26.10.2012, dlf, 14.35 Uhr: Ausverkauf des Wissens verhindern Von Claudia van Laak

Auch die Universitäten entdecken die Informationsfreiheit für sich und setzen auf Transparenz. Doch ob ein Verhaltenskodex ausreicht, um den Einfluß privater Drittmittelgeber in den Griff zu kriegen?

Ausverkauf des Wissens verhindern

TH Berlin regelt den Umgang mit Geldgebern neu

Weitere Links zu der Problematik bei dradio.de:

Von Claudia van Laak

Während die Grundfinanzierung der Universitäten durch die Länder eher stagniert, steigt der Anteil privater Geldgeber. Und es steigt die Zahl derer, die das problematisch finden. Die Technische Universität Berlin hat jetzt reagiert und sich einen Verhaltenskodex gegeben.

Berlins Technische Universität ist stolz auf sich – in den letzten sechs Jahren ist es der TU gelungen, ihre Drittmittel zu verdoppeln. Im bundesweiten Ranking steht sie jetzt auf Platz 4. Das bedeutet auch, der Überblick über mehrere Hundert Kooperationsverträge droht verloren zu gehen. Deshalb jetzt der Verhaltenskodex, sagt TU Präsident Jörg Steinbach.

„Ich glaube, es war ein Gebot der Zeit, transparent mit den Verträgen, die man mit der Wirtschaft als Universität abschließt, umzugehen.“

Im letzten Jahr hatte Jörg Steinbach Prügel einstecken müssen für einen Vertrag von TU und Humboldt Uni mit der Deutschen Bank, der mittlerweile ausgelaufen ist. Die von der Deutschen Bank finanzierten Stiftungsprofessuren durften nur im Einvernehmen mit dem Unternehmen besetzt werden – eine unübliche und unzulässige Einflussnahme. Außerdem sah der Vertrag vor, dass die Deutsche Bank auf dem Campus unentgeltlich um neue Mitarbeiter werben und sogar die Hauspost der Uni dafür nutzen durfte. So einen Vertrag würde ich heute nicht mehr unterschreiben, gibt sich der Präsident der Berliner TU selbstkritisch…

Sendung verpaßt? Hier der LINK zur Sendung zum Nachhören

Beitragsreihe zur Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe im ND

Die Tageszeitung „Neues Deutschland“ hat verschiedenen Gastkommentatoren die Möglichkeit eröffnet, ihre Sichtweise zum Thema der Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe darzustellen.

Diese Reihe eröffnete der ehemalige Wirtschaftssenator Harald Wolf am 21.08.2012 mit seinem Beitrag „Kampf um Berliner Wasser – Ende gut, alles gut?“. Wolf bemängelt, dass eine „klare Strategie des Senats für die Zukunft des Unternehmens und der Wasserpreise … bislang nicht zu erkennen“ ist. Für Wolf müssten „die Verzinsung des sogenannten betriebsnotwendigen Kapitals gesenkt werden, die Abschreibungszeiträume müssen auf ein branchenübliches Maß verlängert und das überbewertete Anlagevermögen realistisch neu bewertet werden.“ Und natürlich muss auch „die garantierte Verzinsung und die Ausgleichspflicht des Landes gegenüber den Privaten … abgeschafft werden.“ Die Frage nach dem Wie, nach der Umsetzung dieser „Gesamtstrategie“  bleibt Harald Wolf den Lesern leider genauso schuldig, wie die Antwort auf die Frage, warum Harald Wolf diese Vorschläge nicht zu „seiner“ Zeit als WIrtschaftssenator beherzt umsetzte.

Auch die grüne Abgeordnete Heidi Kosche hat in ihrem Gastkommentar „Rückkauf: Ist das Wasserglas halb voll oder halb leer?“ vom 27.8.2011 außer Kritik nichts zu bieten. Nicht, dass ihre Kritik an den Rückkaufplänen nicht berechtigt wäre. Doch allein die Fähigkeit, Kritik zu äußern, begründet keine Garantie, dass die Kritik auch befähigt, eine kostengünstige Rekommunalisierung zu verwirklichen und für kostendeckende Wassertarife zu sorgen. Überzeugende Ansätze, die in diese Richtung weisen, sucht man in diesem Kommentar leider vergebens.

