dlf-Reportage: Hohe Wasserpreise wegen hoher Gewinnversprechen

Eine hörenswerte dlf-Reportage von Anja Nehls

Hohe Wasserpreise wegen hoher Gewinnversprechen

Berliner Volksentscheid gegen Wasserwerkprivatisierung

Von Anja Nehls

Die Verträge mit den privaten Investoren der Berliner Wasserbetriebe garantieren diesen hohe Gewinne, weshalb die Wasserpreise in Berlin überdurchschnittlich hoch sind. Bürgerinitiativen kämpfen dagegen.

Ein akustisches Highlight vom dlf: Geschäfte auf dem Rücken der Armen – Neue Spieler im Rohstoffmonopoly, ausgestrahlt am 4. Febr.

Geschäfte auf dem Rücken der Armen

Neue Spieler im Rohstoffmonopoly

von Oliver Ramme

„…Das Spekulationskapital in diesem Bereich ist in den vergangenen zehn Jahren nahezu um das 40-fache gestiegen. Und dieses Kapital wächst Analysten zufolge jeden Monat um weitere fünf bis zehn Milliarden Dollar an. Ein Großteil dieser Wettgeschäfte bezieht sich auf Rohstoffe wie Metalle oder Erdöl. Ein Drittel aber – also rund 200 Milliarden Dollar – sollen in Fonds stecken, die auf Agrarrohstoffe wie Weizen, Reis oder Soja wetten…

…Gewettet wird bei den Fonds in der Regel auf steigende Preise. Hans Heinrich Bass hat in einer Studie für die Welthungerhilfe die Preisänderungen von Soja, Mais und Weizen untersucht…

Bass kommt unter anderem zu dem Ergebnis, dass im untersuchten Zeitraum 2007 bis 2009 die Spekulationen von Banken und Hedgefonds zu einer Preiserhöhung von 15 Prozent bei Mais oder Weizen geführt haben könnten. Eine konservative Berechnung. Studien der UNCTAD – der Organisation für Handel und Entwicklung der Vereinten Nationen, der Weltbank und zahlreicher Wirtschaftsforschungsinstitute sprechen von bis zu 50 Prozent…

…Profite der Banken auf Kosten der Armen: Wie gehen die Geldinstitute mit der Kritik um? Sie schweigen. Interviewanfragen bei GoldmanSachs, der Commerzbank, JP Morgan oder der Deutsche Bank blieben unbeantwortet. Keine der Banken war zu einem Gespräch bereit. Sie geben sich wortkarg, wenn es um Rohstoffspekulationen geht, und lassen die Schlagzeilen in ihren Hochglanzbroschüren sprechen. So warb 2008 die Deutsche Bank mit dem Slogan:

„Agrarrohstoffe: Begrenzt und begehrt.“

Im gleichen Jahr platzierte die Deutsch Bank auf Brötchentüten von Frankfurter Bäckereien die Frage:

„Freuen sie sich über steigende Preise?“

Die Landesbank Baden-Württemberg will …

„…Erträge ernten.“

… oder Allianz Global Investors preist den …

“ …Megatrend knappe Ressourcen … “

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Was an dem Feature von Oliver Ramme überzeugt, ist nicht nur die Bestandsaufnahme, sondern dass zugleich Wege angedeutet werden, wie zumindest der Spekulation Einnhalt geboten werden kann:

„…Doch es gab und gibt bis heute einen dritten Spieler auf dem Börsenparkett: der Spekulant, der mit seinen Wetten auf sinkende oder steigende Preise verdient. Der Spekulant bringt das Kapital mit ins Geschäft und sorgt außerdem für die Absicherung der Preise, für das so genannte „hedging“. Viele Jahrzehnte lang war die Zahl der Spekulanten relativ klein, das Geschäft blieb also überschaubar. Das aber änderte sich vor etwa zehn Jahren. Regeln, die sich über Jahrzehnte eingespielt hatten, wurden aufgeweicht, erklärt Thilo Bode von Foodwatch.

„Die Grundproblematik ist, dass man den Markt geöffnet hat, dass es die Limits für Spekulationen nicht mehr gibt. Das ist abgeschafft worden Anfang des Jahrtausends. Und dass man den Banken ermöglicht hat, diese Art von Spekulationen zu machen. Das gab es ja früher nicht. Sinnvolle Restriktionen noch von Präsident Roosevelt wurden einfach abgeschafft.“

Abgeschafft unter dem Postulat der Deregulierungen. Die mächtige Bankenlobby setzte zum Beispiel durch, dass Positionslimits – also eine Art Obergrenze an Futures pro Akteur – gekippt wurden. Damit können Banken unbegrenzt Futures kaufen. Also Verträge, die erst in Zukunft wirksam werden und leer, also ohne von real vorhandenen Rohstoffen gedeckt zu sein, gehandelt werden können. Die Deregulierung begann in den USA und erreichte wenig später auch Europa.

