Eine gute wie seriöse Datenlage in Deutschland zu Corona oder zur „evidenzbasierten“ Medizin sieht anders aus

Corona im Abwasser als verläßliches Frühwarnsytem!
Wasserwerke bzw. Politikerer in der Pflicht.
Forschung aktuell (Deutschlandfunk): Pandemie – Abwasser als Corona-Frühwarnsystem

Das Coronavirus wie neue Mutationen lassen sich auch im Abwasser der Wasserversorger nachweisen – und das schon einige Tage, bevor offizielle Testergebnisse vorliegen. Seit das bekannt ist, nutzen etliche Länder solche Untersuchungen als Frühwarnsystem. In Deutschland ist es noch nicht soweit.
Birne
Rudek fragt: Warum eigentlich nicht? Weil hier der Leitsatz gilt: Jeder soll sich eigenverantwortlich einreihen in lange Schlangen bei Eiseskälte von den Testzentren, um sich dann einem völlig unzuverlässigen Schnelltest auszuliefern. Gewiss ist die Konzentration von Coronaviren in der Luft der Testzentren (Viruslast) nicht gering und die Ansteckungsgefahr entsprechend hoch. Abgesehen davon wird mit dubiosen Schnelltests eine ganze Menge Geld geschäffelt. Übrigens, was die Zuverlässigkeit von Tests betrifft, wußten Sie, dass in Österreich jeder Bürger einmal in der Woche einen Anspruch auf einen kostenfreien zuverlässigen PCR-Test hat? Wäre es nicht besser, sinnvoller und auch kosteneffizienter, in Deutschland alle Wasserbetriebe anzuweisen bzw. zu verpflichten, die Abwässer auf Corona-Viren zu untersuchen und die Ergebnisse zu veröffentlichen? Zumal sich viele Personen aus oben dargelegten wie anderen Gründen NICHT testen lassen, was bedeutet, dass die Inzidenzwerte auf völlig unzuverlässigen Daten basieren! [Immerhin hat auch der Wissenschaftliche Dienst des Bundestages in seinem „Info-Brief“ vom 14.06.21 erwähnt: „Auch die Dunkelziffer, die Anzahl der Symptomlosen und nicht getesteten Personen, könnten erfasst werden“.]

Die hörenswerte Kurz-Reportage „Abwasser als Corona-Frühwarnsystem“  im Rahmen der Reihe „Forschung aktuell“ von Hellmuth Nordwig, ausgestrahlt am 20.07.2021 im Deutschlandfunk, können alle Interessierte nachhören unter https://www.deutschlandfunk.de/pandemie-abwasser-als-corona-fruehwarnsystem-100.html

Und zu den Schnelltests berichtete kürzlich (9.1.22) die Tagesschau unter dem Titel „Fragwürdige Schnelltests“, freilich ohne auf die bessere und aussagekräftigere Alternative hinzuweisen.

„Das Problem: Derzeit basieren die Testzulassungen vor allem auf Herstellerangaben. Erst im Mai soll sich das europäische Zulassungsverfahren ändern, fragwürdige Tests können aber wegen einer Übergangsfrist potenziell bis 2025 auf dem Markt bleiben – und sind es auch aktuell, wie Recherchen von Monitor und „Business Insider“ gezeigt haben.
Eine flächendeckende unabhängige Evaluierung aller verfügbaren Tests fordert Arne Weinberg von der Verbraucherzentrale NRW. Gerade auch bei Selbsttests müssten die Nutzerinnen und Nutzer Klarheit haben. Der Gesundheitsmarktexperte sieht, wie auch Virologe Keppler, ein großes Informations- und Transparenzdefizit im Bezug auf die Qualität der Schnelltests, die in Deutschland verkauft werden dürfen.“

Smiley DollarÜbrigens: Wußten Sie, dass für den Bund bereits bis zum August letzten Jahres (2021) Kosten von mehr als 3 Mrd. € für die Schnelltests angefallen sind (zdf heute)? Im Vergleich dazu nimmt sich die Summe von 720.000 €, die das Bundesministerium für Bildung und Foschung (BMFT) für das Projekt „SARS-CoV-2 Genom im Abwasser“ bewilligt hat,Warnschild bescheiden aus (s.„Info-Brief“ S.9). Ein trauriges Beispiel, wie auch fiskalpolitisch die falschen Prioritäten gesetzt werden. Statt das Potenzial unserer größtenteils öffentlichen Wasserwerke als diagnostisches Frühwarnzentrum zu nutzen und dann bei entsprechenden Corona-Werten jedem Bürger wöchentlich einen PCR-Test zu ermöglichen (wie in Österreich), wird an den Schnelltests mit samt privatisierter Infrastruktur festgehalten. Da beantwortet sich die Frage „Cui Bono – Wem nutzt es?“ nahezu von selbst.

