Corona-News Jan 2022: Besser als Schnelltests! Corona im Abwasser als verläßliches Frühwarnsytem & Corona-Forschung. Ausgebremst – Klinische Studien in Deutschland

Corona-News Jan 2022

Corona im Abwasser als verläßliches Frühwarnsytem!
Wasserwerke bzw. Politikerer in der Pflicht.
Forschung aktuell (Deutschlandfunk): Pandemie – Abwasser als Corona-Frühwarnsystem

Das Coronavirus wie neue Mutationen lassen sich auch im Abwasser der Wasserversorger nachweisen – und das schon einige Tage, bevor offizielle Testergebnisse vorliegen. Seit das bekannt ist, nutzen etliche Länder solche Untersuchungen als Frühwarnsystem. In Deutschland ist es noch nicht soweit.
Birne
Rudek fragt: Warum eigentlich nicht? Weil hier der Leitsatz gilt: Jeder soll sich eigenverantwortlich einreihen in lange Schlangen bei Eiseskälte von den Testzentren, um sich dann einem völlig unzuverlässigen Schnelltest auszuliefern. Gewiss ist die Konzentration von Coronaviren in der Luft der Testzentren (Viruslast) nicht gering und die Ansteckungsgefahr entsprechend hoch. Abgesehen davon wird mit dubiosen Schnelltests eine ganze Menge Geld geschäffelt. Übrigens, was die Zuverlässigkeit von Tests betrifft, wußten Sie, dass in Österreich jeder Bürger einmal in der Woche einen Anspruch auf einen kostenfreien zuverlässigen PCR-Test hat? Wäre es nicht besser, sinnvoller und auch kosteneffizienter, in Deutschland alle Wasserbetriebe anzuweisen bzw. zu verpflichten, die Abwässer auf Corona-Viren zu untersuchen und die Ergebnisse zu veröffentlichen? Zumal sich viele Personen aus oben dargelegten wie anderen Gründen NICHT testen lassen, was bedeutet, dass die Inzidenzwerte auf völlig unzuverlässigen Daten basieren! [Immerhin hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in seinem „Info-Brief“ vom 14.06.21 erwähnt: „Auch die Dunkelziffer, die Anzahl der Symptomlosen und nicht getesteten Personen, könnten erfasst werden“.] Siehe hierzu auch
Impfpflicht, Inzidenzen, Extremismus – Markus Lanz: ungefragtes und unterschwellige Botschaften.

Die hörenswerte Kurz-Reportage „Abwasser als Corona-Frühwarnsystem“  im Rahmen der Reihe „Forschung aktuell“ von Hellmuth Nordwig, ausgestrahlt am 20.07.2021 im Deutschlandfunk, können alle Interessierte nachhören unter https://www.deutschlandfunk.de/pandemie-abwasser-als-corona-fruehwarnsystem-100.html

Und zu den Schnelltests berichtete kürzlich (9.1.22) die Tagesschau unter dem Titel „Fragwürdige Schnelltests“, freilich ohne auf die bessere und aussagekräftigere Alternative hinzuweisen.

„Das Problem: Derzeit basieren die Testzulassungen vor allem auf Herstellerangaben. Erst im Mai soll sich das europäische Zulassungsverfahren ändern, fragwürdige Tests können aber wegen einer Übergangsfrist potenziell bis 2025 auf dem Markt bleiben – und sind es auch aktuell, wie Recherchen von Monitor und „Business Insider“ gezeigt haben.
Eine flächendeckende unabhängige Evaluierung aller verfügbaren Tests fordert Arne Weinberg von der Verbraucherzentrale NRW. Gerade auch bei Selbsttests müssten die Nutzerinnen und Nutzer Klarheit haben. Der Gesundheitsmarktexperte sieht, wie auch Virologe Keppler, ein großes Informations- und Transparenzdefizit im Bezug auf die Qualität der Schnelltests, die in Deutschland verkauft werden dürfen.“

Smiley DollarÜbrigens: Wußten Sie, dass für den Bund bereits bis zum August letzten Jahres (2021) Kosten von mehr als 3 Mrd. € für die Schnelltests angefallen sind (zdf heute)? Im Vergleich dazu nimmt sich die Summe von 720.000 €, die das Bundesministerium für Bildung und Foschung (BMFT) für das Projekt „SARS-CoV-2 Genom im Abwasser“ bewilligt hat,Warnschild bescheiden aus (s.„Info-Brief“ S.9). Ein trauriges Beispiel, wie auch fiskalpolitisch die falschen Prioritäten gesetzt werden. Statt das Potenzial unserer größtenteils öffentlichen Wasserwerke als diagnostisches Frühzentrum zu nutzen und dann bei entsprechenden Corona-Werten jedem Bürger wöchentlich einen PCR-Test zu ermöglichen (wie in Österreich), wird an den Schnelltests mit samt privatisierter Infrastruktur festgehalten. Da beantwortet sich die Frage „Cui Bono – Wem nutzt es?“ nahezu von selbst.

Auch hörenswert ist die dlf-Reportage Corona-Forschung. Ausgebremst – Klinische Studien in Deutschland“ von Volkart Wildermuth, ausgestrahlt am 05.12.2021:

„Aber wo ist der deutsche Beitrag in den Kliniken? Wenn es um Studien zu Medikamenten und Therapien geht, verblasst die Leistung Deutschlands. So zumindest das Fazit einer noch nicht begutachteten Forschungsarbeit aus der Schweiz: „Alles in allem war der deutsche Beitrag zu den weltweiten klinischen Covid-19-Studien relativ bescheiden. Es gab einzelne exzellente Beispiele für erfolgreiche Studien. Aber die meisten konnten ihre Ziele nicht erreichen und konnten die dringend benötigten Erkenntnisse nicht liefern.“
Für das Jahr 2020 fanden die Autoren 65 deutsche Studien zu Corona. Es ging um Remdesivir, Dexamethason, Hydroxychloroquin, Antikörper oder eine Blutwäsche zum Entfernen von Entzündungsstoffen. Aber nur 17 der 65 Studien haben tatsächlich Ergebnisse publiziert. Am Geld allein kann es nicht gelegen haben.“

Tatsächlich ist die Datenlage, die ja die Grundlage für politische Massnahmen ist, mehr als nur fragwürdig:

„Der Neurologe Ulrich Dirnagl: „Also, nach allem, was wir wissen, ist in Deutschland nur jeder hundertste Patient, der mit der Diagnose Covid in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, in eine klinische Studie eingeschlossen worden. Das ist eine sehr, sehr niedrige Rate.“
In Großbritannien war es jeder Sechste. Ulrich Dirnagl entwickelt an der Charité Strategien, um medizinische Forschungsergebnisse belastbarer zu machen. Die Corona-Pandemie hat seiner Ansicht nach wie ein Vergrößerungsglas bestehende Probleme sichtbar gemacht.“ Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/ausgebremst-deutschlands-klinische-studien-in-der-corona-pandemie-100.html

Smiley ÄrgerDa stellt sich dann doch die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl von „geeigneten“ Patienten erfolgt und vor allem wie repräsentativ diese hochgradig selektiven Forschungsergebnisse für politische Entscheidungen sein können.


