5.9.2012, 17:05 Uhr, dlf: Meuterei in der IHK Berlin

Erinnern Sie sich: Kaum hatten wir den Volksentscheid gewonnen, da präsentiert die Berliner IHK den Berlinern ein Gefälligkeitsgutachten von Professor Schwalbach, den wenige Monate später die taz als Atomlobbyisten enttarnte. In dem Gutachten wird berechnet, dass sich eine Rekommunalisierung für die Berliner angeblich nicht rechnet. Nur was Prof. Schwalbach bei seinem Gutachten völlig außer acht lässt, ist die gerichtliche Anfechtung der Verträge. Die Folgen des Volksentscheids, die Prüfung und Anfechtung der Teilprivatisierungsverträge,  lässt dieser Gutachter der besonderen Art schlicht und ergreifend unter den Tisch fallen. Es ist schon bezeichnend, dass die Spitze der IHK in Berlin nicht die Interessen ihrer Mitglieder vertritt und sich nicht für eine kostengünstige Rekommunalisierung einsetzt. Statt sich für dieses Ziel einzusetzen, unternimmt die IHK keine Anstrengungen, um die Verträge zu prüfen. Umso erfreulicher, dass sich Gewerbetreibende und Unternehmen zusammen geschlossen haben, um die IHK in Berlin zu demokratisieren.

Meuterei in der IHK Berlin

Jungunternehmer fordern Ende der Zwangsmitgliedschaft

Von Claudia van Laak

Zu viel Bürokratie, zu wenig Transparenz – viele kleine und mittelständische Unternehmen in Berlin sind mit der Arbeit der örtlichen Industrie- und Handelskammer nicht zufrieden. Bei der Wahl eines neuen IHK-Präsidenten gehen sie nun auf die Barrikaden.

Berlins Wirtschaft ist äußerst kleinteilig – einige wenige Großunternehmen, viele viele Firmen mit nur einer Handvoll Angestellten. Das Präsidium der IHK ist allerdings ganz anders besetzt – hier dominieren die Großen – vom Müllentsorger Alba bis zum Pharmaunternehmen Bayer. Die Großunternehmen diktieren die Politik der IHK, wir Kleinen kommen da nicht vor, kritisiert Softwareentwickler Emilio Paolini.

Die Initiative der Berliner Kleinunternehmer will in erster Linie mehr Transparenz und mehr Demokratie. So soll die IHK-Vollversammlung – das Parlament der Berliner Wirtschaft – künftig öffentlich tagen. Die Geschäftsführer sollen ihre Gehälter offenlegen und der – nach Ansicht der Kleinunternehmer – aufgeblähte IHK-Verwaltungsapparat schrumpfen.

Bislang hielt sich das Interesse der 270.000 Berliner IHK-Mitglieder an der Mitwirkung in Grenzen. Die Beteiligung an der Wahl zur Vollversammlung lag bei unter 10 Prozent, kritische Fragen an Geschäftsführung und Präsidium blieben weitgehend aus. Kein Wunder, dass die Kammerspitze aufgeschreckt ist, weil Jungunternehmer wie Carsten Hübner in der Vollversammlung ihre Stimme erheben wollen.

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4.9.2012, Dienstag, 19.15 Uhr, dlf: Jenseits von Markt und Staat. Von Dagmar Scholle

„Sind Allmenden ein Gegenpol zur zunehmenden Privatisierung unserer Welt?“ wird auf der dlf-Homepage zur Sendung gefragt.Doch wie schrieb der Aphoristiker Elazar Benyoetz so treffend: „Es gibt Fragen, die wollen nicht beantwortet, sondern nur durchschaut werden.“

Jenseits von Markt und Staat

Begegnungen in der Allmende

Von Dagmar Scholle

Allmenden sind unwirtschaftlich und überholt, sagen die einen: Das Vieh wird nicht satt, die Bäume nicht groß, die Betreiber nicht reich. Allmenden sind modern, sagen die anderen: Wissen, Autos, Ressourcen – wir können doch Teilhaber sein, statt zu besitzen!

Das Konzept ist alt, sagen nun viele, die Spielarten neu: Wikipedia, Gemeinschaftsgärten oder Carsharing – auch in modernen Formen gemeinschaftlichen Nutzens steckt das mittelalterliche Modell der Allmende.

