und als Lüge enttarnen.

Auf 3Sat wurde am 8. April 2012 um 6.45 Uhr innerhalb der Reihe TELEAKDEMIE ein Vortrag von Prof. Dr. Gerd Bosbach ausgestrahlt mit dem Titel „Die instrumentalisierte Zukunftsangst: Gesetzliche oder private Rentenversicherung, wer hat den Nutzen?“ Der Vortrag kann unter http://www.tele-akademie.de/begleit/video_ta120401.php im mp4-Format heruntergeladen werden.

Und um ganz auf Nummer sicher zu gehen, setzen die „Finanzdienstleister“ nicht nur auf die Mattscheibe, sondern schlagen bereits während der Schulzeit zu, indem sie die Jüngsten mit entsprechendem Schulmaterial „versorgen“, was Verbraucherschützerin Tatjana Bielke im dlf und dlr herausstellte. In diesem Zusammenhang soll auch der Hinweis auf das aktuelle dlr-Interview mit Helmut Schorlemmer (Beauftragter für Schulsponsoring des Landes Nordrhein-Westfalen) nicht fehlen. In diesem Interview wird herausgestellt, wie der Allianz-Konzern und andere versuchen, sich über Schulmaterialien den Zugang in die Köpfe der Schüler zu verschaffen.

Und ein kleiner Nachtrag soll an dieser Stelle nicht fehlen: Brechen wir unsere generelle Kritik an der Privatisierung des Fernsehens mit einer Frage herunter, um zu verdeutlichen, wie sehr die Privatisierung dieses Leitmediums auch unser Alltag bestimmt: Wie viel Lebenszeit mehr müssen wir als passive Konsumenten aufbringen, um das quantitaiv wesentlich umfangreichere TV-Programmangebot nach sinnstiftenden, unterhaltsamen Sendungen zu durchforsten, als das vor 1984 der Fall war? Da mag es für all diejenigen, die sich als Bildungsbürger sehen, ein Trost sein, dass die öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten mit ihren Radiosendern durchaus ein ansprechendes Programm anbieten, um der Trivialisierung und Verblödelung entgegenzuwirken. Jüngstes Beispiel hierfür war eine ganze Reihe von Reportagen, die DeutschlandRadio Kultur über Griechenland ausstrahlte: Nahaufnahmen aus Griechenland – Reportagen aus einer Gesellschaft im Umbruch von Andrea Mavroidis. Auch der Deutschlandfunk ist an dieser Stelle hervorzuheben. Besonders hörenswert erscheinen die dlf-Reportagen zur schönen, neuen Arbeitswelt. Es klingt paradox: Wir müssen lernen, die Ohren zu spitzen, damit wir wieder das betrachtende Sehen entdecken.

4.4., ARD, 21.45 Uhr: Wasser – Warum ein Rohstoff immer teurer wird v. Jennie Radü (plusminus)

4.4., ARD, 21.45 Uhr: Wasser – Warum ein Rohstoff immer teurer wird v. Jennie Radü (plusminus)

Dass die Landwirtschaft der größte Wasserverschwender ist, gehört unterdessen zum Allgemeinwissen. Dass wir mit unserem Konsumverhalten diese Wasserverschwendung noch verstärken, vergegenwärtigt die Diskussion um „virtuelles Wasser“. In dieser Art einer produktgebundenen Wasserbilanz fließen die Wassermengen ein, die zur Produktion beispielsweise von einem Kilo Erdbeeren aufgebracht werden müssen.

Überlegungen, die Landwirtschaft zum sparsamen Umgang mit der Ressource Süßwasser anzuhalten, sind vielfältig und reichen von dem Vorschlag, in heißen Regionen nur nachts Feldbewässerungen durchzuführen über die verpflichtende Einführung der computergesteuerten Tröpfchenbewässerungstechnologie bis hin zu einer markradikalen Erhöhung des Wasserpreises für die Agrarwirtschaft.