 

Auch hörenswert ist die dlf-Reportage Corona-Forschung. Ausgebremst – Klinische Studien in Deutschland“ von Volkart Wildermuth, ausgestrahlt am 05.12.2021:

„Aber wo ist der deutsche Beitrag in den Kliniken? Wenn es um Studien zu Medikamenten und Therapien geht, verblasst die Leistung Deutschlands. So zumindest das Fazit einer noch nicht begutachteten Forschungsarbeit aus der Schweiz: „Alles in allem war der deutsche Beitrag zu den weltweiten klinischen Covid-19-Studien relativ bescheiden. Es gab einzelne exzellente Beispiele für erfolgreiche Studien. Aber die meisten konnten ihre Ziele nicht erreichen und konnten die dringend benötigten Erkenntnisse nicht liefern.“
Für das Jahr 2020 fanden die Autoren 65 deutsche Studien zu Corona. Es ging um Remdesivir, Dexamethason, Hydroxychloroquin, Antikörper oder eine Blutwäsche zum Entfernen von Entzündungsstoffen. Aber nur 17 der 65 Studien haben tatsächlich Ergebnisse publiziert. Am Geld allein kann es nicht gelegen haben.“

Tatsächlich ist die Datenlage, die ja die Grundlage für politische Massnahmen ist, mehr als nur fragwürdig:

„Der Neurologe Ulrich Dirnagl: „Also, nach allem, was wir wissen, ist in Deutschland nur jeder hundertste Patient, der mit der Diagnose Covid in ein Krankenhaus eingewiesen wurde, in eine klinische Studie eingeschlossen worden. Das ist eine sehr, sehr niedrige Rate.“
In Großbritannien war es jeder Sechste. Ulrich Dirnagl entwickelt an der Charité Strategien, um medizinische Forschungsergebnisse belastbarer zu machen. Die Corona-Pandemie hat seiner Ansicht nach wie ein Vergrößerungsglas bestehende Probleme sichtbar gemacht.“ Quelle: https://www.deutschlandfunk.de/ausgebremst-deutschlands-klinische-studien-in-der-corona-pandemie-100.html

Smiley ÄrgerDa stellt sich dann doch die Frage, nach welchen Kriterien die Auswahl von „geeigneten“ Patienten erfolgt und vor allem wie repräsentativ diese hochgradig selektiven Forschungsergebnisse für politische Entscheidungen sein können.

Fragmentarische Anmerkungen zur Wahl 2021 oder die Optimierung der Scheindemokratie

Fragmentarische Anmerkungen zur Wahl 2021 oder
die Optimierung der Scheindemokratie
Update 1

All jene Kräfte, die sich im weitesten Sinne dem rechten Spektrum zuordnen lassen, werden trotz massiver Stimmenverluste bei der CDU die Sektkorken knallen lassen, denn ein wichtiges Ziel im „Klassenkampf“ wurde erreicht und wird für immer und ewig mit dem ausgedienten Spitzenkandidaten der CDU/CSU-Fraktion Armin Laschet verbunden werden: Der personifizierte Klassenfeind, die Links-Partei, konnte durch die Rote-Socken- und Angst-Kampagne von Laschet vor einer kommunistischen Verbots-Diktatur unter 5% gedrückt werden. Dass die Links-Partei trotz eines Stimmenanteils von 4,9% im Bundestag vertreten sein wird, ist nur den 3 Direktmandaten zu verdanken. Nach der Grundmandatsklausel im Bundeswahlgesetz (§6 Abs.3 Bundeswahlgesetz) kann eine Partei, die mindestens 3 Direktmandate gewinnt, in Fraktionsstärke in den Bundestag einziehen. Gewiss haben pareiinterne Auseinandersetzungen in der Links-Partei oder auch die interne Diskreditierung von Sarah Wagenknecht ihren Anteil am schlechten Wahlergebnis. Doch das Negativ-Campaigning von Laschet wie die gezielte Ausgrenzung von Gruppen, die zur Wählerklientel der Links-Partei gehören (s.u.), dürften neben der linksfeindlichen Einstellungshaltung in den Chefetagen der großen Medienhäuser ausschlaggebend für das schlechte Abschneider der Links-Partei gewesen sein.

