16.11.2012, 20.15 Uhr, 3SAT: Gefährliches Trinkwasser von Dethlev Cordts

Gefährliches Trinkwasser
„Im Zeitraum von 1951 bis 2005 wurden mit Billigung der zuständigen Behörden auf deutschen Äckern mindestens 13.000 Tonnen giftiges und radioaktives Uran ausgebracht. Dieses könnte zu einem gravierenden Umweltproblem werden, so Prof. Dr. Ewald Schnug vom Julius-Kühn-Institut.
Mineralische Phosphatdünger sind mit Abstand der am häufigsten verwendeten Dünger in der Landwirtschaft. Der Dünger wird meist aus aufbereitetem Rohphosphat hergestellt, der bergmännisch abgebaut wird. Leider kommt Rohphosphat in der Natur häufig zusammen mit dem problematischen Schwermetall Uran im Gestein vor. Phosphatdünger sind, so Professor Schnug, mit durchschnittlich einem halben Pfund Uran pro Tonne verunreinigt. Zwar wird dieses Uran nur in sehr geringen Mengen von den gedüngten Pflanzen aufgenommen; ein wesentlich größeres Problem ist, dass das beigemischte Uran nach der „Veredelung“ des Phosphats wasserlöslich wird. Der Regen kann es ausspülen und es gelangt so in das Grundwasser – wo es nichts zu suchen hat. Uran ist zum einen ein extrem starkes Gift, und auch die Radioaktivität kann dem menschlichen Organismus schaden, wenn die Konzentration zu hoch ist…
Sehen Sie am Freitag, 16. November 2012, 20.15 Uhr eine spannende Spurensuche. Autor Dethlev Cordts spricht mit den Verantwortlichen, besucht das kleine Dorf Palmzin in Mecklenburg-Vorpommern und die Phosphatminen Marokkos. Ergebnis: Jahrzehntelange Schlamperei, Desinformation und Ignoranz von Seiten der Industrie, der Behörden und Ministerien haben zu einer nachhaltigen Verseuchung deutscher Böden und einer flächendeckenden Bedrohung der Trinkwasservorräte geführt.

16.11.2012, 19 Uhr: Werner Rügemer zum Thema „Rating-Agenturen“ in der Ladengalerie der jungen welt

Rating-Agenturen – Einblicke in die Kapitalmacht der Gegenwart in der Ladengalerie der Tageszeitung junge welt in der Torstraße 6, 10119 Berlin (Nähe Rosa-Luxemburg-Platz).

Buchvorstellung mit dem Autor Werner Rügemer

Wer steckt eigentlich hinter den Rating-Agenturen, von denen im Zuge der Finanzkrise so oft die Rede ist? Und nach welchen Kriterien arbeiten sie?
In diesem Buch wird zum ersten Mal die Eigentümerstruktur der drei großen Agenturen offengelegt: Es handelt sich dabei um die größten Hedge- und Investmentfonds, die aus der hohen und dauerhaften Verschuldung von Unternehmen, Staaten und Konsumenten Gewinn ziehen. Ein Blick auf die Praxis der Rating-Agenturen zeigt: Ihre Macht gewinnen sie durch ihre Eigentümer, aber auch durch die staatlich und überstaatlich erteilte Wächterfunktion. Sie sind mit Fonds, Banken, Staaten, Zentralbanken, Europäischer Union und Internationalem Währungsfonds Teil der gegenwärtigen Kapitalmacht.

Moderation: Andreas Hüllinghorst (jW)

Eintritt: 5,00 € / Ermäßigt: 3,00€

16.11.2012, Beginn 19:00 Uhr

31.10.2012, 22.25 Uhr, 3Sat: Im Dienst der Wirtschaftsmafia – ein Paradebeispiel für die (neoliberale) Stimmungsmache empörter Wutbürger