In der plusminus-Reportage stellt Jennie Radü eine neue technische Variante vor, die von Prof. Ulrich Zimmermann entwickelt worden ist. Mit einer magnetischen Sonde wird quasi der Blutdruck, besser die Wasservakanz, der Pflanze gemessen und auf diese Weise der optimale Zeitpunkt für die Bewässerung ermittelt. Die Werte der Sonde werden über das Internet vermittelt, so dass das Bewässerungsmanagement im Idealfall weiltweit gesteuert werden kann. Der Wasser-Einspareffekt liegt bei 30 Prozent.

„Von der Idee zur Geschäftsidee“ – mit diesem Titel lässt sich das in der Kurz-Reportage nicht weiter thematisierte Dilemma auf den Punkt bringen: Patenrechtlich abgesichert wurde die Idee mit der Firma ZIM Plant Technology mit Sitz in Hennigsdorf bei Berlin zur Marktreife gebracht. Mit anderen Worten: Auch aus dieser Innovation wird ein Geschäft und es liegt in der Logik dieses Markt-Ansatzes begründet, dass die Höhe des Wasserpreises den Verkaufspreis beeinflusst. Einen anderen Ansatz finden Interessierte in der Schrift „Wem gehört das Wasser“.

FRONTAL 21, 6. März, 21 Uhr, ZDF: Qualität des deutschen Trinkwassers: Alarmzeichen

Uns allen wird beigebracht, dass in deutschen Landen mit der Wasserversorgung alles zum Besten steht. Gewiss erinnern sich einzelne noch an einige Meldungen über Uranwerte im Trinkwasser und auch alle Spandauer in Berlin werden sich noch an den letzten Sommer erinnern, als ihnen vom Senat empfohlen wurde, das Leitungswasser mindestens 20 Minuten abzukochen (Vattenfall wird sich gefreut haben). Heute präsentiert der Journalist Andreas Halbrach in Frontal 21 eine Reportage, in der auch der Wasser-Experte Harald H. Friedrich interviewt wird. Zur Erinnerung: Harald Friedrich war im Umweltministerium (NRW) als Abteilungsleiter tätig. Ihm ist es zu verdanken, dass die PFT-Belastung der Ruhr nicht totgeschwiegen wurde. Als aufrechter Whistleblower wurde ihm anschließend von der Behörde und der Landesregierung übel mitgespielt. Soviel zum Thema Informationsfreiheit im Bereich der öffentlichen Daseinsvorsorge und dem Demokratieverständnis in diesem Land. Doch hier ein kurzer Auszug aus dem Interview:

„Frontal21: Was erwarten Sie von den Wasserversorgern?

Friedrich: Wenn die Wasserversorgung als Teil der öffentlichen Daseinsvorsorge in kommunaler Hand ist, dann unterliegt sie auch der kommunalen Kontrolle also auch der indirekten Kontrolle durch die Bürgerinnen und Bürger. In dieser Konstellation können die aus gesundheitlicher Sicht erforderlichen Maßnahmen schnell und direkt beim Wasserversorger durchgesetzt werden.

Geben Kommunen, die Haushaltsprobleme haben, ihr Tafelsilber zu dem auch die Trinkwasserversorgung und die Abwasserentsorgung gehört – an Heuschrecken ab, dann verlieren Sie den Einfluss auf die technischen Investitionen der Trinkwasserwerke. Dann wird für ein Minimum an Investition ein Maximum an Gebühren dem Verbraucher abgepresst. Kostenintensive aber für die Wasseraufbereitung notwendige Investitionen bleiben auf der Strecke. Konstellationen wie die großen privatisierten bzw. teilprivatisierten Wasserversorger in weiten Teilen NRWs sind daher zu vermeiden oder abzulehnen.“

PFT-Skandal nimmt kein Ende

Über die Flüsse Möhne und Ruhr gelangten unter krebsverdacht stehende perflourierte Tenside in die Ruhr. 2006 war der Verdacht gegen erhebliche Widerstände ans Tageslicht gebracht worden. Auch hier mussten Journalisten die Umweltdaten von Klärwerken gerichtlich einklagen. Jetzt kommt der Fall vor Gericht. Im Wissenschaftsmagazin „nano“ wurde am 12. Januar über den aktuellen Stand berichtet.