Die Erschütterungen der Finanzkrise brachten es wieder ins Bewusstsein, ebenso die Vergabe des Wirtschaftsnobelpreises 2009 an die Gemeingüterforscherin Elinor Ostrom. Sind Allmenden ein Gegenpol zur zunehmenden Privatisierung unserer Welt?

Viele Aspekte der Suche nach einem neuen Umgang mit Ressourcen erspürt, wer traditionelle Weideallmenden besucht – und sie mit der modernen Kulturlandschaft vergleicht.

4.9.2011, Dienstag, 20.15 Uhr, arte: Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt. Von Jérôme Fritel, Marc Roche

Wäre DAS nicht eine Herausforderung: Goldman Sachs zu „zerschlagen“, indem das Geld von allen Spekulationsfonds vergesellschaftet wird und für den Aufbau einer öffentlichen, non-profit ausgerichteten Infrastruktur in den ärmsten Ländern bereitgestellt wird?

Dienstag, 4. September 2012 um 20.15 Uhr

Goldman Sachs – Eine Bank lenkt die Welt
(Frankreich, 2012, 75mn)
ARTE F
Regie: Jérôme Fritel, Marc Roche
Wiederholungen:
19.09.2012 um 10:25

Die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs ist in den letzten Jahren zum Symbol für Maßlosigkeit und ausufernde Spekulationen im Finanzbereich geworden. Ihre Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit amerikanischer Privathaushalte haben sie zwar an den Rand des Bankrotts gebracht, aber letztlich wurde sie dank ihrer politischen Verbindungen vor dem Aus bewahrt. Auch gegen den Euro soll Goldman Sachs spekuliert haben und an der Wirtschaftskrise Griechenlands nicht unbeteiligt sein. Der Dokumentarfilm gibt Einblicke in die Mechanismen der finanziellen und politischen Machenschaften der Bank.

Seit fünf Jahren steht die amerikanische Investmentbank Goldman Sachs für sämtliche Exzesse und Entgleisungen der Finanzspekulation. Durch hochspekulative Geschäfte mit der Zahlungsunfähigkeit der amerikanischen Privathaushalte konnte sich die Bank an der aktuellen Finanzkrise bereichern und wurde dank ihrer politischen Verbindungen selbst vor dem Bankrott bewahrt. Als die amerikanische Krise über den Atlantik nach Europa schwappte, wurde Goldman Sachs zu einem der Protagonisten der Euro-Krise: Die Bank soll gegen die europäische Einheitswährung spekuliert und die griechische Staatsschuldenbilanz mit Hilfe komplexer und undurchsichtiger Währungsgeschäfte geschönt haben. Als die europäischen Regierungen nacheinander dem Zorn der Wähler zum Opfer fielen, nutzte Goldman Sachs die Gunst der Stunde, um ihr komplexes Einflussgeflecht auf den alten Kontinent auszuweiten.
Goldman Sachs ist mehr als eine Bank. Sie ist ein unsichtbares Imperium, dessen Vermögen mit 700 Milliarden Euro das Budget des französischen Staates um das Zweifache übersteigt. Sie ist ein Finanzimperium auf der Sonnenseite, das die Welt mit seinen wilden Spekulationen und seiner Profitgier in ein riesiges Kasino verwandelt hat. Mit weltweit einzigartigen Verflechtungen und einem Heer aus 30.000 Bankern konnte Goldman Sachs auch in den letzten fünf Krisenjahren kräftige Gewinne einstreichen, seine Finanzkraft weiter ausbauen, seinen Einfluss auf die Regierungen stärken und sich vonseiten der amerikanischen und europäischen Justiz völlige Straffreiheit zusichern.
Das Geschäftsgebaren der Bank ist überaus diskret. Ihr Einfluss reicht weit in den Alltag der Bürger hinein – vom Facebook-Börsengang über die Ernennung des Präsidenten der Europäischen Zentralbank bis hin zum Lobbying gegen die Regulierung des Finanzsektors. Der Arm der Bank ist lang, und sie befindet sich stets auf der Gewinnerseite.

Der Dokumentarfilm von Jérôme Fritel und Marc Roche, Wirtschaftsjournalist bei der französischen Tageszeitung „Le Monde“ und Autor des Bestsellers „La Banque“, dringt in die Schaltzentrale des Imperiums vor, das weder Grenzen noch Einschränkungen kennt und die westlichen Demokratien auf gefährliche Art unterwandert. Ehemalige Mitarbeiter von Goldman Sachs, die anonym bleiben wollen, Angestellte konkurrierender Banken, Vertreter der öffentlichen Hand sowie Spitzenpolitiker, Wirtschaftswissenschaftler und Spezialisten geben erstmals Einblick in die Mechanismen der finanziellen und politischen Allmacht dieser Bank.