Sehenswert: Virenkiller aus der Hausapotheke (Update)

Buch staunVom Ende der Pandemie kann keine Rede sein. Die von der EMA zugelassenen Impfstoffe erfüllen die an sie gerichteten Erwartungen leider noch nicht. Geimpfte können nach wie vor andere Menschen anstecken, besitzen also keine Immunität und wie die Impfdurchbrüche zeigen, landen auch mehrmals Geimpfte auf der Intensivstation – vor allem Personen, die zu den „vulnerablen“ Menschen gehören und eigentlich geschützt werden sollten – so dargestellt in der ARD-Monitor-Reportage „Corona: Wirklich eine Pandemie der Ungeimpften?“ vom Smiley Ausrufung8.11.21.. Offensichtlich scheint sich auch in den Leitmedien die Erkenntnis durchzusetzen, dass alle Menschen gut beraten sind, sich um zusätzliiche Schutzmassnahmen zu kümmern. Aus der Reihe „Treffpunkt Medizin“ wurde das Thema „Virenkiller aus der Hausapotheke“ umfassend und leicht verständlich vorgestellt.

„Umso wichtiger sind antivirale Maßnahmen und Strategien, die bis jetzt in der Pandemie-Bekämpfung zu wenig Beachtung gefunden haben und nichtsdestotrotz sehr effektiv sein können. Dazu gibt es eine ganze Reihe von bewährten und gut erforschten Mitteln, die in keiner Hausapotheke fehlen sollten. In der Dokumentation kommen Forscher und Patienten zu Wort, deren Virenerkrankung (auch mit SARS-CoV-2!) in spektakulären Heilversuchen mit neuen Substanzen zum Gurgeln, Spülen und Inhalieren erfolgreich bekämpft werden konnten.“

Es ist nicht nachvollziehbar, dass diese Sendung vom 8. Januar 2022 in der Mediathek nicht mehr verfügbar ist. Gücklicherweise gibt es Youtube! Äußerst sehenswert und hilfreich, auch wenn die vorgestellten Mittel und Möglichkeiten (wie beispielsweise die Desinfizierung der Raumluft mit UV-C-Liicht oder Luftfilteranlagen zur Verringerung der Viruslast) nur jenen Personen vorbehalten bleiben, die auch über die entsprechenden finanziellen Ressourcen verfügen (siehe hierzu auch unten den in roter Schrift gehaltenen Hinweis auf ein Grundsatzurteil des Bundessozialgerichts zu Lasten der medizinischen Versorgung armer Menschen).

Über den klassenspezifischen Charakter der Corona-Pandemie ist nicht nur sehr früh auf diesem Portal verwiesen worden, sondern kürzlich auch im Deutschlandfunk in seiner Reihe „AgendHörena“ unter dem Titel „Entscheidet der soziale Status? – Wen die Pandemie besonders trifft“ mit dem Medizinsoziologen Dr. Timo-Kolja Pförtner und dem Hauptgeschäftsführer Der Paritätische Gesamtverband Dr. Ulrich Schneider diskutiert worden:

„Sie infizieren sich häufiger und schwerer mit Covid-19 und auch ihr Sterberisiko ist höher: Menschen in sozial benachteiligten Regionen. Die gesundheitliche Ungleichheit, die es schon vor der Pandemie gab, hat sich verschärft, so Experten. Aufgrund schlechterer Arbeitsbedingungen und beengterer Wohnverhältnisse haben arme Menschen ein höheres Risiko an Corona zu erkranken. Hinzu kommt der zeitweise Wegfall von Unterstützungsangeboten wie Tafeln, Schulessen und Sozialkaufhäusern infolge der Pandemie. Die Armutsquote hat mit 16,1 Prozent einen neuen Höchststand erreicht. Wie sieht der Alltag der Betroffenen aus? Mit welchen Maßnahmen kann die Situation entschärft werden? Welche strukturellen Veränderungen sind nötig, um die soziale und gesundheitliche Ungleichheit zu verringern?“

Hier ist der Link zum Mitschnitt dieser Sendung von Deutschlandfunk: https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2022/01/12/entscheidet_der_soziale_status_wen_die_pandemie_besonders_dlf_20220112_1008_4aef13bd.mp3

Smiley ÄrgerWie kürzlich der Tageszeitung „junge welt“ zu enthehmen war, hat das Bundesozialgericht in einem Grundsatzurteil auch eine wichtige Detailregelung zu Lasten der Ärmsten geändert: Bisher waren Krankenkassen gezwungen, kurze Fristen einzuhalten, um Anträge beispielsweise auf medizinische Reha-Maßnahmen zu bearbeiten. Wurden diese Fristen nicht eingehalten, galt der Antrag als bewilligt. Im Mai 2020 hat das Bundessozialgericht diese wichtige Regel zur Befristung von Anträgen kassiert. Erkrankte, die über ausreichend finanzielle Rücklagen verfügen und nicht lange warten wollen, können in Vorleistung gehen und haben gut Chancen auf Rückerstattung der entstandenen Kosten. Für von Armut betroffene Menschen sieht das anders aus. Sie haben das Nachsehen und sind entsprechend gefährdet. Der Sozialverband hat jetzt Verfassungsbeschwerde eingelegt.

