25.10.2013, 19.15 Uhr, dlf: Kampfzone Gentrifizierung? – Die aktuellen Probleme von Stadtentwicklung und Wohnungsbau

Kampfzone Gentrifizierung? – Die aktuellen Probleme von Stadtentwicklung und Wohnungsbau

  • Andrej Holm, Wissenschaftlicher Mitarbeiter im Fachbereich Stadt- und Regionalsoziologie an der Humboldt-Universität zu Berlin
  • Michael Mönninger, Professor für Kunstwissenschaft
  • Michael Voigtländer, Leiter des Kompetenzfelds Immobilienökonomik beim Institut der deutschen Wirtschaft KölnModeration: Jochen Rack

 

23.10.2013, 10.10 Uhr, dlr: Die deutsche Verkehrsinfrastruktur im Sanierungsstau

Veraltet und verschlissen

Die deutsche Verkehrsinfrastruktur im Sanierungsstau

Eine Sendung von Barbara Weber und Michael Roehl (Moderation)

Kilometerlange Staus wegen maroder Autobahnbrücken, Zugverspätungen aufgrund überholter Stellwerkstechnik, wartende Schiffe vor antiken Schleusen – die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland scheint vielerorts veraltet. Das betrifft Bund, Länder und Gemeinden gleichermaßen.

Seit die Bodewig-Kommission ein eher dramatisches Bild gezeichnet hat, gelten Investitionen in die Infrastruktur als eine der zentralen Zukunftsaufgaben für Deutschland.

Bei der Beschaffung der Mittel sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt: Je nach Lager gehen die Vorschläge von der LKW- bis zur generellen PKW-Maut, von der Privatisierung der Schiene bis zur Kostenpflicht für Landstraßen.

Brauchen wir also mehr Geld, um den Sanierungsstau im Verkehrsnetz zu beseitigen? Oder fließt womöglich vorhandenes Geld in weniger dringliche Projekte?
Allein der umstrittene Tiefbahnhof in Stuttgart kostet bis zu 6,5 Milliarden Euro. Städte wie Mülheim an der Ruhr müssen ihre nicht mehr benötigten Straßenbahnen weiterbetreiben, weil sie – nach eigenen Aussagen – nur so Fördergelder bekommen. Und nicht zuletzt die Neubaustrecken-Anmeldungen der Länder für den ab 2015 geltenden Bundesverkehrswegeplan fordern Mittel für Projekte, die bei der Sanierung fehlen.

Gäste:Dr. Hendrik Dönnebrink, Geschäftsführer Beteiligungsholding Mülheim an der Ruhr

Gerhard Handke, Hauptgeschäftsführer Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen e.V.

Jochen Ott, stellvertretender Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion in Nordrhein-Westfalen, Mitglied des Ausschusses Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr

Uwe Zimmermann, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städte- und Gemeindebundes

Kurt Bodewig, ehemaliger Bundesverkehrsminister und Vorsitzender der Kommission
„Nachhaltige Verkehrsinfrastrukturfinanzierung“

 

23.10.2013, TV-Hinweise: Statt grundwassergefährdende Biogasanlagen „Urban Farming“ ?

Kommentar Wasserbürger: Es ist hinlänglich bekannt, dass die Landwirtschaft der größte Wasserverbraucher ist. Weniger bekannt ist, dass bei der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung großer Flächen Schadstoffeinträge durch Überdüngung das Grundwasser belasten. In einer Plusminus-Reportage (ARD) wurde nachgewiesen, dass auch „bundesweit… der Nitratgehalt an vielen Messstellen über dem Grenzwert“ liegt. Das Grundwasser ist in einen schlechtem Zustand!

„60 Prozent des Grundwassers in Niedersachsen sind stark mit Nitrat belastet, teilt das Landwirtschaftsministerium Niedersachsen auf Anfrage von Plusminus mit.  Um in Landkreisen mit hoher Viehdichte wie Cloppenburg oder Vechta Gülle und Kot ordnungsgemäß auf die Felder auszubringen, benötige man teilweise das Zwei- bis Dreifache der Fläche.  Mehr als die Hälfte der anfallenden Gülle müsse in andere Landesteile verbracht werden. Geschieht das nicht, kommt es zu einer Überdüngung und damit zu einer hohen Nitratbelastung des Grundwassers. In einer aktuellen Pressemitteilung teilt die EU-Kommission mit, dass die Wasserqualität in Deutschland und Malta am schlechtesten sei.“ (Link zur Reportage Biogasanlagen gefährden Grundwasser.)

