19.4.2012, 21.00 Uhr, 3Sat: scobel: Fortschritt – Immer gut? u.a. mit Harald Welzer (Klimakriege)

scobel: Fortschritt – Immer gut?

Mit den Gästen Dietmar Dath (Autor),
Paul Freiherr von Hoyningen-Huene (Philosoph, Uni Hannover)
und Harald Welzer (Sozialpsychologe)

„Die letzten Jahrzehnte sind geprägt vom Fortschrittsgedanken des „Höher, schneller, weiter“. Autos müssen an Tempo zulegen, Hochhäuser wachsen immer weiter in den Himmel hinauf, und die Reichweiten von Verkehrsflugzeugen nehmen ständig zu. Wenn unter Fortschritt eine positive Veränderung eines bestehenden Zustandes verstanden wird: Was ist dann mit den negativen Folgen, die viele Fortschrittsentwicklungen zweifellos haben? Gehört auch diese Schattenseite zum Fortschritt? Tatsächlich werden die negativen Folgen des Fortschritts immer sichtbarer – und seine positive Strahlkraft lässt zunehmend nach. Spätestens seit den neuen globalen Herausforderungen wie Klimawandel, Ressourcenknappheit, Armut, Hunger und nicht endenden Kriegen setzt mit dem negativen Seiten von Fortschritt Skepsis ein.
Zusammen mit seinen Gästen prüft Gert Scobel in dieser Sendung den Begriff des Fortschritts und fragt, ob es sinnvoll ist, immer auf Fortschritt zu setzen.“

18.4.2012, 09.10 Uhr, dlf: Europa heute – Wassernotstand in Südengland von Ruth Rach

Bereits die FAZ berichtete im Februar  über die Wasserknappheit im britischen Königreich, blendete aber im Gegensatz zu der dlf-Kurz-Reportage von Ruth Rach den Zusammenhang mit der Privatisierung vollständig  aus. Gefährdungen für die Olympischen Spiele sollen nach offiziellen Verlautbarungen von der Wasserkrise nicht ausgehen:

„Der Wasserversorger Themse-Wasser teilte mit, er werde alles tun, um sicherzustellen, dass die Wasserknappheit die Olympischen Spiele nicht gefährde, die Ende Juli in London beginnen. So könnten die Spiele etwa von Rationierungsmaßnahmen ausgenommen werden, die bei Stufe 3 einer herrschenden Trockenheit verlangen, das öffentliche Schwimmbäder nicht mehr aufgefüllt und Sportplätze nicht länger bewässert werden dürfen. Die erste Stufe an Rationierungsmaßnahmen sieht das Verbot für Privatleute vor, ihren Fahrzeuge zu waschen und Gärten zu wässern.“

 

Wassernotstand in Südengland

Weite Gebiete sitzen förmlich auf dem Trockenen

Von Ruth Rach

„In Südengland herrscht Wassernotstand. 17 Grafschaften in den Midlands und im Südwesten wurden zu Dürrezonen erklärt. Zuvor hatten sieben Wasserversorger ihre Kunden zum Wassersparen aufgerufen. Der Mangel liegt jedoch nicht allein an zu geringem Niederschlag oder hohem Verbrauch…

Doch nicht allein das Wetter ist schuld. Vor gut 20 Jahren hatte die konservative Premierministerin Margaret Thatcher die britische Wasserversorgung privatisiert. Ein Riesenfehler, meint Bill Randall in Brighton. Er ist der erste grüne Stadtratsvorsitzende in Groβbritannien.

Bill Randall wäre es am liebsten, wenn die Wasserwirtschaft wieder verstaatlicht würde, oder zumindest einer zentralen Kontrolle unterstellt würde. Aber angesichts der prekären Finanzlage bestehe kein Appetit auf eine Renationalisierung.

Bill Randall bezeichnet die Wasseranbieter in Groβbritannien als private Monopole, zum groβen Teil in ausländischer Hand. Sie haben in erster Linie die Interessen ihrer Aktionären und Manager vor Augen, so Randall, und nicht die Grundversorgung der Bevölkerung.

Tatsächlich haben die Wasser-Gesellschaften bemerkenswert hohe Profite erwirtschaftet, und selbst nach Beginn der derzeitigen Dürreperiode Prämien in Millionenhöhe ausbezahlt. Gleichzeitig sind die Tarife innerhalb eines Jahres um bis zu acht Prozent gestiegen. Bill Randall zufolge müsste viel mehr Geld in die Erneuerung maroder Wasserleitungen gesteckt werden…“

Sendung verpasst? Kein Problem: dlf und dlr bieten die Sendungen auch kostenfei als Podcast zum downladen an.