In dem Gastkommentar „Goldener Handschlag für die Wasser-Investoren?“ des Sozialwissenschaftlers Frank Hüesker, der auch seine Doktorarbeit zu den Folgen der Teilprivatisierung der Berliner Wasserbetriebe 2011 veröffentlichte, wird.zurecht herausgestellt, dass bei den gegenwärtigen Rückkaufplänen die teilprivatisierten Entscheidungsstrukturen nicht angetastet werden, so dass sich die (rhetorische) Frage stellt: „lässt sich daher überhaupt von einer Rekommunalisierung im Sinne einer wirklichen Umkehr von Privatisierung und Kommerzialisierung sprechen?… Auch die jüngsten Vorgaben des Bundeskartellamtes, die Berliner Wassertarife zu senken, ändern nichts daran, dass die der BWB Anstalt öffentlichen Rechts übergeordnete Berlinwasser Holding AG einen einklagbaren Anspruch auf die sogenannte »de facto Gewinngarantie« hat.“ Allerdings verwundern die Schlußfolgerungen dieses Wissenschaftlers, die – zusammengefaßt – darauf hinauslaufen, alles so zu belassen, wie es ist: „Wenn die einzige Alternative zur Teilprivatisierung der goldene Handschlag für die Profiteure der skandalösen Privatisierungsvereinbarungen von 1999 ist – was spricht gegen das Abwarten auf das Auslaufen der Verträge bei gleichzeitigem öffentlichen Druck und Kontrolle auf die privaten Anteilseigner?“

Am 1.10.2012 wurde auch dem Verfasser des Volksgesetzes, Thomas Rudek, dankenswerter Weise die Möglichkeit eröffnet, in dem Kommentar „Die Wasserbetriebe via Klage günstig rekommunalisieren“ konkret die strategische Option einer kostengünstigen Rekommunalisierung aufzuzeigen. Im Gegensatz zu Hüesker wird aufgezeigt, dass der jetzt veröffentlichte Teilprivatisierungsvertrag als öffentlich zugänglicher Sprengstoff zu verstehen ist, der lediglich zur Zündung gebracht werden muss. Auch die Zündschnurr und Sprenganleitung, wie mit einer ORGANKLAGE gegen die Verträge vorgegangen werden kann, wurde durch den „Arbeitskreis unabhängiger Juristen“ erarbeitet und publiziert. Und es ist bezeichnend, dass im Streit um offene Rechtsfragen allerlei Stellungnahmen eingeholt werden, aber die politisch verantwortlichen Funktionsträger sowohl der Regierungs- wie der Oppositionsfraktionen all ihre Anstrengungen vor allem darauf ausrichten, eines zu verhindern: Die Anfechtung der Verträge mit einer Organklage vor dem Verfassungsgericht.

Am 13.10.2012 erhielt schließlich auch der Politkwissenschaftler und Wassertisch-Aktivist Matthias Behnis die Gelegenheit, unter dem Titel „Wasser-Rekommunalisierung geht nur mit Demokratisierung“ seine Sicht darzustellen. Wer sich mit der rigiden Ausgrenzungs- und Spaltungspolitik, an der sich auch Herr Behnis aktiv beteilgt hat, auseinandergesetzt hat, der wird sich nicht wundern, dass die Darstellung von Herrn Behnis mehr irreführend als erhellend ist. Seine Schuldzuweisungen an die Vertreter der Koalitionsfraktionen mögen noch durch seine interessenspolitische Befangenheit als Mitarbeiter der grünen Abgeordneten Heidi Kosche erklärt werden können, sein Klagelied auf die Frustration ist es nicht, hat er doch selbst durch sein intrigantenhaftes Verhalten und durch seine selektive Informationspolitik dazu maßgeblich beigetragen. Seine Schlußfolgerung: „All das stärkt die leidliche Einsicht, dass der außerparlamentarische Druck der vergangenen Jahre, von Seiten der Bevölkerung, von der Straße zu wenig gebracht hat.“ Als der Verfasser des Volksgesetzes und Gründer der Wasserbürger unmittelbar nach dem Erfolg den Vorschlag einbrachte, mit einem neuen Volksbegehren gleich wieder Feuer ins Öl zu gießen, votierte Behnis nicht nur gegen diesen Vorstoß, sondern unterstütze den Ausschluß der Wasserbürger. Doch damit nicht genug: Wenn Matthias Behnis abschließend empfiehlt, den Blick über den Berliner Tellerrand nach Paris zu werfen, wird die Irreführung gesteigert: In Paris hat man gewartet, bis die Konzessionsverträge mit Veolia ausgelaufen sind und diese dann weder verlängert noch erneuert. Folgt man diesem Beispiel von Herrn Behnis, dann können wir noch bis zum Jahr 2028 warten. Mit solchen irreführenden Vorschlägen produziert man in der Bevölkerung nur eines: Frustration, aber keinen Druck!