3. bis 7.9.2012, 16.35 Uhr, dlf: Die WC-Verbesserer (5-teilige Sendereihe)

Die WC-Verbesserer

Fünfteilige Sendereihe in „Forschung aktuell“ (dlf)

2,4 Milliarden Menschen haben keinen Zugang zu Toiletten mit ausreichender Hygiene. Die klassische Kombination aus WC, Schwemmkanalisation und Kläranlage lässt sich kaum auf Entwicklungsländer übertragen. Sie ist zu teuer und verschwendet zu viel Wasser. Forschung aktuell stellt Lösungen vor.

Weltweit arbeiten Forscher daran, Sanitärsysteme zu entwickeln, die einfach und günstig sind und bei denen die Exkremente nicht zu Abfall, sondern zu einer Rohstoffquelle werden. Die Ideen dazu sind vielfältig. Sie reichen vom kompostierbaren Wegwerf-Tütenklo über Urinsammler als Düngerquelle bis hin zu kommunalen Toilettenanlagen, in denen die Ausscheidungen den Brennstoff liefern, um daraus Strom zu produzieren.

Fünf dieser spannenden Projekte stellt Forschung-aktuell-Reporter Lucian Haas vor – täglich vom 3. bis 7. September, jeweils um 16.35 Uhr im Deutschlandfunk.

LINK zur Sendereihe „WC-Verbesserer“

PM 30.08.2012: Wasser-Bündnis Appell: „Kein Rückkaufvertrag ohne Preisanpassungsklausel“ – Vorwürfe des Finanzsenats haltlos

Pressemitteilung
Wasser-Bündnis appelliert an Abgeordnete:
„Kein Rückkaufvertrag ohne Preisanpassungsklausel“
Wasser-Bündnis weist Vorwürfe des Finanzsenats als haltlos zurück

Berlin, d. 30.8.2012. Anlässlich der bevorstehenden Beratungen des Rückkaufvertrages, mit dem das Land Berlin die RWE-Anteile an den teilprivatisierten Berliner Wasserbetrieben für 654 Mio. € zurückkaufen will, haben Mitte August der Verband Deutscher Grundstücksnutzer, der Bund der Steuerzahler Berlin, der Arbeitskreis unabhängiger Juristen, die Berliner Wasserbürger und der Schriftsteller Ingo Schulze einen offenen Brief an die Berliner Abgeordneten verfasst (1) und darum gebeten, beim Rückkaufvertrag eine Preisanpassungsklausel zu berücksichtigen, die zur Anwendung kommen kann, falls die Teilprivatisierungsverträge gerichtlich für nichtig erklärt werden.

Die Verfasser rechnen in dem Schreiben des Weiteren vor, dass sich ein Erfolg bei einer gerichtlichen Anfechtung der umstrittenen Teilprivatisierungsverträge auch für das Land Berlin auszahlen würde. Je nachdem, ob ein derzeit laufendes Schiedsverfahren berücksichtigt werden würde, beliefe sich im Falle der Nichtigkeit der Verträge die zu zahlende Gewinnbeteiligung für jeden der beiden privaten Investoren auf lediglich 251,5 bzw. 336,3 Mio. Euro. Ein Rückkauf des RWE-Anteils für 650 Mio. Euro würde den Haushalt hingegen deutlich stärker belasten.

Die Verwaltung des Finanzsenators reagierte sofort ihrerseits mit einem Schreiben an das Abgeordnetenhaus, welches uns aus der Mitte des Abgeordnetenhauses zur Verfügung gestellt wurde (2). Der Finanzsenat empfahl „von einer Detailauseinandersetzung mit der behaupteten Höhe der Rückabwicklungskosten abzusehen“. Der Finanzsenat behauptet, die von uns geforderte Preisanpassungsklausel sei „wirklichkeitsfremd“. Auf diese und andere Vorhaltungen reagierten wir wiederum mit einem zweiten offenen Brief an das Abgeordnetenhaus (3).