Es mag ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, dass am gleichen Tag auf 3Sat im Wissenschaftsmagazin „nano“ der Bericht „Anbau ohne Erde – „Urban Farming“ erobert die Metropolen der Welt“ ausgestrahlt wurde. Kürzlich verwies im dlr der Lebensmittelexperte Udo Pollmer in seinem Beitrag auf die Vorzüge dieser neuen Anbaumethode aus Japan:

Gemüse aus Käfighaltung

Eine neue Anbaumethode aus Japan könnte die Landwirtschaft revolutionieren

Von Udo Pollmer

25.000 Salatköpfe pro Tag, keine Pestizide und dazu noch absolut hygienisch: In Japan liefern neuartige Pflanzenfabriken gigantische Erträge. In Zukunft könnten diese Super-Treibhäuser den Gemüseanbau im Freiland verdrängen.

 

Die Aussichten sind offenbar gigantisch: In Japan haben die ersten Pflanzenfabriken erfolgreich den Betrieb aufgenommen. Pflanzenfabriken sind neuartige Treibhäuser – die nicht etwa nur die doppelte oder dreifache Ernte gegenüber dem Freiland liefern. Nein, die Erträge in der Pflanzenfabrik liegen 100 Mal höher. Für das gebirgige Japan ist das besonders erfreulich, denn es mangelt an Ackerland.

In diesen Anlagen wird das Gemüse in bis zu 20 Etagen, die jeweils etwa 40 cm hoch sind, in einer Nährlösung gezogen. Ein wenig erinnert das Prinzip an die Käfighaltung bei Hühnern. Erdelose Kulturen sind auch in Europa verbreitet – die Salatwurzeln stecken in einem unverwüstlichen und recycelfähigen Material wie Steinwolle und werden von der Düngelösung umströmt. Das Wasser kann im Kreislauf geführt und wiederaufbereitet werden. Der Wasserbedarf ist in einer Pflanzenfabrik um 90 Prozent geringer als im Freiland, denn dort wird Gemüse in der Regel künstlich bewässert.

Keine Krankheiten, keine Schädlinge

Im Gegensatz zum üblichen Treibhaus handelt es sich hier um ein luftdicht isoliertes System. Somit lässt sich denn auch der Kohlendioxidgehalt der Luft um das Vier- bis Fünffache anheben. Das wiederum fördert das Wachstum des Gemüses ungemein. Die hermetische Isolation verhindert, dass Pflanzenkrankheiten oder Schädlinge eindringen können. Deshalb kann auf Pestizide verzichtet werden. In Sachen Ökologie stellt das neue System den Bio-Anbau in den Schatten.

Entscheidend für den wirtschaftlichen Erfolg sind die Lampen, die in jeder der 20 Etagen für eine gleichmäßige Beleuchtung sorgen. Am besten eignen sich dafür die noch relativ teuren LED-Leuchten. Derzeit liegt die Lichtausbeute bei knapp 30 Prozent der eingesetzten Energie – es heißt, in den Forschungslabors sei man bereits bei über 50 Prozent. Wenn diese Lampen in Serie gehen, dürfte die Wettbewerbsfähigkeit der klassischen Gärtnerei unter Druck geraten.

Einige der inzwischen über 100 japanischen Pflanzenfabriken liefern täglich 25.000 Salatköpfe. Die Abnehmer sind nicht Supermärkte, sondern vor allem Einrichtungen wie Alters- und Pflegeheime, die peinlichst auf die Hygiene zu achten haben – Blattgemüse vom Feld oder aus „Bodenhaltung“, wie manchmal gespottet wird, sind für jeden Hygienebeauftragten ein Alptraum, vor allem wenn sie roh serviert werden sollen. Das Gemüse aus der Pflanzenfabrik ist garantiert hygienisch. Es enthält nach der Ernte viel weniger Keime als handelsübliches Gemüse selbst nach gründlichem Waschen.