„Für Menschen mit geringem Einkommen, die auf Hilfe angewiesen sind, weil sie einen schlechten Gesundheitszustand haben, ist es besonders wichtig, benötigte medizinische Leistungen zeitnah zu erhalten. Seit dem Urteil müssen sie schlechtere Standards hinnehmen; wenn sie etwa nach einem Unfall eine Zeitlang nur mit Gehhilfe raus können, diese aber nicht zügig bekommen, weil die Entscheidung sich hinzieht. Diese Menschen können nicht einfach sagen »Ich kauf’ mir das selber“
Verena Bentele (Präsidentin des ­Sozialverbands VdK Deutschland e. V.)

s. junge welt: »Sie müssen nun schlechtere Standards hinnehmen« -Verfassungsbeschwerde gegen Grundsatzurteil. Ärmere Krankenversicherte benachteiligt. Ein Gespräch mit Verena Bentele von Gitta Düperthal

Smiley MaskeSiehe auch: Junge Welt: Teurer Gesundheitsschutz – Sozialverbände und Erwerbsloseninitiativen fordern kostenlose FFP2-Masken und mehr Unterstützung für Arme

 

 

Eine gute wie seriöse Datenlage in Deutschland zu Corona oder zur „evidenzbasierten“ Medizin sieht anders aus

Corona im Abwasser als verläßliches Frühwarnsytem!
Wasserwerke bzw. Politikerer in der Pflicht.
Forschung aktuell (Deutschlandfunk): Pandemie – Abwasser als Corona-Frühwarnsystem

Das Coronavirus wie neue Mutationen lassen sich auch im Abwasser der Wasserversorger nachweisen – und das schon einige Tage, bevor offizielle Testergebnisse vorliegen. Seit das bekannt ist, nutzen etliche Länder solche Untersuchungen als Frühwarnsystem. In Deutschland ist es noch nicht soweit.
Birne
Rudek fragt: Warum eigentlich nicht? Weil hier der Leitsatz gilt: Jeder soll sich eigenverantwortlich einreihen in lange Schlangen bei Eiseskälte von den Testzentren, um sich dann einem völlig unzuverlässigen Schnelltest auszuliefern. Gewiss ist die Konzentration von Coronaviren in der Luft der Testzentren (Viruslast) nicht gering und die Ansteckungsgefahr entsprechend hoch. Abgesehen davon wird mit dubiosen Schnelltests eine ganze Menge Geld geschäffelt. Übrigens, was die Zuverlässigkeit von Tests betrifft, wußten Sie, dass in Österreich jeder Bürger einmal in der Woche einen Anspruch auf einen kostenfreien zuverlässigen PCR-Test hat? Wäre es nicht besser, sinnvoller und auch kosteneffizienter, in Deutschland alle Wasserbetriebe anzuweisen bzw. zu verpflichten, die Abwässer auf Corona-Viren zu untersuchen und die Ergebnisse zu veröffentlichen? Zumal sich viele Personen aus oben dargelegten wie anderen Gründen NICHT testen lassen, was bedeutet, dass die Inzidenzwerte auf völlig unzuverlässigen Daten basieren! [Immerhin hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in seinem „Info-Brief“ vom 14.06.21 erwähnt: „Auch die Dunkelziffer, die Anzahl der Symptomlosen und nicht getesteten Personen, könnten erfasst werden“.]

Die hörenswerte Kurz-Reportage „Abwasser als Corona-Frühwarnsystem“  im Rahmen der Reihe „Forschung aktuell“ von Hellmuth Nordwig, ausgestrahlt am 20.07.2021 im Deutschlandfunk, können alle Interessierte nachhören unter https://www.deutschlandfunk.de/pandemie-abwasser-als-corona-fruehwarnsystem-100.html

Und zu den Schnelltests berichtete kürzlich (9.1.22) die Tagesschau unter dem Titel „Fragwürdige Schnelltests“, freilich ohne auf die bessere und aussagekräftigere Alternative hinzuweisen.

„Das Problem: Derzeit basieren die Testzulassungen vor allem auf Herstellerangaben. Erst im Mai soll sich das europäische Zulassungsverfahren ändern, fragwürdige Tests können aber wegen einer Übergangsfrist potenziell bis 2025 auf dem Markt bleiben – und sind es auch aktuell, wie Recherchen von Monitor und „Business Insider“ gezeigt haben.
Eine flächendeckende unabhängige Evaluierung aller verfügbaren Tests fordert Arne Weinberg von der Verbraucherzentrale NRW. Gerade auch bei Selbsttests müssten die Nutzerinnen und Nutzer Klarheit haben. Der Gesundheitsmarktexperte sieht, wie auch Virologe Keppler, ein großes Informations- und Transparenzdefizit im Bezug auf die Qualität der Schnelltests, die in Deutschland verkauft werden dürfen.“

Smiley DollarÜbrigens: Wußten Sie, dass für den Bund bereits bis zum August letzten Jahres (2021) Kosten von mehr als 3 Mrd. € für die Schnelltests angefallen sind (zdf heute)? Im Vergleich dazu nimmt sich die Summe von 720.000 €, die das Bundesministerium für Bildung und Foschung (BMFT) für das Projekt „SARS-CoV-2 Genom im Abwasser“ bewilligt hat,Warnschild bescheiden aus (s.„Info-Brief“ S.9). Ein trauriges Beispiel, wie auch fiskalpolitisch die falschen Prioritäten gesetzt werden. Statt das Potenzial unserer größtenteils öffentlichen Wasserwerke als diagnostisches Frühwarnzentrum zu nutzen und dann bei entsprechenden Corona-Werten jedem Bürger wöchentlich einen PCR-Test zu ermöglichen (wie in Österreich), wird an den Schnelltests mit samt privatisierter Infrastruktur festgehalten. Da beantwortet sich die Frage „Cui Bono – Wem nutzt es?“ nahezu von selbst.

 

Auch hörenswert ist die dlf-Reportage Corona-Forschung. Ausgebremst – Klinische Studien in Deutschland“ von Volkart Wildermuth, ausgestrahlt am 05.12.2021:

„Aber wo ist der deutsche Beitrag in den Kliniken? Wenn es um Studien zu Medikamenten und Therapien geht, verblasst die Leistung Deutschlands. So zumindest das Fazit einer noch nicht begutachteten Forschungsarbeit aus der Schweiz: „Alles in allem war der deutsche Beitrag zu den weltweiten klinischen Covid-19-Studien relativ bescheiden. Es gab einzelne exzellente Beispiele für erfolgreiche Studien. Aber die meisten konnten ihre Ziele nicht erreichen und konnten die dringend benötigten Erkenntnisse nicht liefern.“
Für das Jahr 2020 fanden die Autoren 65 deutsche Studien zu Corona. Es ging um Remdesivir, Dexamethason, Hydroxychloroquin, Antikörper oder eine Blutwäsche zum Entfernen von Entzündungsstoffen. Aber nur 17 der 65 Studien haben tatsächlich Ergebnisse publiziert. Am Geld allein kann es nicht gelegen haben.“