24. + 25. April, InterContinental Berlin: Sarah Wiener bekocht Wasser-Lobby

Wie wenig sich der größte Wasserversorger zur Transparenz verpflichtet fühlt, wurde aus den Reaktionen eines heute in der Berliner Morgenpost erschienen Artikels deutlich. Jens Anker berichtete in dem Artikel „Berlinern drohen noch höhere Wasserpreise“ über Nachzahlungen in Höhe von 74 Millionen Euro. Anker hat interne Unterlagen einsehen können, aus denen hervorgeht, dass in den Jahren 2008 bis 2011 die Wassertarife jährlich zwischen zehn und 27 Millionen Euro zu niedrig kalkuliert waren. Die Wasserbetriebe dementierten sofort, dass eine Preiserhöhung anstehe. Die Existenz dieser Unterlagen wurde nicht dementiert.

Es kann vermutet werden, dass die Berliner Wasserbetriebe aufgrund der aktuellen kartellrechtlichen Prüfung der Trinkwasserpreise wie der europarechtlichen Vorprüfung der Teilprivatisierungsverträge auf Zeit spielen. Diese Annahme erhärtet sich durch die Tatsache, dass die privaten Anteilseigner RWE und VEOLIA die beiden wichtigsten Schlüsselressorts, die kaufmännische und technische Leitung, unter ihrer Verantwortung haben. Umso wichtiger ist es, dass sowohl die EU-Kommission wie das Bundeskartellamt diese vertraulichen Unterlagen in die laufenden Verfahren einbeziehen.

Es ist grotesk, dass die Wasserlobby ihre diesjährige Jahrestagung am 24. und 25. April unter dem Titel „Wege zu mehr Transparenz und Effizienz“ in Berlin veranstaltet. Um die synergetische Effizienz zu erhöhen, halten zeitgleich auch die Dachverbände der Stadtwerke, der Abfallwirtschaft und des Öffentlichen Nahverkehrs ihre Jahrestagungen am gleichen Ort ab.

Während sich die Teilnehmer abends durch die Kochkünste Sarah Wieners kulinarisch verwöhnen lassen, können sie branchenübergreifend weiter fachsimplen und überlegen, wie der Versorgungsauftrag gewinnorientiert zu Lasten der Verbraucher und Steuerzahler optimiert werden kann. Die Bürgergesellschaft wird aufgrund der hohen Teilnahmegebühren (über 2000 Euro) der Veranstaltung nicht beiwohnen können, so dass die Wasser-Experten der organisierten Zivilgesellschaft unter sich bleiben können. Doch wer weiss: Möglicherweise finden sich doch überraschenderweise einige Aktivisten zusammen, um an diesem Abend den Anwesenden „Wasser in den Wein“ einzuschenken.

http://www.abfall-tagung.de
http://www.oepnv-tagung.de http://www.wasser-tagung.de http://www.stadtwerke-expo.de
http://www.wasser-tagung.de/

AUSZUG aus der Veranstaltung:

Wege zu mehr Effizienz und Transparenz

Die topaktuellen Themen dieses Branchentreffs:

  • Wasserpreise: Zankapfel Nummer Eins in der Branche! – Kartellrechtliche Preiskontrolle versus Regulierung?
  • Wie ist Leistungsfähigkeit definier- und nachweisbar?
  • Rekommunalisierung – Strategische Option oder „Flucht“ ins Gebührenrecht?
  • Von Privatisierung bis Kooperation: Gibt es die perfekte Organisationsform für eine zukunftsfähige (Ab-)Wasserwirtschaft?
  • Die Energiewende: Energieeffizienz als großes Ziel, auch für die Wasserwirtschaft!
  • (Ab-)Wasser-Infrastruktur: Aktuelle Herausforderungen und innovative Lösungen
  • Umweltschutz – Pflicht und Kür der Wasserwirtschaft

 

Presseschau zur Wasserbilanz der Wasserbetriebe

 

Cash flow beibt lukrativ

Junge Welt  ‎

Die seit 1999 teilprivatisierten Berliner Wasserbetriebe (BWB) überwiesen für das Jahr 2011 an die drei Gesellschafter RWE, Veolia und das Land Berlin einen Gewinn von insgesamt 232,2 Millionen Euro. Das geht aus der Bilanz des größten deutschen
Weil das Berliner Verfassungsgericht die Renditegarantie nach einer Klage der Grünen und damaligen PDS für rechtswidrig erklärte, veränderte das Land Berlin Ende 2003 – nun vertreten durch den Wirtschaftssenator Harald Wolf (PDS) – per Gesetz die Abschreibungsmethode. Seither schreiben die BWB ihre Anlagen nicht mehr nach Anschaffungs-, sondern den wesentlich höheren »Wiederbeschaffungszeitwerten « ab. Wie aus einem jW vorliegenden, bislang unveröffentlichten Papier der BWB hervorgeht, rechnen die privaten Gesellschafter als Konsequenz dessen bis zum Ende der Mindestlaufzeit des Vertrages 2028 mit einem »Free Cash Flow« von 609,6 Millionen Euro – allein aus der Änderung der Abschreibungsmethode! Das ist mehr als ein Drittel des Kaufpreises von 1,69 Milliarden Euro, den die Investoren für den Erwerb ihrer Anteile hinlegten….