Im Wahl-Debakel um mögliche Koalitionen wie um die „Königsmacher“ – ein demokratiefeindlicher Sprachgebrauch, der deutlich nicht nur die Einstellungshaltung der Meinungsmacher, sondern auch deren Wunsch nach einer starken Regentschaft, nach einem starken Führer, hinter dem alle geschlossen stehen, zum Ausdruck bringt – geht die systemrelevante Kernfrage nach dem Repräsentationsanspruch der parlamentarischen Demokratie wieder einmal verloren. Nichtwähler wie jene Wählerstimmen, die an der 5% Hürde gescheitert sind, spielen keine Rolle. Statt dessen wird durch die prozentuale Aufschlüsselung der abgegebenen und gültigen Stimmen der irreführende Eindruck erweckt, dass dieses Wahlergebnis den Volkswillen repräsentiert. Um dieser hochgradigen Manipulation in Birneder öffentlichen Berichterstattung entgegenzuwirken, müssten die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten wie die Wahlleitungen verpflichtet werden, bei der Berechnung der Stimmenanteile als Bezugsgröße nicht nur die abgegebenen Wählerstimmen zu berücksichtigen, sondern als Demokratie-und Repräsentationsindex die Zahl aller Wahlberechtigten unter Einbeziehung der verlorenen Wählerstimmen, deren Interessen aufgrund der 5%-Hürde im Parlament keine Vertretung gefunden haben. Erst wenn die Kennziffer aller Wahlberechtigten bei den Berechnungen zur Grundlage erklärt werden würde, erst dann wäre klar erkennbar, dass das Bild von „einer Koalition der Mitte“ (Christian Lindner, FDP) nichts anderes ist als ein verlogenes Trugbild.

Aber warum sollten sich die etablierten Parteien im postfaktischen Zeitalter um eine ehrliche, wahrhaftige Berichterstattung über den tatsächlichen Wahlausgang bemühen? Obwohl der Repräsentationsindex über ein Drittel der Wahlberechtigten nicht erfasst, hält der Bundestag im europäischen Vergleich die meisten Mandate und jeder Mandatsträger erhält eine monatliche „Abgeordnetenentschädigung“ in Höhe von 10.012,89 €, die zwar steuerpflichtig, aber von Rentenbeiträgen befreit ist. Hinzu kommt noch eine steuerfreie Aufwandsentschädigung in Höhe von monatlich 4560€. Die Mitarbeiter der Abgeordneten werden davon übrigens nicht bezahlt. Nur zum repräsentativen Vergleich: Nach Angaben von Statista lag im Jahr 2020 das monatliche Durchschnittsgehalt eines vollzeitbeschäftigten Arbeitnehmers bei 3975 € brutto. Zurück zu den Verlierern, jenem guten Drittel, die vom parlamentarischen System nicht repräsentiert werden.Auch wenn die Motivlagen für das Nicht-Wählen unterschiedlich ausfallen, so steht unterdessen fest, dass der Anteil von Nicht-Wählern unter den von Armut betroffenen Menschen besonders hoch ist1. In diesem Kontext ist den Regierenden ein regelrechter Clou gelungen: Wenige Wochen vor der Wahl ist Grundsicherungsempfängern und Hartz IV Betroffenen per Bescheid mitgeteilt worden, dass ihr Regelsatz um 3€ „erhöht“ wird. Noch deutlicher kann Verachtung wie das Gefühl, unerwünscht zu sein, nicht zum Ausdruck gebracht werden. Nicht-Wähler werden nicht nur billigend und schweigend in Kauf Ausrufungszeiichengenommen. Sie werden mit Vorsatz produziert. Der Erklärungsansatz ist einfach wie simpel: Wer „uns“ nicht wählt, dessen Interessen müssen auch nicht vertreten werden. Entsprechend wird das Thema einer „Wahlpflicht“ in den Massenmedien zu einem absoluten Tabu erklärt und nicht ernsthaft diskutiert.
Auf einer Veranstaltung einer parteinahen Stiftung über den „Nichtwähler – das unbekannte Wesen“ wurde die damalige Generalsekretärin der SPD, Katarina Barley, mit dem Hinweis konfrontiert, dass in den Demokratien mit Wahlpflicht die Einkommenskluft zwischen reich und arm geringer ausfällt als in Ländern ohne Wahlpflicht, weil in den Ländern mit Wahlpflicht die politischen Parteien regelrecht gezwungen sind, sich um alle Wähler zu bemühen. Barley erwiderte spöttisch mit der üblichen arroganten Selbstgefälligkeit, der Diskutant könne ja versuchen, einen Volksentscheid zur Einführung einer Wahlpflicht durchzuführen – wohl wissend, dass Themen mit „Verpflichtungen“ unpopulär und mit direktdemokratischen Instrumenten nicht durchsetzungsfähig sind. Der angesprochene Diskutant antwortete schlagfertig: Erfolgreicher wäre gewiss ein Volksbegehren, das vorsieht, die Höhe der Diäten an die Höhe der Wahlbeteiligung zu koppeln – nach dem Motto: Leisten die Volksvertreter ihre Arbeit und motivieren viele Wähler zum Urnengang, dann fallen die Diäten hoch aus. Ist die Wahlbeteiligung hingegen niedrig, dann fallen die Diäten für die parlamentarischen „Minderleister“ entsprechend niedrig aus. Die Leser dürfen raten, wer im Saal die Lacher auf seiner Seite hatte. Natürlich wird es weder zu einer Wahlpflicht kommen noch zu einer dynamischen Koppelung der Diäten an die Höhe der Wahlbeteiligung.