Bezahlbar, hygienisch, regional

Um jeden Bürger einer Großstadt wie Bonn täglich mit 200 Gramm Salat oder Erdbeeren zu versorgen, genügt eine Anlage mit einer Grundfläche von weniger als 200 mal 200 Metern – für die ganze Stadt. In großen Ballungsräumen ist damit eine regionale Versorgung möglich. Inzwischen wird an Kleinstanlagen fürs Wohnzimmer herumgezimmert, weil der Platzbedarf gering ist. Pro Person reicht ein Gerät von der Größe einer Gefrierkombination. Damit bekommt die Gesellschaft endlich, was sie sich so sehr ersehnt hat: Blattgemüse, das eine anständige Ökobilanz hat, weil es keine Flächen bindet, das nur wenig Trinkwasser benötigt, das praktisch ohne Pestizide heranwächst, das aus regionaler Produktion täglich taufrisch zur Verfügung steht, das absolut hygienisch ist und außerdem bezahlbar.

Die Technologie ist nicht nur für städtische Ballungszentren interessant, für die sie ursprünglich entwickelt wurde – um Frischgemüse außerhalb der Erntezeit nicht um die halbe Welt zu den Kunden transportieren zu müssen. Damit lässt sich unabhängig von den Bodenverhältnissen oder den klimatischen Bedingungen Gemüse erzeugen – beispielsweise in der Wüste. Und wenn wir noch etwas weiter in die Zukunft blicken, werden die „Pflanzen aus Käfighaltung“ den Gemüseanbau im Freiland Schritt für Schritt verdrängen. Mahlzeit!

Literatur:
Noga GJ: From vision to reality: Horticulture at the forefront of innovation. Chronica Horticulturae 2012; 52 (4): 3-4
Chiba University: International Meeting of Plant Factory 30. Nov. 2012. Kongreß-Präsentationen
Shimizu H et al: Light environment optimization for lettuce growth in plant factory. 18th IFAC World Congress Milano 2011; S. 605-609
Wakahara T, Mikami S: Adaptive nutrient water supply control of plant factory system by reinforcement learning. Journal of Advanced Computational Intelligence 2011: 15: 831-832
Kozai T: Plant factory in Japan – current situation and perspectives. Chronica Horticulturae 2013; 53 (2): 7-11
Lee SW: A plant factory for the middle eastern environment. Gyeonggi Province Agricultural
Research & Extension Services, Präsentation vom 13. März 2013

 

 

24.20.2013, 18.07 Uhr, dlr: Wege aus der Ernährungskrise in Afrika: Wasser – Nicht immer knapp, aber vielfach ungenutzt. Von Thomas Kruchem

Rettet das Wasser!

Professionelle Bewässerungssysteme könnten das südliche Afrika wirtschaftlich stabilisieren

Von Thomas Kruchem

Wasser ist nicht überall in Afrika knapp. Die Länder Sambia, Tansania und Mosambik haben bedeutende Reserven, deren größter Teil allerdings ungenutzt in den Indischen Ozean fließt. Mit dem Bau von Staudämmen, Kanälen und Brunnen könnte man die landwirtschaftlichen Erträge um ein Vielfaches steigern…

zur Sendung

Mit PET-Flaschen gegen den weltweiten Durst? Minimal-Vorschläge von Prof. Mark Oelmann im dlr-Interview sind Fortsetzung der Apartheitspolitik