Die Immobilien- und Finanzkrise vor drei Jahren verschaffte den marktfremden Spekulationen einen weiteren Schub. Schließlich ist der Rohstoffmarkt verlockend, da er – im Gegensatz zu vielen anderen Märkte – stetiges Wachstum verspricht: Denn immer mehr Menschen auf der Welt brauchen immer mehr Rohstoffe. Für Computer, Handys, Autos – und Nahrung. Nur sind die neuen Marktteilnehmer, Banken, Investment- und Hedgefonds, nicht daran interessiert, eine Ladung Erdöl oder einen Frachter voll Weizen zu kaufen. Ihnen geht es nur um die Spekulation – nicht um den realen Wert der Rohstoffe. Es ist ein schwindelerregendes Geschäft. Ein Geschäft, in dem Computer mit ausgefeilten Algorithmen unvorstellbare Geldsummen hin- und herschieben. Und das im Millisekundentakt. Professor Hans Heinrich Bass, Ökonom an der Hochschule Bremen, hat sich mit dem hochkomplexen Handelssystem an den Rohstoffbörsen beschäftigt.

„Darüber gibt es jetzt einen weiteren Markt, das ist noch eine Stufe darüber, noch verdünnter. Dieser Markt ist für die Exchange Traded Commodities. Hier geht es um Finanzmarktanlagen, die sich auf Veränderungen auf dem Futuresmarkt beziehen. Darüber gibt es eine weitere Stufe: Die hochspekulativen Derivate, die beziehen sich auf Veränderungen auf den anderen Ebenen. Also wie verändert sich die Volatilität, also die Schwankung des Preises? Ab einer bestimmten Stufe geht es darum, die zukünftige Entwicklung zu prognostizieren. Oder noch einfacher gesagt: Es geht darum, Wetten abzuschließen und diese Wetten zu gewinnen.“

Mittwoch, 8.2.2012, 11.35 Uhr, dlf: Medikamentenspuren belasten Umwelt

„Arzneimittelreste gehören nicht ins Abwasser“

Medikamentenspuren belasten Umwelt

Ina Ebert im Gespräch mit Georg Ehring

Medikamentenreste im Abwasser können Auswirkungen auf das Ökosystem haben. So können Rückstände von Pillenhormonen beispielsweise zur Verweiblichung von Fischen führen, sagt Ina Ebert vom Umweltbundesamt. Die korrekte Entsorgung ist daher wichtig.

Und zu diesem Thema passend ein Artikel aus der „Märkischen Allgemeinen“

In Zukunft mehr Chemie im Wasser

Berliner Forschung zu „Sauberem Trinkwasser“

BERLIN – Zur Feier des Tages trank Andreas Hartmann, der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Wasser Berlin, ein Glas Berliner Leitungswasser: „Nicht gechlort, nicht belastet und sehr gesund“, wie er im Institut für Strömungsmaschinen und Technische Akustik der Technischen Universität (TU) Berlin lobte.

Die Qualität kann der Technische Vorstand der Berliner Wasserbetriebe, Georg Grunwald, garantieren – noch. Denn die Bedingungen für gutes Berliner Trinkwasser werden sich verschlechtern. Der Klimawandel wird Spree und Havel gleichsam eindampfen und weniger Wasser zur Verdünnung und Reinigung übrig lassen. Und weil die Bevölkerung immer älter wird, wird sie auch mehr Medikamente brauchen – und deren Reste werden in den Wasserkreislauf gelangen. Man rechnet mit einem Anstieg um 20 Prozent.

„Die Kläranlagen sind nicht zielgerichtet auf diese Stoffe ausgelegt“, gibt Wasserbetriebe-Chef Grunwald zu. Das soll sich nun ändern. Wasserschutzexperten und Sozialwissenschaftler der TU haben sich mit den Wasserbetrieben zusammengetan, um sich um das wachsende Problem von Keimen und chemischen Spuren zu kümmern. „Askuris“ heißt das 4,4 Millionen Euro schwere vom Bund geförderte Forschungsprojekt. Das Ziel: Sauberes Wasser für Berlin auch in der Zukunft.