Neoliberale Verfechter eines Marktextremismus wie Christian Lindner (FDP) dürften ein anderes Modell favorisieren: Eine Art Wahl-Börse, an dem Unentschlossene wie Nicht-Wähler mit ihrer Wählerstimme handeln und diese schließlich bei entsprechenden Geboten verkaufen und feil bieten können. Wäre das nicht die Vollendung der „marktkonformen“ Demokratie? Smiley Frage

Doch unabhängig von diesen Modellen und Hirngespinsten gibt es zur Beruhigung des linken Gemüts zwei mehr oder weniger positive Nachrichten: In der zweitgrößten Stadt Österreichs, in Graz, hat die Stadträtin Elke Kahl von der kommunistischen Partei Österreichs (KPÖ) die Lokalwahlen gewonnen! Elke Kahls Vertrauensvorsprung kommt nicht von ungefähr: Sie spendet bereits seit Jahren 2/3 ihres Einkommens an Menschen, die von Armut betroffen sind. Ein Beispiel, das Schule machen sollte und gewiss geeignet wäre, um das Image nicht nur der Links-Partei auf Vordermann zu bringen. Mensch stelle sich einmal vor: Es gäbe eine überparteiliche Initiative von Abgeordneten, die von ihren Bezügen einen Betrag spenden, der über dem durchschnittlichen Bruttoverdienst in Deutschland liegt – und das über eine ganze Legislaturperiode.