Tatsächlich ist die Datenlage, die ja die Grundlage für politische Massnahmen ist, mehr als nur fragwürdig:

„Der Neurologe Ulrich Dirnagl: „Also, nach allem, was wir wissen, ist in Deutschland nur jeder hundertste Patient, der mit der Diagnose Covid in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, in eine klinische Studie eingeschlossen worden. Das ist eine sehr, sehr niedrige Rate.“
In Großbritannien war es jeder Sechste. Ulrich Dirnagl entwickelt an der Charité Strategien, um medizinische Forschungsergebnisse belastbarer zu machen. Die Corona-Pandemie hat seiner Ansicht nach wie ein Vergrößerungsglas bestehende Probleme sichtbar gemacht.“ Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/ausgebremst-deutschlands-klinische-studien-in-der-corona-pandemie-100.html

Smiley ÄrgerDa stellt sich dann doch die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl von „geeigneten“ Patienten erfolgt und vor allem wie repräsentativ diese hochgradig selektiven Forschungsergebnisse für politische Entscheidungen sein können.

Neujahrsgruß 2020: Das Peter-Prinzip

2020: Hauptsache Happy New Year für die High-Potenzials
Das Peter-Prinzip oder die Beharrungskraft der elitären Arroganz und Ignoranz
Ein Ausblick auf Kommendes
(3. Update)

Kurz vor dem heiligen Fest fiel eine wichtige Anmerkung des Wirtschaftswissenschaftler und Nobelpreisträger Paul Krugman der vorweihnachtlichen Hektik zum Opfer. Krugman bemerkte, dass die deutsche Infrastruktur noch mehr herunter gewirtschaftet sei als in seinem Heimatland, der USA. Schuld hieran sei die sogenannte „Austeritätspolitik“: Statt an der Sparpolitik der Schwarzen Null festzuhalten, empfahl Krugman, sich von der sogenannten Konsolidierung öffentlicher Haushalte zu verabschieden und die Versäumnisse durch Schulden wieder wett zu machen und eine Reichensteuer einzuführen.

Ob diese Botschaft die Gehörgänge der verantwortlichen Führungskräfte erreichen wird, ist zu bezweifeln. In Deutschland wird die Sparpolitik vor allem durch zwei Politiker personifiziert: Zum einen durch Wolfgang Schäuble (CDU) und zum anderen durch den jetzigen Finanzminister Olaf Scholz (SPD). Zementiert wird die rigorose Sparpolitik vor allem durch die flankierende Berichterstattung der Leitmedien: Wer nur den kleinsten Verdacht erregt, von diesem Kurs abzuweichen, der wird niedergemacht und massenmedial vorgeführt. Die Schauprozesse gegen die neue SPD-Spitze, Norbert Walter-Borjans und Saskia Esken, auf den deutschen Talkbühnen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens unmittelbar nach deren Wahl, schüren nicht nur erhebliche Zweifel an der Einstellungshaltung der Talk-Moderatoren gegenüber der demokratischen Willensbildung, sondern belegen generell, dass Hass, Verachtung und Respektlosigkeit keine Eigenschafen sind, die nur im Netz und in rechtspopulistischen Foren zu finden sind. Im Gegenteil, diese Einstellungshaltung gegenüber Vertretern einer linken Einstellungshaltung scheint ein Erfolgskriterium weniger für hohe Einfaltquoten sondern für die Gesinnungshaltung von Moderatoren und Chefredakteuren, die es zu was bringen wollen und sich zu noch Smiley kotzhöherem berufen fühlen: Hajo Schuhmacher oder Jörg Thadeusz als zukünftige Pressesprecher der AfD? Oder Anne Will, Sandra Maischberger und Maybritt Illner als das feminine Beratertrio von Bertelsmann?

Derartige Karrieren sind keineswegs hirnlose Konstrukte, sondern durchaus realistisch, wie nicht nur der Fall von Matthias Kollbeck belegt: Angefangen beim RIAS bzw. SFB (jetzt rbb), dann Pressesprecher unter dem Berliner Finanzsenator Thilo Sarrazin und danach Pressesprecher bei den damaligen Anteilseignern der – bis zum ersten erfolgreichen Volksentscheid – teilprivatisierten Berliner Wasserbetriebe, RWE und Veolia. Andere Journalisten wie der Aufstieg von Jan Thomsen (vom „Journalisten“ zum Pressesprecher des Berliner Umweltsenats) oder von all denjenigen, die sich aktiv an der Vorverurteilung und dem Fall von Christian Wulff beteiligt hatten, beweisen eindeutig, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, wie im Zusammenhang mit dem Fall des Spiegel-Journalisten Class Relotius immer und immer wieder suggeriert wurde. Das Gegenteil trifft zu: Die anfängliche Verweigerung der Spiegel-Chefredaktion gegenüber den Recherchen von Juan Moreno über den Kollegen Class Relotius belegt die Krise und Parteilichkeit des Mediensystems, wobei in den Printmedien die Konzentration auf wenige Eigentümer ohnehin die Pressefreiheit auch strukturell konterkariert (kurz und knapp dargestellt von Volker Pispers). Es ist Buch staunauch kein Trost, dass im Fall des mehr Geschichtenerzähler als Journalisten Tom Kummer und seinen erfundenen Reportagen über Prominente auch die verantWORTlichen Chefredakteure des SZ-Magazins, Ulf Poschardt und Christian Kämmerling, ihren Stuhl räumen mussten. Denn das Komplettversagen von Ulf Porschardt als Chefredakteur schadete seiner Karriere nicht, sondern wurde mit einem Posten als Chefredakteur der Welt-Gruppe auch noch belohnt! Von diesem Karrieresprung abgesehen, wird diesem selbstgefälligen Alpha-Männchen auch mit zahlreichen Einladungen auf öffentliche Talkbühnen die Möglichkeit eingeräumt, seine altbackenen Plattitüden stets aufs neue abzusondern.

