1 Jahr Wasser als Menschenrecht – Schöne Worte ohne Folgen?

28. Juli 2011, 11.30 Uhr, dlf, Umwelt und Verbraucher: 1 Jahr Wasser als Menschenrecht – Schöne Worte ohne Folgen in Anbetracht der Dürre am Horn von Afrika?

s.a.: Grundrecht auf Wasser für viele nur ein Traum

Kommentar Wasserbürger: „Die Wasserversorgung der Weltbevölkerung ist trotz technologischen Fortschritts immer noch nicht gewährleistet. Das Millenniumsziel der Vereinten Nationen, bis 2015 die Zahl der Menschen ohne Zugang zu Trinkwasser zu halbieren, ist nach offiziellen Verlautbarungen der UN nicht erreichbar. Überlegungen, dieses Problem durch eine stärkere Einbeziehung privater Unternehmen zu lösen, berühren jedoch politische Grundsatzfragen. Die Privatisierungsdiskussion verlangt die prinzipielle Entscheidung, ob die Wasserversorgung als kommerzielles Geschäft von privatrechtlichen, gewinnorientierten Unternehmen angeboten werden soll oder ob eine öffentlich garantierte Wasserversorgung in Verbindung mit einem völkerrechtlich kodifizierten Rechtsanspruch vorzuziehen ist, da sie die höhere Versorgungssicherheit der Weltbevölkerung garantieren kann. Zumindest was den völkerrechtlichen Anspruch betrifft, ist es Bolivien am 28. Juli 2010 gelungen, in der UN-Generalversammlung endlich das Recht auf Trinkwasser als Menschenrecht zu verankern. Vor dem Hintergrund der langjährigen diplomatischen Verhandlungen ist dieser Vorstoß, der auch das Menschenrecht auf eine sanitäre Grundversorgung umfasst, als ein doppelter Erfolg zu bewerten. Die Relevanz dieses völkerrechtlichen Anspruchs für die Realpolitik wird sich aber erst erweisen müssen, eben darin, ob sich die Hoffnungen des bolivianischen Präsidenten Evo Morales erfüllen werden, dass mit diesem Beschluss auch der fortschreitenden Privatisierung der Wasserwirtschaft Einhalt geboten werden kann.

Es wird niemanden überraschen, dass nach dem Vorstoß Boliviens diese Hoffnungen auch auf völkerrechtlicher Ebene durch den UN-Menschenrechtsrat bereits „aufgeweicht“ werden. Eine aktuelle Übersicht vermittelt Inga Winkler in ihrem vom Institut für Menschenrechte herausgegebenen Essay „Lebenselixier und letztes Tabu – Die Menschenrechte auf Wasser und Sanitärversorgung“.“

Die Spur der Keime – EHEC zwischen Kanalisation und Trinkwasser am Sonntag, 24. Juli, 16.30 Uhr, Deutschlandfunk

In der Reihe „Wissenschaft im Brennpunkt“ wurde im dlf am Sonntag, d.  24.07.2011 um 16:30 Uhr folgende Reportage ausgestrahlt:

„Die Spur der Keime – EHEC zwischen Kanalisation und Trinkwasser“
Von Marieke Degen und Arndt Reuning

Es ist der Redaktion des Deutschlandfunks zu danken, dass die meisten Sendungen – wie auch diese – nicht nur nachgehört werden können, sondern auf der Internet-Seite der Sendung auch weitere Hinweise zu anderen Sendungen und Reportagen angeboten werden. Auch aufgrund der ausgezeichneten Dokumentation kann ein Besuch wärmstens empfohlen werden!

Erinnert sei an den Spiegel-Artikel „Unrat im Trinkwasser“ vom 27.6. Gleich vier Journalisten erarbeiteten einen Bericht, der erschreckendes über unser wichtigstes Lebensmittel zu Tage förderte! Hier ein Auszug:

Der Bonner Hygieneexperte Thomas Kistemann kritisiert, dass im Abwasserrecht bis heute keine Richtwerte für mikrobielle Belastungen festgelegt sind. Man verlasse sich darauf, dass dieses Problem durch Verdünnung geregelt werde.
Dabei lassen sich gefährliche Bakterien wie etwa der Ehec-Keim durch UV-Bestrahlung abtöten; während der Sommersaison wird so zum Beispiel das Wasser der Isar in München in Badequalität gehalten. Noch sicherer wären feinporige Membranen, die keine Bakterien durchlassen. „Doch die werden aus Kostengründen nur selten eingesetzt“, sagt der Gießener Abwasserexperte Ulf Theilen…
…Auch um die Trinkwasserqualität steht es in weiten Teilen Deutschlands schlecht. In einem Bericht des Bundesministeriums für Gesundheit aus dem Jahr 2008 heißt es, dass von rund 120 000 Proben aus Wasserwerken, die jeweils mehr als 5000 Einwohner beliefern, 128 Proben E. coli und 1577 Proben coliforme Bakterien aufwiesen. Mehr als ein Prozent der Trinkwassertests war folglich mit potentiell krankmachenden Erregern verseucht…“

Marshall McLuhan – Der Medientheoretiker und Entdecker des globalen Dorfes zum 100. Geburtstag

Die regressiven Tendenzen einer überwiegend visuell ausgerichteten Mediengesellschaft hat der Medientheoretiker McLuhan in seiner Prognose des „globalen Dorfes“ bereits Ende der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts vorhergesehen, also weit bevor uns Datenhighways, flimmernde Smartphones und virtuelle Flimmerwelten in einen halluzinatorischen Zustand informierter Paralyse versetzt haben. Und es mag bezeichend sein, dass uns das öffentlich-rechtliche RADIO als dem unterschätzten „Organ“ der Sprach- und Erzählkultur an diesen Vordenker erinnert. Immerhin lassen einen die Auseinandersetzungen um Wikileaks, um Geheimverträge, um „moderierte“ bzw. zensierte e-mail-Listen und um Transparenz hoffen, dass die Funktion der Schriftkultur für das kognitive Verstehen und das politische Handeln noch nicht ganz ausgedient hat.

Weltzeit  02.08.2011 · 18:07 Uhr: Profit statt Erkenntnis – Der Medienmarkt im Murdoch-Land USA v. Ralph Sina
Der Skandal um die kriminellen Abhör- und Bestechungspraktiken der Konzernangestellten von Medienzar Rupert Murdoch in Großbritannien wird in den USA aufmerksam beobachtet: Denn die Vereinigten Staaten sind Murdoch-Land. Der in Australien geborene Medienunternehmer ist u.a. Herr über Amerikas einflussreichsten Kabel-Sender Fox-News. Auch Sender wie CNN, ABC oder CBS befinden sich im Polarisierungs- und Trivialisierungs-Sog oder landen im Quotenabseits. Konzentration ist Trumpf, Profit statt Meinungsvielfalt heißt die Devise: 80 Prozent der knapp 1500 US-Zeitungen gehören wenigen Großverlagen.

Donnerstag, 21.07., 16.05 Uhr, dlf: (Büchermarkt) Medienguru im Blick
„Marshall McLuhan“. Eine Biographie, geschrieben vom kanadischen Schriftstellers Douglas Coupland (Generation X). Von Michael Köhler

Mittwoch, 20.07., 19.30  Uhr, dlr: Verliebt in seine Apparate – Zum 100. Geburtstag des Medienträumers Marshall McLuhan. Von Ronald Düker

Montag, 18.07., 19:30 Uhr, dlr: „Der Facebook-Mensch. Wie verändern soziale Netzwerke unser Leben?“ Von Johannes Nichelmann

Sonntag, 17.07., 08:30 Uhr, swr2: Das Fernsehen unter der Lupe – McLuhans Medientheorie. Von Matthias Eckoldt – Auch zum Nachhören und Nachlesen!!!