„Askuris untersucht erst einmal, welche Stoffe es sind“, sagt der Leiter des Projekts, Martin R. Jekel, Lehrstuhlinhaber Wasserreinhaltung an der TU. An zweiter Stelle stehe die Frage, wie man sie entfernen könne.

Ein Studienobjekt soll der Tegeler See sein. Dort will man zum Beispiel nach Tests im Labor die Wirkung von Aktivkohle auf chemische Restbestände erforschen. Das Kompetenzzentrum Wasser will untersuchen, ob man mit Hilfe von Ozon bessere Ergebnisse bei der Wasserreinigung erzielt und welche Nebenprodukte dabei entstehen könnten. Die Kläranlagen der Zukunft sollen noch besser, aber möglichst nicht teurer werden.

Zusätzlich untersuchen Sozialwissenschaftler wie Berliner mit Wasser umgehen, wie sie Medikamente entsorgen oder wie sie sich an Badeseen verhalten. „Wir wollen systematisch bestimmte Gruppen nach Alter, Geschlecht und Bildung angehen“, sagt die Sozialwissenschaftlerin Nina Baur. Daraus können die Forscher Schlüsse ziehen, wo sie mit der Steuerung beginnen. Zum Beispiel könnte man bestimmte Medikamente weniger verschreiben oder gleich ganz verbieten oder künftig Krankenhäuser mit eigenen Kläranlagen ausstatten. (Von Rüdiger Braun)


Hörenswertes über den Faktor Mensch und die Rolle der Psychologie in der Ökonomie und über die „Freundschaft im Zeitalter ihrer technischen Optimierung“

Mo, 6.2., 19.04 Uhr – Kulturradio Berlin: „Der Faktor Mensch in der Ökonomie – Wie Psychologie und Wirtschaft miteinander zusammenhängen“

Mi, 8.2., 19.30 Uhr – dlr: „Freundschaft im Zeitalter ihrer technischen Optimierbarkeit – Gesellschaftliche Utopien der sozialen Medien.“

Von den Bilderberg-Konferenzen zur Wannseekonferenz

Hörspiel in der Nacht von Freitag auf Samstag, d. 27. / 28. Januar um 0.05 Uhr: Kein Wort zu Oosterbeek von Daniel Goetsch

Das Hörspiel beruht auf Recherchen zu den alljährlich stattfindenen Bilderberg-Konferenzen, auf denen seit 1954 auch die Welt-Elite ihr neoliberales Garn spinnt und weltweit Fäden und Strippen gezogen werden.  Und da ist es doch passend, dass das dlf-Magazin „Freispiel“ dem Mythos der Verschwörungstheorien auch gleich am Sonntag abend um 20.05 Uhr auf den Grund geht in der Sendung „Mythos Bielefeld“.

Auch wenn nur ein Protokoll aufgetaucht ist, so kann die Wannseekonferenz keiner Verschwörungstheorie zugeordnet werden und es ist bedauerlich, dass anlässlich des 70. Jahrestages kein Fernsehsender am 20. Januar auf die beiden Filmproduktionen zurückgriff, in denen die filmische Umsetzung des Wannseeprotokolls die nüchterne Brutalität der verwaltungstechnischen Durchsetzung des Massenmords vor Augen führt. Immerhin hat Phoenix am Sonntag zuvor um 14 Uhr die deutsche Filmproduktion „Die Wannseekonferenz“ von 1984 ausgestrahlt und Bayern III legte auch einige Tage später nach, allerdings stellt sich die Frage, warum ein so wichtiger Beitrag zur Erinnerungskutlur zu nachtschlafener Zeit ausgestrahlt wird. Auch beeindruckend ist die englische Adaption des Protokolls in dem Film „Conspiracy“ aus dem Jahr 2001 mit dem begnadeten Schauspieler Kenneth Branagh in der Rolle des Reinhard Heydrich. Diese Fassung wurde von arte 2010 ausgestrahlt – und zwar um 20.15 Uhr, also zu einer Sendezeit, die der Bedeutung dieses Themas gerecht wird.

Auch wenn der Umgang mit der deutschen Erinnerungskultur beim Leitmedium zu kritisieren ist, so hat – wieder einmal – eine öffentlich-rechtliche Sendeanstalt  positives geleistet:  Unter dem Titel „Von der Wannseekonferenz zum Remer-Prozess“ strahlt der Deutschlandfunk in der Sonntags-Reihe „Essay und Diskurs“ eine 4-teilige Reihe aus. Und so können wir zwar die Augen vor dem Zurückliegenden verschließen, aber nicht unsere gespitzten Ohren.