AusrufungszeiichenSchlimmer jedoch als diese Beteiligung an der Produktion von Fake News und erstunkenen wie erlogenen Lügen-Märchen ist das Schweigekartell: Während nicht nur im letzten Jahr endlos wie belanglos das BREXIT-Thema ergebnislos und inhaltsleer wiedergekäut wurde, fiel die Solidarität in den Chefredaktionen für ihren in England inhaftierten Kollegen Julian Assange bezeichnenderweise gering aus – und das, obwohl der UNO-Sonderbotschafter für Folter, Nils Melzer, sich zu diesem Fall eindeutig positioniert hat! Gerade das bewusste Unterlassen einer massenmedialen Mobilmachung für die unverzügliche Freilassung von Julian Assange, dem wie keinem anderen mit der Internetplattform WikiLeaks die öffentlich hochwirksame wie effiziente Demaskierung der Mächtigen gelungen ist, steht quasi symbolisch für die Kritik an der systemkonformen „Freiheitspresse“. Das Totschweigen kommt einem Todesurteil gleich, wie auch der Kurzkommentar von Milosz Matuschek „Julian Assanges Hinrichtung auf Raten“ verdeutlicht! Der Titel der Tageszeitung junge welt brachte es auch den bekannten Punkt: Unter dem Titel „Besser spät als nie“ stellt Ina Sembdner eine Petition für die Freilassung von Assange vor, die von Günter Wallraf leider erst Ende Januar zum Thema erhob:

…Der öffentliche Aufruhr ist wichtig, kommt aber reichlich spät. Im Sommer vergangenen Jahres hatten internationale Medien dem UN-Sonderberichterstatter über Folter, Nils Melzer, die Veröffentlichung eines Appells zum Fall Assange verweigert. Der offene Brief, »Entlarvung der Folter an Julian Assange«, wurde schließlich am 26. Juni 2019 über die Onlineplattform »medium.com« veröffentlicht und von deutschen »Leitmedien« nur kursorisch zitiert… Für jene, die nicht täglich mit dem Thema befasst sind, konnte zuletzt der Eindruck entstehen, dass das jüngste Interview Melzers vom 31. Januar in der Schweizer Zeitung Republik überraschend neue Erkenntnisse geliefert habe. Der UN-Offizielle wiederholt seine Anschuldigungen jedoch bereits beharrlich seit dem vergangenen Sommer – nur zuhören wollte ihm bisher kaum jemand…“

Bezeichnend ist vor allem die mangelhafte Progressivität, mit der diese Petition eben nicht beworben wird: Wenn beispielsweise in den Printmedien oder den Radiosendungen des Deutschlandfunks beiläufig über Julian Assange berichtet wird, dann fehlt in den meisten Artikeln bezeichnenderweise der Link zur Petition für die Freilassung von Julian Assange: https://assange-helfen.de/

Es verdichten sich die Indizien, dass Journalisten, die was werden wollen, schnell die Zeichen der Zeit erkennen und früh auf den rechtspopulistischen Zug springen. Und natürlich begnügen sie sich in der Regel nicht damit, als Fahrkartenkontrolleure die Reisenden zu beobachten und die Gründe für deren Reiseziel zu erkunden. Nein, die meisten wollen nach vorne, ganz nach vorne, an die Spitze, in den Führungswagon, in dem sie am liebsten den Kessel anheizen würden, damit die Lok an Fahrt gewinnt und schneller das Ziel erreicht – ganz gleich, ob das Schienennetz für das Tempo ausgelegt ist, ganz gleich wer auf der Strecke bleibt. Unparteilichkeit scheint kein Standpunkt mehr zu sein, der als unabdingbare Haltung für die Ausübung dieses Berufs vorausgesetzt werden kann. Das Gegenteil scheint der Fall zu sein: Unparteilichkeit hat ausgedient. Die eindeutige Positionierung innerhalb des rechtskonsverativen und rechtspopulistischen Spektrums erscheint als die unabdingbare Voraussetzung zur Sicherung der beruflichen Karriere. Im Fall von Julian Assange scheint die transatlantische Bündnistreue in den europäischen Chefetagen der Meinungsindustrie exakt das Ergebnis zu bestätigen, dass der Medienwissenschaftler Uwe Krüger bereits 2011 in seiner Dissertation Leitmedien und ihre Nähe zu Politik- und Wirtschaftseliten“ empirisch ermittelt hat:

„Zu der Frage, welche Art der Beeinflussung der Journalisten durch die Eliten vorliege, vermutet Krüger, dass „Journalisten mit Eliten-kompatiblen Werten und Meinungen höhere Chancen (haben), Zugang zu den höchsten Kreisen zu bekommen, und die Einbindung in das Elitenmilieu verstärkt dann über die Zeit hinweg die Konformität. Das heißt auch: Journalisten mit Eliten-kompatiblen Meinungen haben bessere Chancen, Karriere zu machen, denn sie können im eigenen Haus und in der Branche mit exklusiven Informationen und hochrangigen Interviewpartnern punkten.“

Wer beispielsweise die Berichterstattung über den Führungswechsel in der SPD-Spitze in ihrer einseitigen Parteilichkeit zugunsten des Finanzministers Olaf Scholz und seinem unbeirrten Festhalten an einer Fiskalpolitik der Schwarzen Null verfolgt hat, der wird erkennen, dass Krugmans Ruf bei der obersten Führungsetage der GroKo unerhört bleiben wird. Statt den Empfehlungen zu folgen, beweist die redundant-infantile, fast hypnotische, angeblich alternativlose Einführung einer CO²-Steuer (was haben eigentlich die umstrittenen CO²-Zertifikate gebracht?), wie und vor allem zu wessen Lasten der Klima“wandel“ geregelt werden soll. Gewiss: Es wird in diesem Zusammenhang häufig der Frame „sozialverträglich“ postuliert. Aber wer die menschenverachtenden Rechentricks bei der Berechnung der Einkommens- und Verbrauchsstichprobe (EVS) als die entscheidende Grundlage für die manipulative Berechnung der Hartz IV Regelsätze kennt, der muss befürchten, dass auch bei der sozialverträglichen Einführung der CO²-Steuer sozialdarwinistisch zu Lasten der Ärmsten gerechnet werden wird. Medienpolitisch tabuisiert (Schweigekartell) wird in diesem Kontext auch die Nicht-Diskussion um eine Luxus-Steuer: Wer es wagt, mit einer Steuer auf Luxuswohnungen, den Fuhrpark oder die Luxusyachten den Lifestyle der High-Potenzials zu hinterfragen, der wird hier zu Lande unter den Generalverdacht gestellt, doch nur eine sogenannte „Neid-Debatte“ los treten zu wollen.1 Dabei wären Verteilungsspielräume in Anbetracht von wachsenden Einkommensunterschieden in Deutschland nicht nur vorhanden, sondern deren offensive Nutzung Hörenauch für große Teile der Bevölkerung von Vorteil, wie ein Multi-Millionär in der dlf-Sendung „Campus & Karriere“ am 12. Oktober 2019 (O-Ton 5:00 Min.) beeindruckend simpel darstellte. Doch zu diesen radikalem Modell einer Umverteilung von oben nach unten wird es nicht kommen, weil nicht nur in Deutschland das „Peter-Prinzip“ gilt: Ob Politik, Wirtschaft, Medien – Kompetenz ist kein verlässlicher Indikator, um in Führungsposition zu gelangen. Nur eine Behauptung? Dann gleichen Sie Ihre eigenen, persönlichen Erfahrungen ab mit dem herausragendem Hörspiel nach dem Sachbuch „Das Peter-Prinzip oder die Hierarchie der Unfähigen“ von Laurence J. Peter und Raymond Hull. Wer in diesem Hörspiel etwas über Konformisten und Autokraten, die Folgen einer Stabsversetzung oder die geräuschlose Sublimierung und den modernen paternalistischen Zugang zu Führungspositionen in Erfahrung bringen möchte, der beginnt zu verstehen, warum die Unfähigkeit regiert. Natürlich geht es bei den entscheidungsbeteiligten Führungskräften weniger um ihre Befähigung als um eine hochgradig professionelle Verweigerungs- und Blockadehaltung gegenüber den zentralen Herausforderungen des Klimanotstands und des erodierten Sozialstaates. Wer von Unfähigkeit ausgeht, die gewiss auch nicht selten vorkommt, der unterschätzt die Gefahr, die von einer mit Vorsatz und von langer Hand vorbereiteten Politik des Sozialabbaus ausgeht.