Smiley ÄrgerDie zweite Nachricht ist leider ein Plazebo: Der Volksentscheid in Berlin zur Enteignung von Wohnungsunternehmen war zwar formell erfolgreich, jedoch inhaltsleer und ist rechtlich nicht bindend, weil die Initiatoren dem Volksentscheid kein Volksgesetz zugrunde gelegt haben! Diese Aufgabe – so die rein appellative Aufforderung der Abstimmung – soll ausgerechnet die Exekutive, also der Berliner Senat übernehmen. Was dabei herauskommt, hat bereits der Berliner Mietendeckel gezeigt. Und so bedarf es keiner prophetischen Fähigkeiten um vorher zu sagen, was geschehen wird. Der Senat wird ein Gesetz erarbeiten, das Abgeordnetenhaus wird das Gesetz diskutieren und verabschieden, die Opposition wie die Immobilienwirtschaft wird gegen das Enteignungsgesetz klagen und das Verfassungsgericht wird dieses Gesetz wie bereits den Mietendeckel kassieren und verwerfen. Währenddessen werden die Mieten weiter steigen. Um einem Missverständnis vorzubeugen: Die Mietenentwicklung bleibt gerade vor dem Hintergrund hoher Inflationsraten das vorrangigste und wichtigste Problem. Ein verfassungsrechtlich kompatibler Ansatz, der darüber hinaus auch den öffentlichen Haushalt nicht belasten würde, ist auch vom Verfasser, der übrigens selbst Mieter bei der Deutschen Wohnen ist, den Initiatoren vorgestellt worden, fand aber weder Gehör noch Berücksichtigung2. Statt dessen wurde das wichtigste und schärfste Instrument, die Volksgesetzgebung, zu einer 0-Nummer pervertiert, indem die wichtigste Funktion, die Macht zur Definition von Rechtsnormen durch die Erarbeitung eines Gesetzes, nicht genutzt wurde. Dabei zeichnet sich die direktdemokratische Volksgesetzgebung vor allem dadurch aus, dass klare rechtliche Lösungen formuliert werden, die im Idealfall frei von Kompromissen sind, während im Rahmen der parlamentarischen Gesetzgebung stets um (nicht selten faule) Kompromisse gerungen wird. Der einzige Rahmen, der auch bei der Entwicklung von Volksgesetzen eingehalten werden muss, ist die Wahrung der verfassungsrechtlich verbrieften Grundrechte. Leider haben die Initiatoren dieses Instrument weder genutzt noch geschärft, was nicht verwundert, wenn man sich mit den Biografien und „Verbandelungen“ der Strippenzieher und Wortführer näher befasst. Daher ist dieser Volksentscheid ein offensichtlicher Plazebo und es ist kaum verständlich,Dollar Sack warum die Journalie um dieses Nebelkerze so viel heiße Luft und Aufmerksamkeit produziert, während wirklich heiße Eisen wie die Schlüsselrolle von Olaf Scholz (SPD) nicht thematisiert werden. Warum der Spitzenkandidat der SPD mit Samthandschuhen behandelt wurde, verwundert vor dem Hintergrund der noch nicht absehbaren Folgen des Wirecard-Skandals. Nur zur Erinnerung: Als von Journalisten der Financial Times die Luftbuchungen aufgedeckt worden waren, hatte die BaFin nichts besseres zu tun, als Ermittlungsverfahren gegen die Journalisten und nicht gegen Wirecard einzuleiten. Die Rechtsaufsicht über die BaFin lag beim Finanzminister Olaf Scholz und wer glaubt, die BaFin hätte derartige Schritte ohne billigende Zustimmung des Kanzlerkandidaten und verantwortlichen Finanzministers vorgenommen, der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Und was die „Wahlpannen“ in Berlin betrifft, da wären alle gut beraten, sich nicht mit dem Rücktritt der Berliner Landeswahlleiterin zu begnügen. Denn für die Überschneidung der Termine von Wahltag und Marathon ist sie nun wirklich nicht zur Verantwortung zu ziehen. Und ob die Engpässe beim Wahlpersonal durch zahlreiche, kurzfristige Krankmeldungen von Wahlhelfern möglicherweise ein gezielter Angriff von Querdenkern oder anderen subversiven Netzwerken stammt, wird das Wahlvolk höchstwahrscheinlich nie erfahren.

Thomas Rudek, Berlin, 30. Sept. 2021

Der Parlamentarismus ist die Kasernierung der politischen Prostitution“
Karl Kraus

Autovertreter verkaufen Autos, Versicherungsvertreter Versicherungen. Und Volksvertreter?“
Stanislaw Jerzy Lec

Hinweise:

Streitkultur: Sollten Wahlumfragen abgeschafft werden?
Der Mathematiker und Statistiker Gerd Bosbach und der Politik- und Meinungsforscher Richard Hilmer im Gespräch, Sendung des Deutschlandfunks vom 25.9.2021 nachzuhören unter
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/09/25/sollten_wahlumfragen_abgeschafft_werden_gerd_bosbach_vs_dlf_20210925_1705_835c3e98.mp3