Kommentar Wasserbürger: Jeder mag selbst beurteilen, inwieweit die unten aufgeführten Angaben zur vita von Prof. Oelmann eine Referenz darstellen, seine Vorschläge zum Konfliktmanagement sind es nicht. Die im Interview mehrmaligen Versuche von Oelmann zur Differenzierung der wasserwirtschaftlichen Situation in hochentwickelten Industrieländern, Schwellenländern und Entwicklungsländer überzeugt vor allem dann nicht, wenn Prof. Oelmann in der Trinkwasserversorgung mit PET-Flaschen und der „desinifizierenden“ Wirkung der UV-Strahlung des Sonnenlichts einen nachhaltigen Entwicklungsansatz mit weiterführendem Potenzial zu sehen glaubt. Es ist der Moderatorin zu danken, die abschließend auf den Zynismus verweist, der von den Funktionsträgern und Experten hochentwickelter Nationen mit einer entsprechenden hochentwickelten Wassertechnologie ausgeht, wenn diese „Sachverständigen“ die Betroffenen in Entwicklungsländern mit PET-Flaschen und anderen Minimal-Vorschlägen billig abspeisen wollen. Vielleicht hätte Prof. Oelmann es bei seiner Tätigkeit im Investmentbanking der Deutschen Bank belassen sollen. Doch umgekehrt ist es für das neoliberale bzw. in diesem Falle neokoloniale Networking unerlässlich, dass genau solche Einrichtungen wie die Deutsche Bank ihre Spezialisten in die Welt schickt, damit diese als neoliberale Trojaner den Bürgern Flöhe ins Ohr setzen können und den Betroffenen vor Ort minimale und rückständige, abgeschriebene Technologien als Fortschritt für teuer Geld verkaufen. Bleiben wir noch einen Moment bei den PET-Flaschen und ihren Weichmachern. Für die zunehmende Sterilität bei männlichen Spermien werden jüngsten Forschungsergebnissen zufolge auch Weichmacher in PET-Flaschen verantwortlich gemacht. Als Leser werden Sie den Hinweis auf die Trojaner verstehen. Und wer sich die Zeit nimmt, die ausgezeichnete 45-minütige dlf-Reportage „Water Rhapsody – Wasserwirtschaft in Südafrika“ von Nora Bauer anzuhören, der wird erkennen, dass die Minimal-Vorschläge als eine Fortsetzung der Apartheitspolitik zu bewerten sind.

Hier das vollständige Gespräch mit Prof. Mark Oelmann wie Angaben zur Person

Weltweiter Durst: Das große Geschäft mit der Wasserknappheit

Prof. Dr. Mark Oelmann studierte an der Philipps-Universität Marburg und der Pennsylvania State University im Doppelstudium Volkswirtschaftslehre und Völkerkunde und promovierte bei Prof. Dr. Jürgen Donges, langjährigem Vorsitzenden der „Fünf Wirtschaftsweisen“, an der Universität zu Köln. In seiner Dissertation „Zur Neuausrichtung der Preis- und Qualitätsregulierung in der deutschen Wasserwirtschaft“, die mit dem Ehrhardt-Imelmann-Preis der Universität zu Köln prämiert wurde, setzte er sich erstmalig mit Fragen der Netzsektorenökonomik auseinander.
In seiner Berufstätigkeit blieb er genau diesen Fragen treu. Er arbeitete im Investmentbanking der Deutschen Bank AG, u.a. im Bereich der erneuerbaren Energien und der Projektfinanzierung und beriet als Managing Consultant bei der international renommierten Managementberatung Capgemini Consulting deutsche Energieunternehmen.
Etwa sechs Jahre arbeitete er beim Wissenschaftlichen Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) GmbH, zuletzt als Leiter der Abteilung „Wasserwirtschaft und Verkehr“. Die Begleitung bei unternehmensstrategischen Fragestellungen deutscher Wasserunternehmen sowie die Beratung von Wasserministerien und Regulierungsinstanzen in Schwellen- und Entwicklungsländern bildeten den Schwerpunkt seiner Arbeit.
Neben vielfältigen Veröffentlichungen und Vorträgen zu wasser- und regulierungsökonomischen  Themen unterrichtete Prof. Dr. Oelmann wasserökonomische Fachkurse im Masterstudiengang MERNI („Master of European Regulation of Network Industries“) der Universität Bonn. Er war als Wasser-/Abwasserexperte vom Deutschen Bundestag geladen, sitzt als einziger Nicht-Brite im „Advisory Panel on Future Regulation“ der englischen Wasserregulierungsbehörde OFWAT und ist als Gutachter für verschiedene Fachzeitschriften tätig.
Im März 2011 nahm Dr. Oelmann die Professur für Wasser- und Energieökonomik an.