Vor diesem Hintergrund ist auch fraglich, ob die konsequente Umsetzung von Krugmans Empfehlungen tatsächlich positive Auswirkungen hätten, denn: Entscheidungsträger wie Olaf Scholz wären gewiss nicht motiviert, eine Politik, die der eigenen Überzeugung widerspricht, effizient umzusetzen. Das Gegenteil wäre zu erwarten. Nicht nur er würde diesen Vorschlag torpedieren und das Versagen dann dem größeren Koalitionspartner anlasten, sondern auch zahlreiche andere Apparatschiks würden unter Einbindung externer „Expertise“ dazu beitragen, das Ziel zu verwässern. Beispielhaft sei hier auf das Talk-Format „Unter den Linden“ vom 13. Januar 2020 verwiesen. Friedrich Merz (CDU) und Prof. Marcel Fratzscher von Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung diskutierten über die Finanzierung der zukünftigen Herausforderungen, wobei Bierdeckel-Experte Merz in alt-bekannter Weise auf die Notwendigkeit des Bürokratieabbaus verwies, während Fraztscher betonte, dass gerade der in den letzten Jahrzehnten betriebene Personalabbau in der Bürokratie („Verschlankung“) dazu führe, dass Genehmigungsverfahren nicht schnell und zügig bearbeitet werden können.

Den Unwilligen und Blockierern zur Seite steht ein Heer von Beratern und Schönsprech-Experten, die dann vielversprechende, vollmundige Begriffe ins Feld führen, die dann ins Gegenteil verkehrt werden. So halten dann im Praxistest diese Slogans und Frames nicht das, was sie ursprünglich versprachen: Ob „Mietpreisbremse“ oder „Mietendeckel“ oder die Pervertierung der „Finanzmarkttransaktionssteuer“ durch Olaf Scholz oder das Berliner Modell eines „solidarischen Grundeinkommens“: Gute Ideen werden zu inhaltsleeren Worthülsen degradiert! Dabei wäre es so einfach gewesen, beispielsweise hätte bei der Mietpreisbremse ein gesetzlich verbindliches Verfahren Smiley staunverabschiedet werden können, dass den Vermieter verpflichtet, automatisch in jedem Mietvertrag die Höhe der Miete des Vormieters in ein standardisiertes Formularfeld einzutragen. Statt dessen wird es dem neuen Mieter aufgebürdet, bittstellerisch beim Vermieter die Miethöhe des Vormieters zu erfragen. Wenn DAS der viel zitierte „Kompromiss“ ist, dann steht dieser stellvertretend für all die vielen faulen Kompromisse, mit denen nicht nur die SPD ihren Vertrauensvorschuss bei den Wählern unwiderruflich verspielt. Das wachsende Lager der Enttäuschten wendet sich dann entweder ab in das Lager der Nichtwähler oder wendet sich den rechtsradikalen Parteien und Organisationen zu.

Wer glaubt, dass der Ernst der Lage den Verantwortlichen nicht bewusst ist, der irrt. Zum einen wird die Produktion von politikverdrossenen, besser: angewiderten Nichtwählern, mit Vorsatz produziert, denn wie die Studie von Prof. Armin Schäfer zu Responsivitätsforschung unmissverständlich aufzeigt, haben die Ausgeschlossenen keine Chance auf Berücksichtigung ihrer Interessen im politischen Entscheidungsprozess2. Auch die Personalpolitik beweist, dass diejenigen, die durch ihre Politik des Sozialabbaus zum Niedergang der Partei entscheidend beigetragen haben, nicht abgestraft werden und im politischen Niemandsland verschwinden, sondern durch eine Förderung der Karriere sogar noch von einer behaupteten „Erneuerung“ ihren narzistisch-egomanen Profit schlagen – wie der Aufstieg von Heiko Maas zum Außenminister oder die Karriere von Katarina Barley (SPD) von der Ministerin für Justiz und Verbraucherschutz zur Vizepräsidentin des Europäischen Parlaments beweisen3.

Das „Peter-Prinzip“ weniger der Unfähigen sondern der Unwilligen lässt freilich nicht nur auf nationaler Ebene „grüßen“, sondern wird auch von Experten auf der internationaler Ebene gepflegt und gehegt! Das Resultat ist dann oft ein Verwirrspiel, beispielhaft dargestellt an völlig unterschiedliche Zahlen über die Handelsbilanz Chinas:

Anteil des chinesischen Exports am Bruttoinlandsprodukt im Jahr 2000 …laut Weltbank, in Prozent 9,19
laut Internationalem Währungsfonds, in Prozent 20,58
laut National Bureau of Economic Research, in Prozent 33,32


Wenn dann der verstorbene schwedische Statistiker und Gesundheitsexperte Hans Rosling für sich in Anspruch nahm, die Wahrheit über die Welt unter Rückgriff auf solch „genehmen“ Datensätze 30_bomb_80x80erkennen und im Buch
„Factfulness“ präsentieren zu wollen, dann ging es weniger darum – wie von ihm behauptet – „Daten als Therapie“, „als Quelle inneren Friedens“ zu präsentieren, und auch nicht darum „zu lernen, die Welt so zu sehen, wie sie wirklich ist“ (Untertitel), sondern den Globalisierungsskeptikern Happy Pills zu verabreichen und durch Grafiken die Zukunft schön zu malen. In Zeiten allgemeiner Verunsicherung stellen derartig publizistische Versuche, die Welt mit Hilfe statistischer Rechentricks unter Einsatz grafischer Verfahren schön zu malen, eine nicht zu unterschätzende Gefahr dar, etablierte Strukturen der Entscheidungsfindung in ihrem Status Quo zu belassen und Wünsche nach mehr Transparenz und Beteiligung im Keim zu ersticken. Dass ausgerechnet Matthias Horx, mehr Optimismusverkünder als Zukunftsforscher, sich bei Markus Lanz als Urheber des Buchtitels „Factfulness“ und Unterstützer seines Freundes Hans Rosling zu erkennen gab, unterstreicht die Vorbehalte, die gegenüber derartigen publizistischen Schönfärberein zu sichern sind4!