Empörung wird nicht nur in diesen Zeiten groß geschrieben. Es ist spätestens mit dem analytischen Meisterwerk „Die Schock Strategie“ von Naomi Klein bekannt, wie sogenannte Entwicklungsländer in die Knie gezwungen werden. Diese Politik benötigt freilich ihren Unterbau und ihre Helfershelfer. Und in diesem Fall kommt die Publikation Bekenntnisse eines Economic Hit Man (engl. Confessions of an Economic Hit Man aus dem Jahr 2004), veröffentlicht als Autobiographie von John Perkins genau zur rechten Zeit, um die neoliberale Politik in ihren realpolitischen Auswüchsen darzustellen. Und dass sich auch die Filmschaffenden dieser Thematik annehmen, war nur eine Frage der Zeit – in diesem Fall wurde der Film im Jahr 2007 uraufgeführt. Problematisch ist nur, dass bei all der berechtigten Kritik, die Rezipienten allein mit sich zurück bleiben und in diesen Beiträgen die Frage nach den Alternativen und Auswegen defintiv zu kurz kommen. Kurz: Der Analyse und Diagnose folgen in der Regel keine Vorschläge für therapeutische Maßnahmen und so bleibt er zurück, der empörte Wutbürger, und wird somit zum Bauernofper einer Protest-Maschinerie, die systemkonforme Proteste organisiert und peinlich genug darauf achtet, dass der Protest nicht aus dem Ruder läuft.
Gerade war die Kritik an der Globalisierung betrifft, da sollte es allen ganz gehörig zu denken geben, dass Wissenschaftlern mit Problemlösungsvorschlägen nicht das öffentliche Forum zugestanden wird, das sie eigentlich verdienen. Die entwicklungspolitischen Vorschläge des Sozialwissenschaftlers und Konfliktforschers Dieter Senghaas hätten wiederum einen medienpolitischen „Hit Man“ benötigt, der ihm die benötigte Aufmerksamkeit organisiert.
Tonsignal in mono

Im Dienst der Wirtschaftsmafia

(Apology of an Economic Hit Man)

Ein Geheimagent packt aus

Dokumentarfilm von Stelios Koul, USA 2008

Länge: 90 Minuten

John Perkins war ein „Economic Hit Man“, ein Wirtschaftskiller. Seine Aufgabe war es, Entwicklungsländer zu besuchen und den Machthabern überteuerte Großprojekte zu verkaufen, die sie in wirtschaftliche Abhängigkeit von den USA brachten. John Perkins wurde von einer internationalen „Beratungsfirma“ im Auftrag der National Security Agency (NSA) als Geheimagent entdeckt und ausgebildet. Nach zwölf Jahren stieg er aus. Weitere zwei Jahrzehnte später hatte er den Mut, auszupacken. Auslöser dafür war die Frage „Warum hassen sie uns so?“, die Präsident George W. Bush nach den Anschlägen am 11. September 2001 gestellt hatte. Heute leitet John Perkins die Organisation „Dream Change Coalition“, die zusammen mit den indigenen Völkern Südamerikas deren Umwelt und Kulturen zu schützen versucht.
Der Dokumentarfilm „Im Dienst der Wirtschaftsmafia – Ein Geheimagent packt aus“ von Stelios Koul begleitet den ehemaligen Agenten Perkins bei seinem Versuch, mit sich selbst ins Reine zu kommen, sich in öffentlichen Debatten für seine Aktionen im Staatsauftrag zu entschuldigen und Aufklärungsarbeit zu leisten. Der Film liefert dabei spannende Einblicke in das Netz der modernen Wirtschaftsmafia.
(ORF)

26.10.2012, dlf, 14.35 Uhr: Ausverkauf des Wissens verhindern Von Claudia van Laak

Auch die Universitäten entdecken die Informationsfreiheit für sich und setzen auf Transparenz. Doch ob ein Verhaltenskodex ausreicht, um den Einfluß privater Drittmittelgeber in den Griff zu kriegen?

Ausverkauf des Wissens verhindern

TH Berlin regelt den Umgang mit Geldgebern neu

Weitere Links zu der Problematik bei dradio.de:

Von Claudia van Laak

Während die Grundfinanzierung der Universitäten durch die Länder eher stagniert, steigt der Anteil privater Geldgeber. Und es steigt die Zahl derer, die das problematisch finden. Die Technische Universität Berlin hat jetzt reagiert und sich einen Verhaltenskodex gegeben.

Berlins Technische Universität ist stolz auf sich – in den letzten sechs Jahren ist es der TU gelungen, ihre Drittmittel zu verdoppeln. Im bundesweiten Ranking steht sie jetzt auf Platz 4. Das bedeutet auch, der Überblick über mehrere Hundert Kooperationsverträge droht verloren zu gehen. Deshalb jetzt der Verhaltenskodex, sagt TU Präsident Jörg Steinbach.

„Ich glaube, es war ein Gebot der Zeit, transparent mit den Verträgen, die man mit der Wirtschaft als Universität abschließt, umzugehen.“

Im letzten Jahr hatte Jörg Steinbach Prügel einstecken müssen für einen Vertrag von TU und Humboldt Uni mit der Deutschen Bank, der mittlerweile ausgelaufen ist. Die von der Deutschen Bank finanzierten Stiftungsprofessuren durften nur im Einvernehmen mit dem Unternehmen besetzt werden – eine unübliche und unzulässige Einflussnahme. Außerdem sah der Vertrag vor, dass die Deutsche Bank auf dem Campus unentgeltlich um neue Mitarbeiter werben und sogar die Hauspost der Uni dafür nutzen durfte. So einen Vertrag würde ich heute nicht mehr unterschreiben, gibt sich der Präsident der Berliner TU selbstkritisch…

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