Wasserbetriebe wehren sich gegen Preissenkung

Welt Online  ‎

Berlin – Die Berliner Wasserbetriebe wehren sich auch gegen die zweite Abmahnung durch das Bundeskartellamt. Die Wettbewerbshüter halten die Trinkwasserpreise in Berlin für deutlich überhöht und wollen sie um rund ein Fünftel senken.

Bilanz: Berliner Wasserbetriebe überweisen Millionen an Teilhaber

Berliner Morgenpost

Ringen um die Berliner Wasserpreise: Anders als das Kartellamt wollen die Wasserbetriebe die Tarife nicht senken, sondern stabil halten. Die Berliner Wasserbetriebe wehren sich auch gegen die zweite Abmahnung durch das Bundeskartellamt.

Wasserbetriebe überweisen Millionen an Teilhaber

Welt Online

Die Berliner Wasserbetriebe überwiesen für das Jahr 2011 an die Gesellschafter Gewinne von insgesamt 232,2 Millionen Euro, davon gingen an das Land Berlin 108 Millionen Euro. Das geht aus der Bilanz des größten deutschen Wasseranbieters hervor,

Reibach mit kaltem Nass

Neues Deutschland  ‎

Da die Berliner Wasserbetriebe (BWB) im vergangenen Jahr erneut große Überschüsse erwirtschafteten, machen auch die Gesellschafter der teilprivatisierten Wasserbetriebe weiter kräftig Profit. Rund 124 Millionen Euro führten die BWB an die privaten

 

Wasserpreise sollen bis 2015 nicht steigen

Berliner Zeitung  ‎

Von Jan Thomsen Die Berliner Wasserbetriebe planen stabile Tarife für die nächsten Jahre. Das Bundeskartellamt fordert hingegen Preissenkungen beim Trinkwasser. Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) wollen die Preise in den kommenden Jahren stabil halten.

 

Berliner müssen mit höheren Wasserpreisen rechnen

T-Online

„Definitiv kann ich eine Tariferhöhung für 2012 nicht ausschließen“, sagte der Vorstandsvorsitzende der Berliner Wasserbetriebe, Jörg Simon, am Dienstag bei der Vorstellung der Jahresbilanz 2011. Von 2013 bis 2015 werde der Tarif voraussichtlich stabil

 

Berliner Wassertriebe führten 2011 dreistelligen Millionen-Gewinn an private …

Berliner Umschau

Von Paul Müller Die Berliner Wasserbetriebe (BWB) haben für das vergangene Jahre etwa 124 Millionen Euro Gewinn an die privaten Anteilseigner RWE und Veolia abgeführt. Das geht aus der Bilanz des Unternehmens hervor. Das Land Berlin erhielt demnach 108

Investoren verdienen Millionen mit Berliner Wasser

Rundfunk Berlin-Brandenburg

Der Umsatz der Wasserbetriebe ist laut Simon im vergangenen Jahr leicht gesunken. Preiserhöhungen wollte er nicht ausschließen, darüber müsste es aber Gespräche mit den Gellschaftern geben. Die Berliner Wasserbetriebe stehen wegen ihrer hohen Preise

Wassersparen in einer wasserreichen Stadt – Anmerkungen zur Wasserbilanz der Berliner Wasserbetriebe

Wassersparen in einer wasserreichen Stadt
Anmerkungen zur Wasserbilanz der Berliner Wasserbetriebe

Berlin, 17.04.2011. Der Wasserverbrauch in Berlin ist weiter im Sinkflug. Dennoch konnten die Wasserbetriebe 2011 den Umsatzerlös in Höhe von 1.1943,7 Millionen Euro nahezu konstant halten. Allerdings verringerte sich der Bilanzgewinn im Vergleich zum Vorjahr um 10,8%. Nach Darstellung der Wasserbetriebe erhielten die Gesellschafter Gewinne von insgesamt 232,2 Millionen €“, wovon 124 Mio. € an die privaten Anteilseigner RWE und Veolia und 82,1 Millionen € an das Land Berlin ausgeschüttet wurden. Weitere zweckgebundene Abgaben wie das Grundwasserentnahme- und das Sondernutzungsentgelt sowie die Abwassergabe wurden in Höhe von 82,1 Millionen € an das Land  abgeführt. Auch wenn sich im Vergleich zum Vorjahr die Gewinnabführungen an das Land Berlin um 10,8% und an die privaten Anteilseigner um 6,1% verringerten, so scheinen zumindest die privaten Anteilseigner ihre „Verluste“ durch die Möglichkeit der Nachkalkulation für die zukünftigen drei Geschäftsjahre in Höhe von insgesamt 56,5 Millionen € wieder wett machen zu können. Offen blieb, wie diese Nachkalkulation gegenfinanziert werden soll. Entsprechend konnten Preissteigerungen nicht ausgeschlossen werden.