Dem Versuch von Rosling, „Daten als Therapie“ einzusetzen und hierbei auf internationale Datenbanken der Weltbank, der WHO und anderen Gremien zurückzugreifen und diese grafisch zu visualisieren, mag selbst als allgemeine Referenz nicht überzeugen, denn wie der Sozialpsychologe Smiley Buch +aniHarald Welzer bereits in seinem lesenwerten Buch „Klimakriege“ am Beispiel der Auseinandersetzung um die Klimastudie des IPCC (Weltklimarat) betonte, agieren auch diese internationalen Organisationen mit ihren Gremien und Arbeitsgruppen keineswegs im interessenpolitischem Niemandsland5.

Und der Journalist Thomas Kruchem betont nicht nur den Einfluss von Konzernen auf die WHO und auf NGO’s wie die Welthungerhilfe, OXFAM und andere, sondern stellt deren strukturelle Abhängigkeit von deren Geldmitteln heraus. Die WHO beispielsweise bestreitet nur 20 Prozent ihrer Aufgaben aus Mitgliedsbeiträgen der Länder und ist auf zweckgebundene Großspenden angewiesen:

Und ein Blick auf die Liste der Geber zeigt: Der Pharma-Konzern Glaxo-Smith-Kline zum Beispiel hat der WHO 2015 freiwillig mehr Geld gegeben als das WHO-Mitglied Deutschland. Und der größte Geber, neben der US-Regierung, ist die Bill und Melinda Gates-Stiftung mit ihrem Vermögen von weit über 40 Milliarden Euro.“6

In der Regel holt die Realität dann die Wohlfühl-Propagandisten ein und zwingt dann zu mehr Realismus. So wundert es nicht, dass der Weltklimarat seine Prognosen korrigieren muss. In der Berichterstattung spiegeln sich zumindest im herrschenden Sprachgebrauch diese Korrekturen nicht wieder: So wird beispielsweise in den Ausrufungszeiichendeutschsprachigen Leitmedien immer noch der „sanft und passiv“ klingende Begriff des Klima“wandels“ bevorzugt, statt sich zum Sprachbild bzw. Frame der Klimakrise oder des Klimanotstands durchzuringen7/ 8. Die elementare Bedeutung von Sprachbildern für unsere alltägliche Wahrnehmungs- und Verhaltenspräferenzen hat die Sprachwissenschaftlerin Elisabeth Wehling in ihrem Buch „Politisches Framing“ überzeugend und beeindruckend aufgezeigt.

Eine nüchterne Skepsis ist auch für die 20er Jahre dieses Jahrhunderts stärker als zuvor erforderlich. Rechtspopulistische und rechtsextremistische Positionierungen durchdringen immer stärker die Korridore der Meinungsindustrie. Im Rahmen des Agenda-Settings werden durch die thematische Priorisierung Schwerpunkte auf internationale Themen wie das zum Scheitern verurteilte Amtsenthebungsverfahren von Donald Trump gesetzt, statt eine öffentliche Diskussion um Themen zu führen, die den Menschen am Herzen liegen und für ihren Alltag eine hohe Bedeutung haben. Und wenn dann diese Themen dann diskutiert werden, dann werden Problemlösungen ins Feld geführt, die vor allem die Interessen der High Potenzials nicht einmal im Ansatz berühren, geschweige denn in Frage zu stellen wagen.

1Liegegebühr für eine 55-Meter-Jacht pro Tag im Jahr 2019, in Euro

  • im Hafen der spanischen Stadt Marbella: 4289

  • im Hafen der französischen Stadt Saint-Tropez: 2211

  • im Jachthafen des Ostseebads Boltenhagen: 138

https://www.brandeins.de/magazine/brand-eins-wirtschaftsmagazin/2019/komplexitaet/die-welt-in-zahlen

2 Diese mit Vorsatz herbeigeführte Politikverdrossenheit, die dann zum Ausschluss von fast einem Drittel der Wahlberechtigten führt, könnte mit der Einführung einer Wahlpflicht begegnet werden. Auf einer Veranstaltung der Friedrich-Ebert-Stiftung mit dem Titel „Der Nichtwähler – das unbekannte Wesen“ führten zwei Professoren aus Oldenburg überzeugend dar, dass in Ländern mit Wahlpflicht die Einkommenskluft geringer ausfällt. Der Erklärungsansatz war äußerst simpel und einfach: In Ländern mit Wahlpflicht sind alle Parteien gezwungen, sich um die Interessen aller Wähler zu kümmern, während in Ländern ohne Wahlpflicht die Interessen der Nichtwähler gefahrlos ignoriert werden können. Auf der anschließenden Podiumsdiskussion konnte ich Frau Barley, die damals als Generalsekretärin fungierte, mit der Forderung nach der Einführung der Wahlpflicht konfrontieren. Ihre zynische Antwort lautete, ich könne ja versuchen, in Berlin ein Volksentscheid zur Einführung der Wahlpflicht initiieren – wohlwissend, dass ein Volksentscheid mit einer Verpflichtung wenig Aussicht auf Erfolg hat. Es war mit vergönnt mit einem Gegenvorschlag zu kontern: Erfolgversprechender wäre gewiss, auf dem Weg der direkten Demokratie die Stimmen der Bürger und Wähler für ein Koppelungsmodell zu gewinnen: Fällt die Wahlbeteilgung hoch aus, gibt es die vollständigen Diäten. Fällt die Wahlbeteiligung gering aus, werden die Diäten entsprechend und einschneidend gekürzt.