Im Gespräch: Immer mehr Nichtwähler – Wie steigern wir die Wahlbeteiligung? Mit Ferda Ataman, Journalistin und Publizistin, und Prof. Dr. Armin Schäfer, Professor für Vergleichende Politikwissenschaft an der Universität Münster,Sendung von Deutschlandfunk Kultur vom 25.9.2021 nachzuhören unter:
https://www.deutschlandfunkkultur.de/nichtwaehler-wie-steigern-wir-die-wahlbeteiligung.970.de.html?dram:article_id=503240
https://ondemand-mp3.dradio.de/file/dradio/2021/09/25/immer_mehr_nichtwaehler_wie_steigern_wir_die_drk_20210925_0905_563cc727.mp3

Tagesgespräch – Berliner stimmen für Enteignung von Wohnungsbaugesellschaften: Was halten Sie davon?
Sendung von Bayern 2 vom 28.9.2021, Podcast unter https://media.neuland.br.de/file/1838031/c/website/berliner-stimmen-fuer-enteignung-von-wohnungsbaugesellschaften-was-halten-sie-davon.mp3

1Prof. Arnim Schäfer wurde von der ehemaligen Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) im Zusammenhang mit dem Reichtuns- und Armutsbericht beauftragt, ein Gutachten zur Responsivität in deutschen Parlamenten zu erstellen. Dieses Gutachten untersuchte in zahlreichen Politikfeldern die interessenspolitischen Einflussmöglichkeiten und kam zu dem empirischen Befund, dass von Armut betroffene Interessen unberücksichtigt bleiben.

Die Anstalt: Julian Assange und Nawalny im Vergleich – überfällig & brillant

Liebe Medieninteressierte,

als kürzlich von der EU-Kommission der erste Rechtsstaats-TÜV vorgenommen wurde, erhielten vor allem Staaten in Osteuropa schlechte Noten. Doch die Details, die am Dienstag in der ZDF-Sendung „Die Anstalt“ über den Schauprozess gegen Julian Assange gezeigt wurden, lassen keinen Zweifel aufkommen, dass im englischen Königreich Rechtsstaatlichkeit nicht mehr die geringste Rolle spielt. Brillant war am Anfang der Vergleich zwischen den Verdiensten, die Julian Assange vorzuweisen hat, und denen des Rechtsextremisten Nawalny, der von den öffentlich-rechtlichen Medien in einer schon unerträglichen Weise gelobt worden ist. Wenn Julian Assange eine derartige mediale Öffentlichkeit erhalten hätte, und vor allem Merkel und andere Vertreter des politischen Meinungskartells sich in vergleichbarer Empörung über die Inhaftierung von Assange aufgeregt hätten wie über Nawalny, wäre die Aufmerksamkeit und der Druck wesentlich größer. Aber während Nawalny sich nach einem von wem auch immer ausgeführten Gift-Anschlag bestens erholt, sitzt Julian Assange immer noch in Isolationshaft. Es ist auch eine Schande, wie die „Gatekeeper“ und Chefredakteure in den Leitmedien darauf achten, dass die Empörung über die Repression und Menschenrechtsverletzungen, die Assange erfahren muss, klein gehalten wird. Denn bei Assange geht es nicht nur um Rechtsstaatlichkeit, sondern vor allem um den Stellenwert der Pressefreiheit. Doch wer das Renegatenpaar Domscheit-Berg zum „Freund“ hat, die vollauf damit beschäftigt waren, den Ruf von Julian Assange zu desavouieren, der braucht keine Feinde!

Interessierte finden die Sendung unter https://www.zdf.de/comedy/die-anstalt/die-anstalt-vom-29-september-2020-100.html

Unten noch ein Termin-Hinweis zu einer Veranstaltung für Personen, die sich am Montag in Berlin aufhalten – mit der ausdrücklichen Bitte um Weiterleitung.