Hierzu Sabine Finkenthei vom Arbeitskreis unabhängiger Juristen (AKJ): „Warum fürchtet der Senat eine Preisanpassungsklausel für den Fall der Nichtigkeit der Teilprivatisierungsverträge? Wenn der Finanzsenat und die privaten Anteilseigner davon überzeugt sind, dass die Teilprivatisierung rechtssicher ist, dann brauchen sie weder das von uns empfohlene Organstreitverfahren noch eine anschließende Nichtigkeitsklage zu befürchten und können für diesen Fall die Preisanpassungsklausel im Rückkaufvertrag berücksichtigen. Doch diese hartnäckige Weigerung bekräftigt unsere Auffassung, dass die Teilprivatisierungsverträge juristisch anfechtbar und wir auf dem richtigen Weg sind“.

Alexander Kraus vom Bund der Steuerzahler betont, „dass das Land Berlin allen Anlass hat, angesichts der desolaten Haushaltslage mit allen Mitteln darauf zu dringen, einen möglichst geringen Kaufpreis zahlen zu müssen. Verzichtet der Senat auf eine solche Klausel, dann ist zu befürchten, dass die Nutzung dieser selbstverständlichen Option einer Kaufpreisanpassung nach unten kaum noch möglich sein wird!“

„Als es 1999 darum ging, den privaten Anteilseignern Gewinne in Geheimverträgen mit einer unbefristeten Laufzeit zu garantieren, gab es von Seiten der Landesregierung keine Bedenken. Wenn jetzt im Parlament ein viel zu teurer Rückkaufvertrag im Schnellverfahren unter Dach und Fach gebracht werden soll, und die Bürger gegen diesen Vertrag und dieses Verfahren nicht nur Bedenken äußern, sondern zugleich auch einen besseren Lösungsvorschlag anbieten, dann werden diese Bedenken von der Regierung selbstherrlich zur Seite geschoben. Dabei geht es um viel, denn durch den Verzicht auf eine Preisanpassungsklausel würden alle möglichen juristischen Schritte gegen die Teilprivatisierung ins Leere laufen. Das darf nicht geschehen! Die Fehler der Teilprivatisierung  der privaten Vorteilsnahme zu Lasten der Allgemeinheit dürfen sich bei dem Rückkauf nicht wiederholen“, so der Schriftsteller und Direktor der Sektion Literatur der Akademie der Künste Ingo Schulze.

Für Thomas Rudek, den Verfasser des Volksgesetzes zur Offenlegung der Teilprivatisierungsverträge, eröffnet die Diskussion um den Rückkaufvertrag und die alternative Option der Rückabwicklung der Privatisierungsverträge eine weitere Möglichkeit, die Rekommunalisierung schnell und zügig zu einem Abschluss zu bringen: „Fest steht, dass wir die Anteile der privaten Anteilseigner RWE und Veolia nicht zum 0-Tarif bekommen werden. Es gibt drei Beträge, die im Raum stehen: Über den vom Senat favorisierten Rückkauf würde jeder der privaten Anteilseigner etwas über 650 Mio. € erhalten, während über eine gerichtliche Rückabwicklung der Teilprivatisierungsverträge jeder Anteilseigner lediglich 251,5 bzw. 336,3 Mio. Euro erhalten würde. Um zeitaufwendige Gerichtsverfahren zu vermeiden, könnte das Berliner Abgeordnetenhaus mit einem Gesetz zur Rekommunalisierung die Berliner Bevölkerung darüber abstimmen lassen, welchen dieser drei Beträge sie für angemessen hält.“

Das Abgeordnetenhaus wird sich in Kürze mit dem Rückkaufvertrag befassen.

Rückfragen richten Sie bitte an:
Dipl.-Volksw. Alexander Kraus
Vorstandsvorsitzender BdSt Berlin
Tel.: 030 – 790 10 714
Mobil: 0163 – 754 82 91

Oder direkt an:
Dipl.-Polit. Thomas Rudek
Berliner Wasserbürger (Verfasser des Volksgesetzes)
Mobil:  01578 – 5926189

(1) Erster offener Brief des Wasser-Bündnis an das Abgeordnetenhaus mit alternativen, kostengünstigen Berechnungen für den Fall einer erfolgreichen Anfechtung der Verträge: https://berliner-wasserbuerger.de/?p=2186
(2) Der Wortlaut des Schreibens der Finanzverwaltung ist einsehbar unter https://berliner-wasserbuerger.de/?p=2208
(3) Zweiter offner Brief des Wasser-Bündnis an das Abgeordnetenhaus, in dem die Vorhaltungen und Unterstellungen des Senats widerlegt werden https://berliner-wasserbuerger.de/?p=2211