3 nachdem Barley sich mit der angeblichen „Verschärfung“ der Mietpreisbremse geschmückt hat.

5 Harald Welzer verwies im Zusammenhang mit der Diskussion um die Klimastudie darauf, dass die Berichte des Intergovernemental Panel on Climate Change (IPCC) vor ihrer Veröffentlichung „einen pluralistischen politischen Debattenfilter durchlaufen haben, an dessen Ende nichts Übertriebenes mehr herauskommen kann. In solchen Aus­handlungsprozessen geht es, wie man weiß, nicht um wissenschaftliche Wahrheit, sondern um Interessen – also etwa darum, welche Verpflichtungen welcher Befund für welches Land nach sich ziehen könnte. Was am Ende eines politischen Einigungsprozesses dieser Art herauskommt, der einige der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler an den Rand der Selbstverleugnung gebracht hat, ist die denkbar konservativste Einschätzung überhaupt. Da es den politischen Akteuren um die präventive Abwehr von Pflichten und die Vermeidung von Handlungszwängen geht, die aus den Analysen resultieren könnten, ist das Ergebnis am Limit des Unbezweifelbaren orientiert, insofern äußerst unspekulativ“ (Welzer, Klimakriege, S. 53).

6 So Thomas Kruchem in dem SWR-Eassy „Hilfsorganisationen am Tropf der Konzerne?“ ausgestrahlt am 5. September 2016. Das Manuskript finden Interessierte unter https://www.swr.de/-/id=17857046/property=download/nid=660374/u16jpa/swr2-wissen-20160905.pdf

7 „Wir wollen sicherstellen, dass wir wissenschaftlich präzise sind und zugleich klar mit unserer Leserschaft über dieses sehr wichtige Thema kommunizieren“, zitiert das Blatt [das britische Nachrichtenmagazin „The Observer“] seine Chefredakteurin, Katharine Viner. „Der Ausdruck ‚Klimawandel‘ zum Beispiel klingt ziemlich passiv und sanft, während das, worüber die Wissenschaft spricht, eine Katastrophe für die Menschheit ist.“ Statt von „Klimawandel“ wolle der Verlag,Smiley staun zu dem auch die Sonntagszeitung The Observer gehört, künftig von „Klima-Notstand“ sprechen, von „Klimakrise“ oder „Klima-Zusammenbruch“. Aus: „Erderhitzung“ statt „Erderwärmung“, „Wissenschaftsleugner“ statt „Klimaskeptiker“.

8 / Die Deutsche Presse-Agentur (dpa) hat 179 Gesellschafter, ausschließlich Medienunternehmen wie Verlage und Rundfunkanstalten. Sie beziehen von der Agentur Texte zum Abdruck oder zur redaktionellen Verwendung – die dpa liefert Ausrufungszeiichendaher Orientierung für den gesamten deutschen Journalismus. … In einem internen Regelwerk namens „Sprach-Kompass“ legt die Agentur fest, welche Begriffe ihre Journalistinnen und Journalisten für welches Phänomen benutzen sollen – und welche nicht. ‚Überfremdung‘ zum Beispiel, ein propagandistischer Kampfbegriff von Rechtspopulisten und -extremisten, ist in dpa-Texten tabu. „Wir diskutieren derzeit intern Begrifflichkeiten der Klima-Berichterstattung“, so eine dpa-Sprecherin , ein Ergebnis gebe es noch nicht. „Nur so viel schon jetzt: Den Begriff ‚Erderhitzung‘ benutzen wir bereits hin und wieder. .“ aus: ‚Klimawandel‘ oder ‚Klimakrise‘ – was sind angemessene Begriffe bei der Klima-Berichterstattung?

 

Mietenvolksbegehren und nicht gezogene Lehren aus dem Wasser-Volksentscheid

Und noch ein weiteres Indiz, das es beim Mieten-Volksbegehren nur um eines geht: Aufmerksamkeit zu erregen: In dem oben zitierten Beschluss des Volksbegehrens „wird der Senat aufgefordert zur Erarbeitung eines Gesetzes“. Nach dem Gesetz über Volksinitiative, Volksbegehren und Volksentscheid (AbstG) ist das Berliner Abgeordnetenhaus aufgefordert, zu entscheiden, ob es das Anliegen des Volksbegehrens inhaltlich im wesentlichen übernimmt. Daher stellt sich auch die verfahrenstechnisch relevante Frage, warum die Initiatoren nicht gleich das Abgeordnetenhaus – auch als den „obersten Souverän“ der repräsentativen Demokratie – aufgefordert haben, ein Gesetz zu erarbeiten? Die Antwort ist einfach: Der Senat kann seine geheime Hinterzimmerpolitik fortsetzen und dabei vor allem für eines „sorgen“: Dass die private Wohnungswirtschaft auch weiterhin ihren Schnitt macht. Denn eines haben wir aus der Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe gelernt:

Auch ein rot-roter Senat hat nichts unternommen, um sich für eine kostengünstige Rekommunalisierung der Wasserbetriebe einzusetzen. Im Gegenteil: Der Forderung nach dem ersten erfolgreichen Volksentscheid in Berlin, die offengelegten Teilprivatisierungsverträge dem Berliner Verfassungsgericht zur Prüfung vorzulegen, haben sich Senat und das Abgeordnetenhaus vehement widersetzt. Und so wundert es nicht, dass die Wasserbetriebe nicht kostengünstig sondern „investorenfreundlich“ rekommunalisiert worden sind. Da ist es schon ein schlechter Witz, wenn der Fraktionsvorsitzende der LINKEn auf einer Veranstaltung tönt, er mache sich um die Finanzierung keine Sorgen und in diesem Kontext auch noch auf die Wasserbetriebe verweist (O-Ton Udo Wolf 2:44 Min)!

Warum sollte der Senat nicht ähnliche Rahmenbedingungen auch beim Mietendeckel vereinbart haben? Übrigens hat der Geschäftsführer der Deutschen Wohnen auf einer Veranstaltung der Berliner Morgenpost durchblicken lassen, dass auch auf Bundesebene ähnliche Vereinbarungen geschlossen worden sind, die einen Enteignungsversuch zum Scheitern verurteilen (O-Ton Zahn 2:04 Min.).

persönliche Anmerkung: Leider sind die hörenswerten Tonmittschnitte von schlechter Tonqualität. Aber wer mit dem Winamp-Player arbeitet, kann mit dem Equilizer die hohen Frequenzen auf das Maximum einstellen und die tiefen Basssequenzen absenken. Dann sind die Ausführungen gut verständlich.