Thomas Rudek

Montag, 5. Oktober 2020, 19:00 bis 21:00 Uhr
Internationale Politik
Assange-Prozess, Whistleblower, Schutz der Pressefreiheit im digitalen Zeitalter
Mit: Diani Barreto (German Assange Campaign), Dr. Gregor Gysi (außenpolitischer Sprecher der Linksfraktion im Bundestag, Rechtsanwalt), Wolfgang Kaleck (Rechtsanwalt des Wistleblower Edward Snowden), Angela Richter (Theaterregisseurin und Autorin des Buch Supernerds)
Das Gespräch moderiert Anne Helm (Vorsitzende der Linksfraktion im Abgeordnetenhaus).
Kosten: 2,00 Euro. Teilnahme nur nach Anmeldung möglich.
Ort: Theater im Delphi, Gustav-Adolf-Straße 2, 13086 Berlin

 

Nachruf: EX-Superminister Wolfgang Clement

Ein anderer Nachruf zum Tod von Wolfgang Clement

Ich kann mich noch gut an einen persönlichen Schlagabtausch mit ihm erinnern. Anläßlich des Tags der offenen Tür der Bundesministerien ließ Clement die Bürger und Journalisten lange warten und trudelte erst kurz vor Ende ein. Bürger waren kaum noch präsent im Gegensatz zu zahlreichen Journalisten, deren wachsende Ungeduld deutlich zu spüren war. Ich fragte einen der Journalisten, ob er Infos hätte, ob Clement uns heute noch die Ehre erweisen würde. Er sagte, ja, er würde gleich kommen und fragte, warum ich ihn gerne sehen würde. Ich antwortete, dass ich ihn gerne zu den 1-€-Jobs befragen würde. Der Journalist hielt kurz Rücksprache und kam dann zurück und machte mir den Vorschlag, dass ich mich ihnen anschließen sollte (so tun, als ob ich mit dazu gehöre). Wenn sich dann Clement für sein Statement vor den laufenden Kameras positioniert, würde ich einen kleinen Schubs erhalten und sollte ihm dann kurz & bündig meine Frage stellen. Und genauso lief es: Ich fragte Clement, was von dem Hinzuverdienst in Höhe von 1€ (in Berlin 1,50€) übrig bleiben würde, wenn die Fahrtkosten zum 1-€-Job mit dem öffentlichen Nahverkehr, die Kosten für die Arbeitsklamotten, Schuhe etc. abgezogen würden und ob der Restbetrag ausreichen würde, um eine private Rentenversicherung abzuschließen, damit man nicht im Rentenalter in die Altersarmut abrutscht. Clemento antwortete, dass er gar nicht wüßte, was ich habe, denn nun seien schließlich alle ehemaligen Sozialhilfeempfänger rentenversichert. 4 Jahre später wurde übrigens genau dieser Rentenversicherungsbetrag für Hartz-IV-Betroffene abgeschafft. Immerhin hat dieser kurze Schlagabtausch es ins Heute-Journal gebracht und es ist schade, dass viele Mut-Bürger ihren Unmut auf der Straße äußern, aber nicht den Tag der offenen Tür für wirksame Stör-Aktionen nutzen!
Die bewußt kalkulierten traumatischen Auswirkungen der Agenda-Politik hat die Journalistin Anna Mayr in ihrem Buch „Die Elenden“ vortrefflich beschrieben. Anna Mayr hat zwei erwerbslose Eltern (die alles andere als bildungsfern waren) und mußte als Kind und Jugendliche „dank“ Clement & Co. tagaus, tagein das Trauma erfahren, was es heißt nicht dazu zu gehören. Ein großartiges Buch. Für mich das beste Buch in diesem Jahr.
Übrigens hat Clement, der 80jährig an Lungenkrebs gestorben ist, sich natürlich als machtbesessener Soziopath nicht aus der Politik zurückgezogen. In letzter Zeit hatte er die FDP beraten. Vergleicht man Clement und Sarrazin, dann war Clement der größere Soziopath. Und dass er am Ende seines Lebens bei der FDP und dem EXIT-Spezialisten Lindner nicht nur gelandet, sondern auch mit offenen Armen aufgenommen worden ist, sollte zu denken geben.
Ein alter HERRscher weniger!