Nach Angaben des Vorstandsvorsitzenden der Berliner Wasserbetriebe, Jörg Simon, hätte eine bevorstehende Preissenkungsverfügung durch das Bundeskartellamt – unter der Voraussetzung der Rechtmäßigkeit des Verfahrens –  für die Wasserbetriebe einen Umsatzverlust in Höhe von 70 Millionen € jährlich zur Folge. Bezogen auf den Gesamtumsatz des Geschäftsjahres 2011 wäre das ein Verlust von 5,8%. Simon betonte, dass das Bundeskartellamt nicht eine Senkung des Wasserpreises um 21% bzw. 20%  verlange, sondern sich diese Forderung auf die „abgabenbereinigten Netto-Durchschnittserlöse pro Kubikmeter Wasser“ beziehe. Das entspräche einer jährlichen Entlastung von 15 € pro Person. Dieser äußerst geringe Entlastungseffekt erklärt sich aus der Tatsache, dass die oben genannten Abgaben (Grundwasserentnahmeentgelt u.a.) vom Bundeskartellamt herausgerechnet werden und auch der Abwassertarif nicht Gegenstand der kartellrechtlichen Preisregulierung ist.

Wenig überzeugend war der Versuch Simons, die Zuständigkeit des Bundeskartellamts mit dem Hinweis auf die Regulierung des Gesetzgebers in Frage zu stellen. Zentrale Grundlage der Tarifkalkulation schafft nicht der Berliner Gesetzgeber, sondern die Tarifkalkulation steht in der Erfüllungspflicht des Konsortialvertrags mit seinen Änderungsvereinbarungen und seinen verbrieften Gewinnausfallgarantien zugunsten der privaten Anteilseigner. Dieses Vertragskonstrukt zur Teilprivatisierung, das bislang keiner gerichtlichen Überprüfung zugeführt worden ist, bestimmt nicht nur, es schränkt die Handlungsspielräume des Gesetzgebers maßgeblich ein! Das wurde auf der 5. Sonderausschusssitzung des Abgeordnetenhauses erneut deutlich, als die zuständige Staatssekretärin auf die Frage des Abgeordneten Dr. Klaus Lederer (Die LINKE) nach den Folgen einer Halbierung des Verordnungszinssatzes für die Berechnung des betriebsnotwendigen Kapitals antwortete, dass in diesem Fall das Land Berlin gegenüber den privaten Anteilseignern ausgleichspflichtig werden würde.

Unabhängig von der Frage, inwieweit diese Praxis ein Verstoß gegen das europäische Beihilferecht darstellt, so unterstreicht die verengte Darstellung von Jörg Simon wie wichtig es ist, die gerichtliche Überprüfung des Konsortialvertrags im Rahmen einer Organklage vor dem Verfassungsgericht nicht länger hinauszuzögern! Nach dem Volksentscheid hat sich ein Arbeitskreis unabhängiger Juristen gegründet, der in einem Leitfaden dezidiert aufgezeigt hat, was zu tun ist. Dieser Leitfaden ist allen Abgeordneten des Sonderausschusses zugestellt worden. Gesprächsbereit hat sich bisher einzig der Vertreter der Piraten-Fraktion gezeigt. Die Verweigerungshaltung der anderen Abgeordneten wiegt umso schwerer, da auch zwei Rechtsanwälte aus dem Arbeitskreis ihre Bereitschaft erklärt haben, kostenfrei für klagewillige Abgeordnete die Klageschrift zu erarbeiten und – wenn gewünscht – diese auch vor dem Verfassungsgericht zu vertreten. Der juristische Leitfaden zur Vertragsanfechtung mittels eines Organstreitverfahrens kann auf dem Portal www.wasserbuerger.de als PDF-Datei herunter geladen werden.

Insgesamt zeigte die Vorstellung der Wasserbilanz, dass die disproportionale Gewinnerverteilung zugunsten der privaten Minderheitseigner und zu Lasten des Landes Berlin als Mehrheitseigner auch 2011 fortgeschrieben wird. Eine Übersicht über die Entwicklung der disproportionalen Gewinnentwicklung seit der Teilprivatisierung stellen die Wasserbürger hier zur Verfügung.

Thomas Rudek, Verfasser des Volksentscheids
Tel. 030 / 261 33 89