30.10.2012 (Dienstag), 19.30 Uhr, Urania: Prof. Dr. Petra Dobner – Die ökologische Frage als Herausforderung an politische Steuerung – Kritik und Perspektiven des Regierens

Frau Prof. Dobner, Autorin des Buchs „Wasserpolitik – Zur politischen Theorie, Praxis und Kritik globaler Governance“, referiert am Dienstag zu folgendem Thema in der Berliner Urania. 

Die ökologische Frage als Herausforderung an politische Steuerung – Kritik und Perspektiven des Regierens

„An den nationalen Regierungen und den internationalen Organisationen wird viel Kritik geübt, dass sie aus verschiedensten Gründen nicht in der Lage sind, zukunftsweisende Lösungen für die großen Krisen unserer Zeit zu finden. Welche Defizite sind hier festzustellen, und was sind die Ursachen hierfür? Wie könnte oder müsste eine neue Form des Regierens aussehen, um konsequent einen Weg in eine ökologische und gerechte Gesellschaft zu verfolgen? Frau Dobner wird ihre Forschungsergebnisse zu diesen Fragen vorstellen und Möglichkeiten ihrer Umsetzung in der praktischen Politik diskutieren.“
Eintritt:Normalpreis: 6,00 €, ermäßigt: 5,00 €, Urania-Mitglieder: 3,50 €

Zur Vorbereitung empfehlen wir auch die Lange Nacht des Deutschlandfunks zum Thema „Basic Instincts – Die Lange Nacht der Lebensgrundlagen“ vom 27.10.2012 – ein wirkliches Highlight, auch weil in dieser Sendung dem Thema der gloablen Wasserkrisen eine zentrale Rolle beigemessen wurde.

23.10.2012 (Dienstag), 19.15 Uhr, dlf: Milliardenschwer und steuerbegünstigt Wer kontrolliert die Stiftungen? Von Matthias Holland-Letz

Matthias Holland-Letz fragt, was beim Bürger von den Segnungen der Stiftungen ankommt und wie sich dieser Segen zu den geringeren Steuereinnahmen der Städte und Kommunen verhält. Auch sollte nicht vergessen werden, dass sich die Besser-Betuchten mit diesem Steuerspar- und Privatisierungsmodell sozialstaatlicher Verantwortung auch durch das Label „Corporate Social Responsibility“ (CSR) ein positives Image verpassen.

Milliardenschwer und steuerbegünstigt

Wer kontrolliert die Stiftungen?

Von Matthias Holland-Letz

„ThyssenKrupp, Bertelsmann, Fresenius: drei Großkonzerne, die eng mit einer gemeinnützigen Stiftung verbunden sind. Auch mittelständische Unternehmer lieben es, ihre Firma ganz oder teilweise auf eine gemeinnützige Stiftung zu übertragen.

Sie sagen: Die Stiftungskonstruktion schütze vor Zerschlagung und vor Erbstreitigkeiten. Was sie nicht so gern einräumen: Die gemeinnützige Stiftung hilft, in großem Umfang Steuern zu sparen. Und was haben die Bürger davon? Wie großzügig sind unternehmensverbundene Stiftungen wirklich?

Wer verhindert, dass gemeinnützige Stiftungen in großem Umfang private Interessen bedienen? Ein Feature über den wuchernden Stiftungsdschungel, der von Politikern nahezu aller Parteien bewässert und gedüngt wird.“

LINK zur Radiosendung

20. + 21. Okt. 2012: Landesparteitag Die LINKE, Berlin

Auf dem Landesparteitag geht es auch um die Rekommunalisierung der Berliner Wasserbetriebe. Hierzu gibt es den vom Fraktionsvorstand eingebrachten Antrag 11, wie einen wichtigen Änderungsantrag des Bezirks Neuköln (Antrag 11 1). In dem Änderungsantrag wird die Fraktion aufgefordert, gegen die Teilprivatisierungsverträge mit einer Organklage beim Verfassungsgericht vorzugehen. Die Wasserbürger hoffen natürlich, dass die Delegierten dem Änderungsantrag zustimmen. Wir werden über den Ausgang des Landesparteitags berichten.

Der Landesparteitag findet statt im:

Ramada-Hotel
Karl-Liebknecht-Straße 32 (Nähe Alexanderplatz)
10178 Berlin (Mitte)