Freitag, 15.07., 00:05 Uhr, dlr: „The Medium is the Massage“ – Ein Klangexperiment von Marshall McLuhan, Quentin Fiore und Jerome Agel

Freitag, 15.07. 17.05 Uhr, swr2: Medien-Guru der digitalen Welt. Gesprächsleitung: Michael Köhler, SWR2 Forum vom 15.07.2011.Es diskutieren: Martin Baltes – Verleger, Buchautor und Germanist, Freiburg, Prof. Dr. Norbert Bolz – Medienwissenschaftler, Technische Universität Berlin, Prof. Dr. Doris Kolesch – Theaterwissenschaftlerin, Freie Universität Berlin – Hier zum Nachhören

 

und weitere Radiotipps (Update 13. Juli 2011)

dlf = Deutschlandfunk / dlr = Deutschlandradio Kultur

aktuelle Hinweise zum 100. Geburtstag des Medientheoretikers Marshall McLuhan hier

Di 26.7., 19.30, dlr: Die Ausweitung der Erzählzone – Der Siegeszug des Geschichtenerzählers in Kultur, Wissenschaft und Politik
So 24.7., 18.20, SWR2: Die Kunstschwimmer. Hörspiel nach dem Theaterstück von David Dräbek
So 23.7., 18.05, dlr: Die Asse. Eine unterirdische Geschichte der Bundesrepublik. Von Lorenz Schröter
Mo 18.7., 19,04, Kulturradio: Soziale Gerechtigkeit bleibt auf der Strecke – Die Kehrseite der reichen Republik
So 17.7., 14.05, SWR2: Wasser-Reich. Die Niederlande werden immer kleiner.
Do 14.7., 22.04, Kulturradio:  „Die Entfesselung der antisozialen Tendenz in der Zivilisation der Moderne“ – 5. Berliner Rede zur Freiheit von Peter Sloterdijk

04.07.2011, 16:07, dlr: Wichtige Rohstoffquelle Regenwald – Welche Chance hat der Umweltschutz in einem Schwellenland? Gespräch mit Marina da Silva, Brasilianische Grünen-Politikerin und Ex-Präsidentschaftskandidatin
04.07.2011, 18:07, dlr: Chinas umstrittener Stolz: Der Dreischluchtenstaudamm am Jangtse von Astrid Freyeisen
Er gehört zu den gigantischsten und umstrittensten Bauwerken der Welt: der Dreischluchtenstaudamm am Jangtse. Trotz massiver Bedenken – auch aus China selbst – wurde das Projekt durchgezogen. Heute ist der Staudamm für China das Prestige-Objekt schlechthin. Aber die Kritik von Umweltschützern ist nicht verstummt. Sie misstrauen der Wasserqualität, weisen auf instabile Uferregionen hin und befürchten, dass der Staudamm nicht erdbebensicher ist.

Di 28.6., 20.10, dlf: Es könnte ja noch schlechter sein. Dialog eines Deutsch-Schweizers mit dem Leitungswasser. Hörspiel von Robert Stauffer (BR 1977)
Mo 27.6., 19.30, dlr: Hermes, Nautilus und Rabits. Wie die EU-Agentur Frontex an den europäischen Außengrenzen operiet
So 26.6., 08.30, SWR2: Aula: Mediterrane Zustände – Der Klimawandel und die Folgen
So, 19.6., 18.40, dlf: Hintergrund – Bolivien: Anspruch und Wirklichkeit – Die indigene Revolution des Evo Morales
Do 16.6., 13.07, dlr: Länderreport – Heuschrecken investieren in Biogas / Bauern wehren sich gegen Anlagen in Mecklenburg-Vorpommern.


Sonntag, 10.7., 16.30 Uhr: China geht das Wasser aus (Wissenschaft im Brennpunkt)

China geht das Wasser aus

Konzepte gegen den Mangel im Reich der Mitte

Von Michael Stang
China schreitet mit Sieben-Meilen-Stiefeln voran. Wachstumszahlen von Wirtschaft und Bevölkerung überschlagen sich und Megastädte schießen zuhauf aus dem Boden. Doch bei alle dem Glanz kämpft China zunehmend mit einem Versorgungsproblem. Denn dem „Reich der Mitte“ geht das Wasser aus.
Schuld daran ist nicht nur die Industrie, die Abwässer ungeklärt in Trinkwasserreservoire ablässt, oder der Mangel an Klärwerken. Klimawandel und das rasante Bevölkerungswachstum sorgen für zunehmenden Wassermangel: Schmelzwasserzuflüsse versiegen, Flüsse trockenen im Sommer aus und der Grundwasserspiegel sinkt rapide.
Sendung verpaßt? Kein Problem: Hier finden Sie das Manuskript und wenn sich die Gruppe der „Kopfhörer“ beeilt, dann kann die Sendung auch als Podcast herunter geladen werden!