Blei im Trinkwasser nicht nur in Flint (USA): Michael Moores Fahrenheit 11/9 besser als Fahrenheit 9/11 (Update)

Fhrenheit911Aufgepaßt und nicht verwechseln: Fahrenheit 11/9 besser als Fahrenheit 9/11
Systemkritik des Ausnahmefilmemachers Michael Moore –  aktueller & besser als je zuvor

Auf den ersten Blick erscheint es völlig unverständlich, dass Michael Moore (Bowling for Colombine) mit seinem letzten und besten Film „Fahrenheit 11/9“ das niedrigste Einspielergebnis in seiner Karriere erzielen konnte. Höchstwahrscheinlich ist das bedauerliche Ergebnis auf die Titelwahl zurück zu führen. In seinem älteren und mehrfach ausgezeichneten Film „Fahrenheit 9/11“ (2004) präsentierte Moore seine Recherchen über den Terroranschlag auf das World Trade Center. In „Fahrenheit 11/9“ (2018) geht es neben Trump vor allem um die Erosion der Demokratie und den alltäglichen Rassismus gegenüber den in die Armut getriebenen Bevölkerungsschichten, exemplarisch dargestellt am Beispiel der Umstellung der Trinkwasserversorgung auf hochgradig kontaminiertes Wasser aus einem kontaminierten Fluss in Flint (Bundesstaat Michigan). Als Rick Snyder als Notverwalter und Gouverneur eingesetzt wurde, beschloss dieser neben anderen Sparmaßnahmen die Trinkwasserversorgung Flints aus dem sauberen Huron-See zu ersetzen durch die Wasserentnahme aus dem kontaminierten Flint-River. Nachdem die Autoteile in einer von General Motors betriebenen Autoproduktionsanlage starke Korodierungseffekte aufwiesen, wurde für das Autowerk der Zugang zu der ursprünglichen Versorgungsquelle wieder hergestellt, nicht aber für die Bevölkerung Flints, obwohl dort Großteile der Bevölkerung Symptome einer schweren Bleivergiftung aufwiesen. Was diesen Film so sehenswert macht, sind die Details, angefangen von der enttäuschenden Rolle Obamas in diesem jahrelang andauernden Skandal bis zur Aussage einer „freigesetzten“ Mitarbeiterin des dortigen Gesundheitsamtes, die angewiesen wurde, bei den gemessenen Bleiwerten im Blutbild von Kindern und Schülern – größtenteils Afroamerikaner – immer den gesetzlichen Bleiwert zu notieren, obwohl die tatsächlich gemessene Werte um ein Vielfaches höher lagen.

Hoffnungsvoll stimmen in diesem Film die vorgestellten Widerstandsbewegungen von Schülern und Lehrern Smiley TVbeispielsweise gegen den Waffenwahn in den USA. Auch die eingeblendeten Filmsequenzen über die Machtergreifung Hitlers scheinen keineswegs überzogen, sondern in Anbetracht der aktuellen Entwicklungen (nicht nur in den USA) durchaus angemessen. Leider wurde dieser äußerst sehenswerte Moore-Film im ZDF am 2.7.20 zu nachtschlafener Zeit um 00.40 Uhr ausgestrahlt und ist nur bis zum 20.7.20 in der Mediathek des ZDF verfügbar. Doch möglicherweise ist der Film in ihrer Bibliothek vorhanden und ansonten kann er auch kommerziell erworben werden.

Smiley staun klein - KopieZur aktuellen Situation:
„Nach einer Analyse der U.S. Environmental Protection Agency wurden zwischen 2012 und 2015 sind von 470 Tests an Schulen und Kindertagesstätten 350 mit zu hohen Bleiwerten aufgefallen. In den USA liegt der Grenzwert für Blei im Trinkwasser bei 0,015 Milligramm/Liter (Deutsche Trinkwasserverordnung: Grenzwert Blei 0,01 Milligramm/Liter). Dieses Ergebnis lässt vermuten, dass 20 Prozent der gesamten amerikanischen Trinkwasserversorgung den Grenzwert von Blei überschreitet… Die Amerikanische Umweltbehörde EPA schätzt, dass etwa 90.000 Schulen und eine halbe Millionen Kindertagesstätten nicht durch den Drinking Water Act geregelt sind, welcher vergleichbar mit der Deutschen Trinkwasserverordnung ist. Das liegt daran, dass kommunale Wasserversorger selbstverantwortlich sind und sie ihr Wasser selbst testen und nicht von den Bundesbehörden kontrolliert werden.“
https://www.worldtimes-online.com/news/371-flint-skandal-weitet-sich-aus-in-allen-us-staaten-ist-trinkwasser-mit-blei-verseucht.html